{"id":1636,"date":"2018-08-22T08:34:56","date_gmt":"2018-08-22T06:34:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=1636"},"modified":"2018-08-22T08:35:11","modified_gmt":"2018-08-22T06:35:11","slug":"tuerkei-mit-dem-ruecken-zur-wand-ein-gastbeitrag-von-hans-kaufmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=1636","title":{"rendered":"T\u00fcrkei: Mit dem R\u00fccken zur Wand &#8211; Ein Gastbeitrag von Hans Kaufmann"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg\"><strong>Die T\u00fcrkei-Krise trifft nicht nur die T\u00fcrkei, sondern auch andere Emerging Markets (EM), denn auch dort ist die Verschuldung in Lokal- und Fremdw\u00e4hrungen in den letzten Jahren massiv angestiegen. Deshalb k\u00f6nnen steigende Zinsen und ein starker USD auch andernorts zu Problemen f\u00fchren. <\/strong><\/a><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1318 alignleft\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007-213x300.jpg?resize=155%2C218\" alt=\"\" width=\"155\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg?resize=213%2C300&amp;ssl=1 213w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg?resize=768%2C1082&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg?resize=727%2C1024&amp;ssl=1 727w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 155px) 100vw, 155px\" \/><\/a><strong>Die grenz\u00fcberschreitenden USD-Kredite der EM haben sich von rund USD 600 Mrd. im Jahre 2000 auf derzeit USD 2&#8217;489 Mrd. rund vervierfacht. Der Preiszerfall wichtiger Exportrohstoffe und die Kurseinbr\u00fcche am Forex-Markt, aber auch der sich zuspitzende globale Handelskrieg stellt die Bonit\u00e4t und den bis anhin erfreulichen Wirtschaftsverlauf wieder infrage, auch wenn die W\u00e4hrungsreserven vieler EM stattlicher sind als anl\u00e4sslich der fr\u00fcheren EM-Krisen (1987: Brasilien, 1995: Mexiko, 1997: Asien, 2002: Argentinien). Beim politisch motivierten Wirtschaftskrieg zwischen den USA und der T\u00fcrkei geht es nicht nur um die Freilassung eines inhaftierten US-Predigers in der T\u00fcrke, sondern um die R\u00fcckeroberung der globalen F\u00fchrerschaft der USA gegen Russland und China nach dem Motto \u00abAmerica first\u00bb. Wirtschaftlich w\u00fcrde Europa von einer eskalierenden T\u00fcrkei-Krise weit st\u00e4rker getroffen als die USA. Der Konflikt k\u00f6nnte sich sogar zu einem Fl\u00e4chenbrand an den Finanzm\u00e4rkten ausweiten. Auch die asiatische Finanzkrise startete 1997 in einem scheinbar unbedeutenden Land, in Thailand, weitete sich dann aber schlagartig auf Malaysia, die Philippinen, S\u00fcdkorea und Indonesien aus. <\/strong><\/p>\n<p><strong><u>Wirtschaftswunder dank Schuldenwirtschaft<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei ist mit einem Bruttoinlandprodukt von USD 841 Mrd. (2017) die <strong><u>17. gr\u00f6sste Volkswirtschaft der Welt<\/u><\/strong> (etwa gleichgross wie die Niederlande). (Zum Vergleich: Schweiz Rang 20, USD 679 Mrd., kaufkraftbereinigt Rang 40) Mit \u00fcber 80 Mio. Einwohnern \u00fcbertrifft das Land sogar Deutschland, was mit Blick auf einen EU-Beitritt insofern problematisch w\u00e4re, weil dann die T\u00fcrken im EU-Parlament \u00fcber die gr\u00f6sste Delegation verf\u00fcgen w\u00fcrden. Kaufkraftm\u00e4ssig liegt das Land gem\u00e4ss IWF sogar auf Rang 12, vergleichbar mit Italien oder S\u00fcdkorea. Seit der Macht\u00fcbernahme durch Erdogans AKP (Adalet ve Kalk\u0131nma Partisi) im Jahre 2002 erlebte die T\u00fcrkei ein markantes Wachstum von 5.7% pro Jahr (1980 bis Macht\u00fcbernahme 3.9%). Innerhalb der Regierungszeit der AKP nahm das BIP um 130% zu. Allerdings wuchs in dieser Zeit auch die Bev\u00f6lkerung um 14 Mio. bzw. 22%, so dass das Pro-Kopf-BIP weniger stark zulegte. Seit 2010 haben sich die Immobilienpreise fast verdreifacht. Die Stundenl\u00f6hne haben sich seit 2003, unter der 15-j\u00e4hrigen Erdogan Regierungszeit, sogar versechsfacht. Der Aktienindex legte seit Ende 2002 bis Januar 2018 1074% zu. Die B\u00f6rsenkapitalisierung erreichte Ende 2017 rund USD 228 Mrd. (Gewichtung im MSCI-Weltindex 0.2%). Seither gingen davon rund USD 50 Mrd. durch Kursabschl\u00e4ge verloren. Selbst unter Ber\u00fccksichtigung der Inflation von 287% in diesen 15 