{"id":154,"date":"2010-03-06T22:59:38","date_gmt":"2010-03-06T21:59:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.zanetti.ch\/?p=154"},"modified":"2010-03-06T22:59:38","modified_gmt":"2010-03-06T21:59:38","slug":"was-ist-schon-fair","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=154","title":{"rendered":"Was ist schon fair?"},"content":{"rendered":"<p>Es ert\u00f6nt wieder einmal der Ruf nach Fairness. Ein b\u00fcrgerliches Komitee fordert \u201efaire Renten\u201c und will uns so die Senkung des Umwandlungssatzes f\u00fcr die Berechnung unserer Renten schmackhaft machen. Sind also tiefe Renten faire Renten? Oder sind Renten dann fair, wenn sie langfristig sicher sind? Und warum soll es bei Bananen umgekehrt sein? Warum gilt deren Preis dann als fair, wenn er h\u00f6her als \u00fcblich ist? Ist nicht das fair, worauf sich zwei Parteien im Vollbesitz ihrer geistigen Kr\u00e4fte einigen? Wie dem auch sei, angesichts der inflation\u00e4ren Verwendung der Begriffe \u201eFairness\u201c und \u201efair\u201c soll an dieser Stelle, einmal der Frage nachgegangen werden, ob diese Kampfbegriffe \u00fcberhaupt ins Vokabular seri\u00f6ser Politiker geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Angenommen, ich m\u00fcsste ein Wettrennen gegen Usain Bolt bestreiten. Wer um meine sportlichen Qualit\u00e4ten weiss, ist bestimmt damit einverstanden, dass mir der Olympiasieger und Weltrekordhalter aus Jamaika der Fairness halber einen (grossen) Vorsprung einr\u00e4umen m\u00fcsste, damit wir die Ziellinie zumindest ann\u00e4hernd gleichzeitig \u00fcberqueren w\u00fcrden. Es kann also sein, dass wir f\u00fcr faire Bedingungen, oder dem, was wir daf\u00fcr halten, ganz bewusst Ungleichbehandlungen in Kauf nehmen, ja diese sogar schaffen.<\/p>\n<p>Am lautesten wird Fairness von den Sozialdemokraten und ihren Verb\u00fcndeten eingefordert. Sie sprechen allerdings auch synonym von (sozialer) Gerechtigkeit, wobei unter diesem Stichwort so ziemlich gegen jede Ungleichheit zu Felde ziehen. Wenn einer mehr verdient als der andere, so interpretieren sie dies reflexartig als Ungerechtigkeit und nicht etwa als Resultat unterschiedlichen Handlungsgeschicks, unterschiedlicher Ausbildung oder Leistung. Ausserordentliche Leistung ist ihnen ohnehin zuwider. Als Mittel dagegen haben sie eigens progressiv ansteigende Einkommenssteuern erfunden, was im Grunde eine Lenkungsabgabe gegen Arbeit ist. Ist das fair? Und ist das klug?<\/p>\n<p>In Ihrem Kreuzzug gegen das Unrecht dieser Welt ersetzen die Sozis in der Regel altes Unrecht durch neues Unrecht. Zum Beispiel in der Schule, wo sie die schwachen Sch\u00fcler durch die \u201eBildungsfernen\u201c ersetzten. Ein uns\u00e4glicher Begriff, der klar machen soll, dass lediglich widrige \u00e4ussere Umst\u00e4nde f\u00fcr die schlechten Noten verantwortlich sind. Da hilft nat\u00fcrlich alles Lernen nichts, nur noch staatlicher Geldsegen, und, als h\u00e4tte jemals ein gesunder Apfel einen kranken angesteckt, werden die schwachen Sch\u00fcler in Klassen gesteckt, in die sie von ihren F\u00e4higkeiten her ganz einfach nicht geh\u00f6ren. Und kein Genosse st\u00f6rt sich daran, dass diese Zwangsintegration gegen\u00fcber dem starken und leistungswilligen Sch\u00fcler im h\u00f6chsten Masse unfair ist. Emp\u00f6rung wird erst dann wieder laut, wenn sich zeigt, dass \u201ebildungsnahe\u201c Eltern ihren Kindern, bei den Hausaufgaben helfen oder sogar Nachhilfestunden finanzieren. Das sei unfair heisst es dann aus der linken Ecke, denn schliesslich seien bildungsferne Eltern insbesondere wegen ihres \u201eMigrationshintergrunds\u201c dazu nicht in der Lage. Und zur Abhilfe wird \u2013 ganz im Sinne radikaler sozialistischer Gleichmacherei \u2013 die Abschaffung der Hausaufgaben empfohlen. Dass die Umsetzung dieses Vorschlags ausnahmsweise nichts kosten w\u00fcrde, vermag allerdings nicht dar\u00fcber hinwegzut\u00e4uschen, dass das Bildungsniveau dadurch noch tiefer sinken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jemand sollte den Genossinnen und Genossen sagen, dass die Welt, ja die Natur, nicht fair ist. Das gilt es, so zu akzeptieren. Es gibt nun einmal Ungerechtigkeiten, die nicht der Gesellschaft angelastet werden k\u00f6nnen, und die sich nicht durch Umverteilen von Geld beseitigen lassen. Die Menschen sind nun einmal unterschiedlich gescheit, unterschiedlich stark, unterschiedlich alt, unterschiedlich sch\u00f6n und unterschiedlich sympathisch. Und das ist gut so. Daran kann zum Gl\u00fcck auch die Politik nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>_____<\/p>\n<p>Erschienen in der Berner Zeitung vom 6. M\u00e4rz 2010<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ert\u00f6nt wieder einmal der Ruf nach Fairness. Ein b\u00fcrgerliches Komitee fordert \u201efaire Renten\u201c und will uns so die Senkung des Umwandlungssatzes f\u00fcr die Berechnung unserer Renten schmackhaft machen. Sind also tiefe Renten faire Renten? Oder sind Renten dann fair, wenn sie langfristig sicher sind? Und warum soll es bei Bananen umgekehrt sein? 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