Jahren, verblieb ein deutlicher realer Wohlstandszuwachs. Die Arbeitslosenquote lag Ende 2017 mit \u00fcber 11% allerdings h\u00f6her als zu Beginn der Amtszeit, als sie bei 9.8% lag. Das BIP-Wachstum wurde zu einem wesentlichen Teil durch staatliche Investitionen und Subventionen getragen. Viel Geld hat die Regierung f\u00fcr politische Prestigeprojekte ausgegeben, so zum Bau einer 3. Bosporus-Br\u00fccke oder einen neuen Flughafen. Dennoch machen die Staatsausgaben &#8222;erst&#8220; 31% des BIPs aus (2017: Euroraum 47.1%, EU 45.8%). Die Staatsverschuldung liegt bei &#8222;nur&#8220; 28% (Euroraum 86.7%, EU 81.2%). Dies obwohl auch die T\u00fcrkei j\u00e4hrliche Defizite im Staatshaushalt verzeichnet, allerdings unter Erdogan lediglich durchschnittlich 2.6% des BIPs, w\u00e4hrend sie in den zwei Jahren vor seinem Amtsantritt noch 12% des BIPs betrugen. Die T\u00fcrkei w\u00fcrde bei einem EU-Beitritt sogar f\u00fcr den Euro qualifizieren, w\u00e4re da nicht die anhaltend hohe Inflation. Die Investitionen, die vor Erdogans Zeit 1980-2002 durchschnittlich 23% des BIPs ausmachten, stiegen bis 2017 auf 31% des BIPs an. Das Sparaufkommen vermochte mit diesem rasanten Umbau der t\u00fcrkischen Wirtschaft nicht Schritt zu halten. Deshalb musste ein grosser Teil der Investitionen fremdfinanziert werden. Die private Verschuldung ist rasant angestiegen, von 24% des BIP anfangs 2002 auf heute 85% des BIP. Umfangreiche staatliche Kreditgarantien haben viele t\u00fcrkische Unternehmen risikoblind gemacht.<\/p>\n<p><strong><u>Aufstieg Erdogans und Unterdr\u00fcckung der Opposition <\/u><\/strong><\/p>\n<p>Der Aufstieg des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan ist auch mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Landes zu erkl\u00e4ren. Dieser Wirtschaftsboom scheint nun aber beendet. Die AKP kam 2002, Erdogan selbst im Jahre 2003 nach der schwersten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg an die Macht. Seither hat Erdogan nur eine Zeit prosperierender Wirtschaft erlebt, die die Staatskassen f\u00fcllte. Deshalb war es auch m\u00f6glich, die Staatsausgaben im Verh\u00e4ltnis zum BIP von 41% (2002) auf 33% (2017) zu dr\u00fccken. Er und seine Mitk\u00e4mpfer, aber auch die junge Generation sind nun erstmals mit einem drohenden Konjunkturr\u00fcckschlag konfrontiert. Wie man damit umzugehen hat, dazu fehlt der Regierung und wohl auch vielen Wirtschaftsakteuren die n\u00f6tige Erfahrung. Die Wirtschaftskrise in der T\u00fcrkei ist entgegen den Behauptungen der Regierung hausgemacht. Der wirtschaftliche Druck der USA wird den sich abzeichnenden Konjunktureinbruch lediglich beschleunigen.<\/p>\n<p>Mit seiner Wiederwahl im Juni 2018, einer Mehrheit im Parlament und einer Verfassungs\u00e4nderung, die ihm weitreichende Vollmachten einr\u00e4umt, indem er mit einfachen Dekreten regieren kann, verf\u00fcgt der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident praktisch \u00fcber diktatorische Machtbefugnisse. Diese Machtf\u00fclle erlaubt ihm alle vermeintlichen und tats\u00e4chlichen Regimegegner aus dem Wege zu r\u00e4umen, auch wenn diese S\u00e4uberungen zu Tausenden von Entlassungen aus dem Staatsdienst und Verhaftungen en masse f\u00fchren. Menschenrechte werden teils mit F\u00fcssen getreten und Willk\u00fcrjustiz macht sich im Lande breit. Der schon seit Jahren schwelende B\u00fcrgerkrieg gegen die kurdische Bev\u00f6lkerung im Osten des Landes f\u00fchrte dazu, dass die t\u00fcrkische Armee 2017 sogar nach Syrien vorstiess, um dort die angeblich mit den t\u00fcrkischen Kurden verb\u00fcndeten syrischen Kurden zu bek\u00e4mpfen. Diese haben die Amerikaner beim Kampf gegen den IS in Syrien unterst\u00fctzt. Erdogan f\u00fcrchtet offenbar um seine Machtstellung, weshalb er Feindbilder im Ausland schafft, um von den Problemen im Inland abzulenken. Nun erh\u00e4lt er von den Finanzm\u00e4rkten eine Quittung f\u00fcr sein politisches Verhalten. Politische Risiken werden in der Regel haupts\u00e4chlich in den W\u00e4hrungen, dann bei den Zinsen und schliesslich an den Aktienm\u00e4rkten abgestraft. Im Jahre 2018 sackte die t\u00fcrkische Lira gegen\u00fcber dem USD um rund 40% zusammen. Im laufenden Jahr erweist sich die t\u00fcrkische Lira (abgesehen von Venezuela) somit als schw\u00e4chste W\u00e4hrung weltweit. Erdogan sieht aber die Schuld daf\u00fcr nicht bei seinem eigenen Verhalten, sondern bei Verschw\u00f6rern im Ausland. Schon der angebliche oder tats\u00e4chliche Milit\u00e4rputsch sei vom Ausland her (G\u00fclen-Bewegung) gesteuert worden.<\/p>\n<p><strong><u>Defizite im Aussenhandel, Inflation und W\u00e4hrungszerfall<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Die Achillesferse der t\u00fcrkischen Wirtschaft ist nicht ein aufgebl\u00e4hter Staat, sondern die hohen Defizite im Aussenhandel. Vor Erdogans Macht\u00fcbernahme (1980-2002) lagen die <strong><u>j\u00e4hrlichen Ertragsbilanzdefizite<\/u><\/strong> bei 0.8% des BIP, w\u00e4hrend seiner Regentschaft bei durchschnittlich 4.9% des BIP, zuletzt, im Jahre 2017, bei 5.5% bzw. USD 47 Mrd. Diese j\u00e4hrlichen Defizite summieren sich auf USD 548 Mrd., die weitgehend vom Ausland refinanziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei war schon immer ein <strong><u>Hochinflationsland<\/u><\/strong>. Selbst w\u00e4hrend der Amtszeit von Pr\u00e4sident Erdogan haben sich die Preise fast vervierfacht (+287%). Diese Preisentwicklung entspricht einer j\u00e4hrlichen Inflation von rund 9.6%. Nun ist die Teuerung jedoch innert K\u00fcrze auf 15.9% (Juli 2018) angestiegen, was viele Marktteilnehmer an die Zeiten vor Erdogan erinnert, als die j\u00e4hrliche Teuerung bei rund 65% (1980-2002) lag. Die politischen Unsicherheiten und die hohe Inflation haben zu einem massiven Zinsanstieg f\u00fcr 10-j\u00e4hrige Staatsanleihen der T\u00fcrkei auf \u00fcber 21% gef\u00fchrt, nachdem die Rendite der gleichen Anleihen noch im Januar 2015 knapp unter 7% lag. Alleine im Jahre 2018 betrug der Zinsanstieg rund 10 Prozentpunkte. Angesichts dieser hochprozentigen Renditealternativen erscheint die bisherige Korrektur des Aktienindex seit dem H\u00f6chststand Ende Januar 2018 (121&#8217;532) Punkte auf noch 90&#8217;186 Punkte (-26% bis 20.8.2018) zwar noch bescheiden, aber die Erfahrung zeigt, dass in einem Hochinflationsumfeld Aktien und Immobilien doch eher zu einem Kaufkrafterhalt f\u00fchren als Anlagen in Staatsanleihen oder anderen Festverzinslichen. Deshalb werden sie auch als Inflationsschutz erworben.<\/p>\n<p>Die Inflation und die von westlichen Vorstellungen abdriftende Politik des Landes f\u00fchrte in den letzten 5 Jahren zudem zu einem <strong><u>Absturz der t\u00fcrkischen Lira<\/u><\/strong> gegen\u00fcber dem USD um knapp 70%. Je st\u00e4rker die t\u00fcrkische Lira abwertet, um so st\u00e4rker steigen die Importpreise an. So hat z.B. der Erd\u00f6lpreis 2018 bis August in USD gerechnet um rund 8% zugelegt. In t\u00fcrkischer Lira bedeutet dies jedoch einen Preisschub um 58%. Die Erd\u00f6lrechnung d\u00fcrfte 2018 rund USD 15 Mrd. h\u00f6her ausfallen als 2016. Die T\u00fcrkei ist damit in einen bedrohlichen Teufelskreis hineingeraten.<\/p>\n<p><strong><u>\u00dcberdurchschnittliche Abh\u00e4ngigkeit vom USD und ausl\u00e4ndischem \u00d6l und Gas<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei ist die am st\u00e4rksten &#8222;dollarisierte&#8220; Volkswirtschaft unter den EM und ist <strong><u>massiv von ausl\u00e4ndischem \u00d6l- und Gas<\/u><\/strong> <strong><u>abh\u00e4ngig.<\/u><\/strong> China und Indien sind weit weniger USD-exponiert als die T\u00fcrkei. Diese Tatbest\u00e4nde verhindern eine rasche Krisenbew\u00e4ltigung im Alleingang. Rund Zweidrittel des Ertragsbilanzdefizits sind auf die Energieimporte zur\u00fcckzuf\u00fchren. Deshalb versucht die T\u00fcrkei gewissermassen mit einer &#8222;Flucht nach vorne&#8220; sich an seine wichtigsten Energieversorger, Russland und Iran, anzun\u00e4hern. Russland ist auch f\u00fcr den t\u00fcrkischen Tourismus von grosser Bedeutung. Derzeit bezieht die T\u00fcrkei t\u00e4glich rund 147&#8217;000 Fass \u00d6l aus dem Iran, das meistens in Form von Gold bezahlt wird, obwohl die USA auch diese Zahlart seit 2012 als Umgehung der Sanktionen verboten hat. Die T\u00fcrkei repr\u00e4sentieren zwar nur 1% der Erd\u00f6lnachfrage, verzeichnet das schnellste Nachfragewachstum unter den OECD-L\u00e4ndern (2017: +10%).<\/p>\n<p>Trotz Behauptungen der Regierung, dass sich das t\u00fcrkische Bankensystem in einer hervorragenden Verfassung befinde, zeigen einige Schl\u00fcsselzahlen, dass diese Aussagen zu relativieren sind. Die T\u00fcrkei verf\u00fcgt \u00fcber <strong><u>Auslandschulden (gem\u00e4ss Weltbank) von rund USD 460 Mrd., was rund 53% des BIP entspricht.<\/u><\/strong> Ein Grossteil dieser Schulden lauten auf USD (140 Mrd.) und EUR (110 Mio.). Solche Kredite haben auch Unternehmen aufgenommen, die nun mit massiv h\u00f6heren Zinsbelastungen und Schulden belastet werden. Es k\u00f6nnte zu Insolvenzen kommen. Bereits 2017 wiesen die grossen 7 Banken notleidende Kredite zwischen 4% und 7% aus. Die Bankenkonzentration ist in der T\u00fcrkei immer noch relativ hoch, auch wenn der Anteil der 5 gr\u00f6ssten Banken am Kreditvolumen von fast 90% im Jahre 2004 auf inzwischen 65% gesunken ist. Seit 2004 ist aber auch die Rentabilit\u00e4t der Banken markant zur\u00fcckgekommen, von 3.43% Return on Assets auf noch 1% im Jahre 2015. Grund daf\u00fcr ist wohl der Zinsmargenschwund, denn die Nettozinsmarge sank von einstmals 9% auf 3.5%.<\/p>\n<p><strong><u>W\u00e4hrungsreserven schrumpfen und Hilfe befreundeter Staaten unzureichend<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Die <strong><u>W\u00e4hrungsreserven <\/u><\/strong>der T\u00fcrkei sinken seit dem H\u00f6chststand im November 2013 beschleunigt von damals USD 114 Mrd. auf heute (Mai 2018) noch rund USD 82 Mrd. Kritisch sind vor allem auch die Netto-W\u00e4hrungspositionen der Unternehmen, die sich im Mai 2018 auf USD 217 Mrd. stellten (brutto USD 293 Mrd.). Diese Fremdw\u00e4hrungsschulden sind nicht nur ein Problem f\u00fcr die t\u00fcrkischen Konzerne, sondern auch f\u00fcr die Geldgeber aus dem Ausland. Die Ratingagentur Fitch hat bereits die Bonit\u00e4tsbenotung f\u00fcr den f\u00fchrenden t\u00fcrkischen Nahrungsmittelkonzern, Yasar Holding, zur\u00fcckgestuft, weil dieses Unternehmen 55% seiner Verschuldung in harten W\u00e4hrungen ausstehend hat.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Zahlen d\u00fcrfte auch die von Katar angebotene Hilfe \u00fcber USD 15 Mrd. nur einen Tropfen auf den heissen Stein darstellen. Katar ist bekanntlich im Westen und in Saudi-Arabien als Unterst\u00fctzer von Terroristengruppen in Verruf geraten. Der Emir von Katar, Scheich Tamim, entsandte anl\u00e4sslich des gescheiterten Putsches gegen Erdogan \u00fcbrigens seine Leibgarde nach Ankara, um Erdogan zu sch\u00fctzen. Katar ist ja im Falle von Boykotten auch auf Partner angewiesen, die diese Sanktionen zu umgehen helfen. Selbst wenn es Erdogan anl\u00e4sslich seines Besuches bei der deutschen Bundeskanzlerin am 29. September 2018 gelingen sollte, weitere Milliarden f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingsbetreuung zu erpressen, so d\u00fcrften auch diese Gelder keinen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der Auslandschulden leisten. Die Vorsitzende der deutsche Sozialdemokraten, Andrea Nahles, hat zwar am 17. August 2018 signalisiert, dass sie &#8211; wohl aus Angst vor einer Aufk\u00fcndigung des Fl\u00fcchtlingsabkommens &#8211; weitere Hilfsgelder an die T\u00fcrkei bef\u00fcrworten w\u00fcrde. Ihr geht es offensichtlich darum, im Vorfeld der Beschl\u00fcsse \u00fcber ein versch\u00e4rftes Asyl- und Immigrationsrecht in Deutschland, einen drohenden wieder wachsenden \u00a0Fl\u00fcchtlingsstrom zu verhindern, denn wenn der Zulauf nach Deutschland wieder ansteigt, w\u00fcrden sich die Asylgegner in ihrer Haltung best\u00e4tigt f\u00fchlen. Kanzlerin Merkel stellt sich jedoch gegen eine wirtschaftliche Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei, zumal sich auch noch ein halbes Dutzend deutsche Staatsb\u00fcrger in t\u00fcrkischer Gefangenschaft befinden. Deutschland kneift jedoch aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden vor Sanktionen gegen die T\u00fcrkei. Dabei ist doch die T\u00fcrkei weit st\u00e4rker von Europa abh\u00e4ngig als von den USA. Europa und insbesondere Deutschland bef\u00e4nden sich somit in einer besseren Verhandlungsposition, um seine inhaftierten Landsleute freizupressen.<\/p>\n<p><strong><u>Wie konnte es zu dieser desolaten Situation f\u00fcr die T\u00fcrkei kommen?<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Oberfl\u00e4chlich betrachtet k\u00f6nnte man meinen, es gehe beim eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und der T\u00fcrkei lediglich um die Freilassung eines amerikanischen evangelischen Pastors, Andrew Brunson (50), der seit 1993, zuletzt in Izmir, t\u00e4tig war und seit 2016 in der T\u00fcrkei wegen Spionage- und Terrorverdacht inhaftiert ist. Ihm drohen 35-Jahre Gef\u00e4ngnis. Dass sich US-Pr\u00e4sident Trump f\u00fcr US-Staatsb\u00fcrger, die im Ausland in Schwierigkeiten geraten, mit aller H\u00e4rte einsetzt, wird vom amerikanischen Volk wohl anerkennend zur Kenntnis genommen. Trump will sich dadurch auch die Stimmen evangelischer Kreise bei den Zwischenwahlen im November 2018 sichern, wenn das gesamte Repr\u00e4sentantenhaus und ein Drittel des Senats zur Wahl anstehen. Trump ben\u00f6tigt jede Stimme, um seine Mehrheit im Kongress zu wahren. In der T\u00fcrkei sind zudem ein Dutzend weitere Amerikaner und zwei t\u00fcrkische Mitarbeiter von US-Konsulaten in Haft, die Pr\u00e4sident Trump auch freibekommen will. Es w\u00e4re jedoch zu kurz gegriffen, den Wirtschaftskrieg lediglich als Druckmittel f\u00fcr die Freilassung des Pastors zu interpretieren.<\/p>\n<p><strong>Vielmehr geht es US-Pr\u00e4sident Trump um sein prim\u00e4res aussenpolitisches Ziel, n\u00e4mlich im Kampf um die globale Vormacht, all jene abzustrafen, die sich gegen die USA wenden und sich mit den Erzfeinden Russland und China verbr\u00fcdern. Dazu geh\u00f6rt auch die T\u00fcrkei, die im Syrien-Krieg mit den Russen zusammenarbeitet und als NATO-Mitgliedsstaat damit gegen die Amerikaner, das matchentscheidende NATO-Mitgliedsland, agiert. <\/strong><\/p>\n<p>Ins gleiche Kapitel geh\u00f6rt auch die Beschaffung eine S-400 Raketen Abwehrsystems, ein USD 2.5 Mrd. Deal, in Russland. Die USA wiederum haben die Auslieferung von F-35 Milit\u00e4rjets sistiert und einen t\u00fcrkischen Banker in den USA verurteilt. Halkbank, ein staatlich kontrolliertes t\u00fcrkisches Finanzinstitut muss m\u00f6glicherweise mit US-Sanktionen rechnen, weil es Beihilfe zur Umgehung der Iran-Sanktionen geleistet habe. Die USA sind auch nicht bereit, den in der T\u00fcrkei als Terroristenf\u00fchrer gebrandmarkten Fethullah G\u00fclen auszuliefern. Anfangs August 2018 verh\u00e4ngte US-Pr\u00e4sident Trump wegen des Konflikts Sanktionen gegen zwei t\u00fcrkische Minister. M\u00f6glicherweise hat Pr\u00e4sident Erdogan zu hoch gepokert, weil er von der falschen Annahme ausging, er k\u00f6nnte Brunson gegen seinen Erzrivalen G\u00fclen austauschen.<\/p>\n<p><strong><u>Spirale der Eskalation im Handelskrieg in Fahrt gekommen<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Bereits die Drohungen von Pr\u00e4sident Trump und die Ank\u00fcndigung einer Verdoppelung der Z\u00f6lle auf t\u00fcrkischem Stahl und Aluminium haben zu einem Einbruch der t\u00fcrkischen B\u00f6rse und der Lira gef\u00fchrt. Die Gegenreaktion der T\u00fcrkei am 15. August 2018 waren massive Zollerh\u00f6hungen auf US-Produkten, insbesondere auf i-Phones und andere Technologieprodukte, aber auch auf Autos, alkoholische Getr\u00e4nke, Tabak- und Kosmetika. Die Warnungen Erdogans an die USA, dass er die langj\u00e4hrige Partnerschaft beenden und sich verst\u00e4rkt Russland zuwenden k\u00f6nnte, wird Pr\u00e4sident Trump kaum beeindrucken. Erstens ist dies schon teilweise geschehen, was ja mit ein Grund f\u00fcr den wirtschaftlichen Druck aus den USA ist. Man sollte nicht vergessen, dass die T\u00fcrkei energiem\u00e4ssig stark von Russland abh\u00e4ngig ist. Deswegen soll ja auch die Lieferkapazit\u00e4t an Erdgas mit dem Bau einer vier-r\u00f6hrigen und 1100 km langen neuen Pipeline \u00abTurkish Stream\u00bb massiv ausgeweitet werden. Zweitens sind die USA kaum von t\u00fcrkischen Zulieferungen abh\u00e4ngig und ein Austritt aus dem NATO-B\u00fcndnis k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass die Amerikaner Ersatzteile f\u00fcr die bereits in den vergangenen Jahren gelieferten R\u00fcstungsg\u00fcter verweigern und\/oder die NATO-St\u00fctzpunkte inklusive Radaranlagen und Atomspregk\u00f6pfe abziehen. Das Verhalten Erdogans erinnert an einen hilflosen Diktator, der seine letzten Tage heranr\u00fccken sieht.<\/p>\n<p>Am 16. August 2018 k\u00fcndigte US-Finanzminister Steven Mnuchin weitere Sanktionen gegen die T\u00fcrkei an, falls Brunson nicht freigelassen werde. Wenn man die <strong><u>Aussenhandelszahlen der USA und jene der T\u00fcrkei<\/u><\/strong> miteinander vergleicht, dann wird rasch sichtbar, dass die USA f\u00fcr die T\u00fcrkei wichtiger sind als umgekehrt. Auf der Weltrangliste der weltgr\u00f6ssten Exporteure liegt die T\u00fcrkei mit USD 157 Mrd. auf Rang 22, bei den Importen mit USD 234 Mrd. auf Rang 15. Die Exporte der T\u00fcrkei in die USA von USD 8.6 Mrd. (2017) entsprechen nur rund 0.8% der US-Importe. Auch die Importe der T\u00fcrkei von amerikanischen G\u00fctern in H\u00f6he von USD 11.9 Mrd. machen nur rund 0.5% der US-Exporte aus. Dieser Handelsstreit wird die Weltwirtschaft angesichts solch bescheidener Schl\u00fcsselzahlen somit kaum aus den Angeln heben. Umgekehrt machen die Exporte der T\u00fcrkei nach den USA 5.5% der t\u00fcrkischen Exporte aus, bei den Importen stammen 5.1% der G\u00fcter aus den Vereinigten Staaten. Weit wichtiger als die USA sind f\u00fcr die T\u00fcrkei die Ausfuhren in die EU (47.8%), gefolgt von den Emiraten (5.8%) und dem Irak (5.8%). Bei den Importen liegt ebenfalls die EU mit 36.5% an der Spitze gefolgt von Trumps &#8222;Erzfeinden China (10%) und Russland (8.3%). Auch der Iran (Erd\u00f6l) als Gegenspieler der USA rangiert mit 3.2% unter den Top 5 Exportkunden der T\u00fcrkei. PS: Schweiz 2017: Exporte aus der Schweiz in die T\u00fcrkei CHF 1&#8217;789 Mio. = 0.8% der Exporte, Importe aus der T\u00fcrkei CHF 1&#8217;442 Mio. = 0.8% der Importe, Handelsbilanz\u00fcberschuss der Schweiz CHF 347 Mio. = 1% des Handelsbilanz\u00fcberschusses).<\/p>\n<p><strong><u>Unabh\u00e4ngigkeit der Notenbank infrage gestellt<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Bei der Bek\u00e4mpfung der Inflation und des Lira-Zerfalls kommt der t\u00fcrkischen <strong><u>Notenbank eine Schl\u00fcsselrolle<\/u><\/strong> zu. Erdogans Schwiegersohn, Berat Albayrak, der von Erdogan zum Finanzminister ernannt wurde, versuchte im Zuge des Lira-Einbruchs zwar die \u00d6ffentlichkeit und ausl\u00e4ndische Investoren mit einer grossangelegten Telefonkonferenz von der Unabh\u00e4ngigkeit der t\u00fcrkischen Notenbank zu \u00fcberzeugen, aber glaubhaft sind solche Lippenbekenntnisse nicht, denn Mitte Juli 2018 hat Pr\u00e4sident Erdogan seinen Machtanspruch gegen\u00fcber der Notenbank mit einem Dekret untermauert, das ihn erm\u00e4chtigt, deren Pr\u00e4sidenten und Vizepr\u00e4sidenten zu ernennen. Kritiker f\u00fcrchten deshalb um die Unabh\u00e4ngigkeit, denn die Verantwortlichen Notenbanker m\u00fcssen um ihren Job f\u00fcrchten, wenn sie nicht der Doktrin des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten folgen. Dieser wettert seit Langem gegen eine omin\u00f6se &#8222;Zinslobby&#8220; mit &#8222;westlicher Geisteshaltung&#8220;, die sich auf Kosten der T\u00fcrkei bereichere. Er stellt sogar die g\u00e4ngige Wirtschaftslehre auf den Kopf: Hohe Zinsen h\u00e4lt er nicht f\u00fcr ein Mittel gegen Inflation, sondern f\u00fcr deren Treiber. Erdogan ist ein selbsterkl\u00e4rter Feind von Zinsen. Das mag teilweise an seinem Glauben liegen, schliesslich kennt der Islam ein Zinsverbot. Die Absetzung des weitherum als f\u00e4hig und erfolgreich bekannten Wirtschaftsministers Mehmet Simsek zugunsten Erdogans Schwiegersohn Albayrak hat das Vertrauen in die Regierung bei vielen Anlegern weiter erodieren lassen.<\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste die Notenbank ihre ohnehin schon sehr hohen Leitzisen nochmals auf wohl \u00fcber 20% anheben, womit aber das bis ins 1. Quartal 2018 hinein markante Wachstum von 7% (VJ) einbrechen w\u00fcrde. Mit einer Arbeitslosenrate von derzeit \u00fcber 10% w\u00e4re ein abrupter massiver Konjunktureinbruch auch sozialpolitisch belastend. Im Gegensatz zur T\u00fcrkei haben andere Schwellenl\u00e4nder wie Argentinien (von 40% auf 45%) und Indonesien (von 4.25% auf 5.5%) im Zuge der t\u00fcrkischen Krisenwochen mit Zinsanhebungen reagiert, nachdem auch ihre W\u00e4hrungen unter Druck kamen. Noch weigert sich Erdogan wie letztmals 1999 beim <strong><u>IWF um Geld anzuklopfen<\/u><\/strong>, zumal er damit rechnen muss, dass diesmal die USA als gr\u00f6sster Financier des IWF intervenieren w\u00fcrden, um den T\u00fcrken den Geldhahn abzudrehen. Eine solche Drohung hat Pr\u00e4sident Trump bereits im Falle von Pakistan ausgesprochen, deren neugew\u00e4hlte Regierung auch mit enormen Wirtschaftsproblemen k\u00e4mpft. Trump bef\u00fcrchtet, dass Pakistan mit IWF-Geldern die chinesischen Gl\u00e4ubiger auskaufen w\u00fcrde. Die T\u00fcrkei bzw. Pr\u00e4sident Erdogan sind noch nicht bereit, ihre finanzpolitische Souver\u00e4nit\u00e4t aufzugeben und sich den angels\u00e4chsisch gepr\u00e4gten Auflagen des IWF zu unterwerfen wie dies Thailand, Argentinien oder Griechenland in der Not tun mussten. Russland kann angesichts der eigenen Wirtschaftsprobleme den T\u00fcrken keine Finanzhilfen im notwendigen Ausmass anbieten und China w\u00fcrde wohl als Gegenleistung f\u00fcr Hilfsgelder einen Zugang oder eine Abtretung von See- oder Flugh\u00e4fen oder andere Sicherheiten einfordern, wie dies in Griechenland der Fall war.<\/p>\n<p>Um einer Amtsenthebung vorzubeugen, versuchen die Notenbanker wenigstens indirekt das Geldangebot zu verknappen, um die W\u00e4hrungsschw\u00e4che zu bek\u00e4mpfen. Sie boten den Gesch\u00e4ftsbanken einfach gar kein Geld mehr zum Leitzinssatz von 17.75% an. Die Banken, die Verbraucher und Unternehmen mit Krediten versorgen, mussten daher auf den sogenannten \u00dcbernachtzins ausweichen, dessen Zinssatz mit 19.25% deutlich \u00fcber dem Leitzins liegt. Die Notenbank verringerte andererseits zur Absicherung von W\u00e4hrungsgesch\u00e4ften die Anforderungen, sogenannte Reserve-Einlagen zu hinterlegen, und bot heimischen Banken weitere M\u00f6glichkeiten zum Leihen fremder W\u00e4hrungen an, die im Tausch gegen die schwache Lira sonst nur schwer zu bekommen gewesen w\u00e4ren. Die Notenbank versprach alles zu tun, um die Zahlungsf\u00e4higkeit der t\u00fcrkischen Banken zu sichern. Die Aufforderung von Pr\u00e4sident Erdogan an seine Landsleute, Fremdw\u00e4hrungsguthaben in t\u00fcrkische Lira zu tauschen, bewirkten eher das Gegenteil. Viele T\u00fcrken im Lande versuchen Fremdw\u00e4hrungen zu kaufen, um den Wert ihrer Barverm\u00f6gen zu sichern. Um einen Bankencrash zu vermeiden d\u00fcrfte die t\u00fcrkische Regierung weitere Massnahmen treffen, so z.B. eine Erleichterung der buchhalterischen Bew\u00e4ltigung von notleidenden Krediten. Noch wurden keine Kapitaltransferrestriktionen eingef\u00fchrt, aber solche k\u00f6nnten trotz Dementis der t\u00fcrkischen Regierung, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter dennoch Tatsache werden. Eine Deckelung von Umtauschbetr\u00e4gen f\u00fcr Finanzinstitute wird zeitweise bereits eingesetzt. So d\u00fcrfen t\u00fcrkische Banken solche Swaps mit ausl\u00e4ndischen Investoren nur noch in H\u00f6he von maximal 25% ihres Eigenkapitals durchf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong><u>Folgen f\u00fcr die Kapitalm\u00e4rkte und die Weltwirtschaft<\/u><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Bei weiter steigenden US-Zinsen beschleunigte Kapitalflucht aus EM.<\/li>\n<li>Bankenpleiten, notleidende Kredite und Bonds t\u00fcrkischer Schuldner (1.Q. 2018: internationale Bonds f\u00fcr USD 146 Mrd. ausstehend).<\/li>\n<li>Schwache B\u00f6rsen vor allem in den EM und Bankensektor. Konjunktursensible Export-Metalle wie Kupfer (5-Jahrestief) oder Zink kommen infolge von Konjunktur\u00e4ngsten unter Druck und schw\u00e4chen die EM zus\u00e4tzlich.<\/li>\n<li>Hohe Abschreibungen f\u00fcr Auslandbanken (BBVA, BNP Parisbas, Unicredit?), die in der T\u00fcrkei mit Krediten engagiert sind: Spanien USD 83 Mrd., Frankreich USD 38 Mrd., Italien (USD 17 Mrd.). M\u00f6glicherweise sind auch griechische und zypriotische Banken in T\u00fcrkei-Gesch\u00e4fte verwickelt. Gem\u00e4ss FT sollen die deutschen Banken in der T\u00fcrkei mit EUR 21 Mrd. engagiert sein.<\/li>\n<li>Schweizer Grossbanken: UBS netto CHF 552 Mio., CS T\u00fcrkei nicht unter Top-16 Auslandengagements. Einige Schweizer Unternehmen (z.B. ABB, Rieter) sind auch in der T\u00fcrkei lokal pr\u00e4sent.<\/li>\n<li>Wenn EU-Exporte in die T\u00fcrkei um 20% sinken, reduziert sich das BIP-Wachstum in Europa um rund 0.1%.<\/li>\n<li>Kapitaltransferkontrollen und -restriktionen, allenfalls Zwangsumtausch.<\/li>\n<li>Hyperinflation in der T\u00fcrkei und weiterer W\u00e4hrungszerfall.<\/li>\n<li>Sturz der Regierung Erdogan mit heftigen landesinternen Auseinandersetzungen. Die derzeitige Krise wird Pr\u00e4sident Erdogan aber nicht so rasch zu Fall bringen, denn noch steht die grosse Mehrheit der Bev\u00f6lkerung grossmehrheitlich hinter ihm und der AKP. Ein handfesterer Beliebtheitstest k\u00f6nnten die 2019 anstehenden Gemeindewahlen zeigen. Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen k\u00f6nnten zu einem neuen Fl\u00fcchtlingsstrom nach Westeuropa f\u00fchren.<\/li>\n<li>Entscheidend f\u00fcr das \u00dcberleben der Erdogan Regierung wird die Loyalit\u00e4t der 17. gr\u00f6ssten Armee der Welt (355&#8217;000 Aktive, 379&#8217;000 Reservisten, 157&#8217;000 Paramilit\u00e4rs, Budget \u00fcber USD 10 Mrd.) und das Verhalten gegen\u00fcber den Kurden sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die T\u00fcrkei-Krise wird sich noch lange hinziehen. Eine Abkoppelung der T\u00fcrkei von den internationalen Kapitalm\u00e4rkten und allenfalls ein Rauswurf aus der NATO w\u00fcrde die Kreditw\u00fcrdigkeit der T\u00fcrkei, deren Bonds am 17. August von S&amp;P und Moody&#8217;s sogar innerhalb der Ramsch-Zone weiter zur\u00fcckgestuft wurden, weiter sch\u00e4digen. Es ist mit einem markanten Konjunkturr\u00fcckschlag zu rechnen, der die Solvenz vieler t\u00fcrkischer Unternehmen infrage stellen k\u00f6nnte. Deshalb haben die zwei wichtigen t\u00fcrkischen Wirtschaftsverb\u00e4nde, der Unternehmerverband T\u00dcSIAD und die Union der Kammern und B\u00f6rsen in der T\u00fcrkei (TOBB) am 14. August 2018 erkl\u00e4rt, dass die Wirtschaft der T\u00fcrkei zwar auf einem stabilen Fundament stehe, aber sofortige Massnahmen der Regierung in Ankara notwendig seien, um die Beziehungen zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern zu normalisieren. Rein wirtschaftlich betrachtet spielt dabei Europa eine weit wichtigere Rolle als die USA. Aber ohne Frieden mit den USA ist kein Ende der t\u00fcrkischen Wirtschaftsmisere abzusehen. Die USA sind als Gegner der T\u00fcrkei schlicht eine Nummer zu gross. Mit der Weltw\u00e4hrung USD (USD-Clearing) und ihrem m\u00e4chtigen Bankensystem (internationale Kredite und Anleihenemissionen) k\u00f6nnen die USA die T\u00fcrkei jederzeit komplett von den Weltm\u00e4rkten verbannen. Im Extremfall k\u00f6nnte die T\u00fcrkei zu einem zweiten Venezuela werden, allerdings ohne Erd\u00f6lreserven. Der Vertrauensverlust in die Regierung Erdogan und die sich im Lande breitmachende Rechtsunsicherheit werden nur durch einen umfassenden Kurswechsel zu beseitigen sei. <\/strong><\/p>\n<p>___________<\/p>\n<p>Als Vertreter der Schweizerischen Volkspartei (SVP) des Kantons Z\u00fcrich war Hans Kaufmann von 1999-2014 Mitglied des Nationalrats.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrkei-Krise trifft nicht nur die T\u00fcrkei, sondern auch andere Emerging Markets (EM), denn auch dort ist die Verschuldung in Lokal- und Fremdw\u00e4hrungen in den letzten Jahren massiv angestiegen. Deshalb k\u00f6nnen steigende Zinsen und ein starker USD auch andernorts zu Problemen f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1637,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[3,14],"tags":[575,632,630,55,631,633],"class_list":["post-1636","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-finanzen-und-steuern","category-ordnungspolitik","tag-erdogan","tag-inflation","tag-tuerkei","tag-usa","tag-weltbank","tag-wirtschaftkrise"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/tl.jpg?fit=620%2C349&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p6ORi5-qo","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1636","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1636"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1636\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1638,"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1636\/revisions\/1638"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1637"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}