{"id":65,"date":"2009-09-02T07:42:17","date_gmt":"2009-09-02T05:42:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.zanetti.ch\/?p=65"},"modified":"2009-09-02T07:42:17","modified_gmt":"2009-09-02T05:42:17","slug":"der-club-der-muden-denker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=65","title":{"rendered":"Der Club der m\u00fcden Denker"},"content":{"rendered":"<p class=\"Stil3\">Georg Kreis, Roger de Weck und ein paar Sozialdemokraten haben ein <a href=\"http:\/\/www.clubhelvetique.ch\/\" target=\"_blank\">\u00abEuropa-Manifest\u00bb<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Sie wollen damit angeblich dem intelligenten Disput um den EU-Beitritt der Schweiz Nahrung geben. Obwohl das Papier in intellektueller Hinsicht nichts hergibt, sollten EU-Skeptiker den Ball aufnehmen. Ein baldiger Entscheid von Volk und St\u00e4nden d\u00fcrfte die Angelegenheit auf l\u00e4ngere Zeit kl\u00e4ren.<\/p>\n<p class=\"Stil3\">Der \u00abClub Helv\u00e9tique\u00bb\u2026 Wie bitte, Sie kennen den \u00abClub Helv\u00e9tique\u00bb nicht? \u2013 Das ist eine Clique linksintellektueller Euroturbos, die bisher vor allem durch Intrigen und Verunglimpfungen im Vorfeld von Bundesratswahlen aufgefallen ist. Seine Mitglieder haben sich im Bestreben zusammengefunden, den Vormarsch der SVP zu stoppen. Was auf demokratischem Weg in Wahlen nicht zu erreichen ist, soll mit Hilfe von Pamphleten, Verunglimpfungen, Gutachten und der Berufung auf V\u00f6lkerrecht geschehen.<\/p>\n<p class=\"Stil3\">Dieser Verein hat sich also zum letzten 1. August zu Wort gemeldet und ein \u00abEuropa-Manifest\u00bb publiziert, auf das keiner gewartet hat. Selbst die Autoren scheinen ihrem Traktat kein grosses Gewicht beizumessen. Erst nach mehrt\u00e4giger Versp\u00e4tung liess sich das Papier vom Internet abrufen. Entsprechend bescheiden blieb das Medienecho. Einzig die Westschweizer Tageszeitung \u00abLe Temps\u00bb brachte die Sache gross heraus. Eine Redaktorin des unabh\u00e4ngigen \u00abQualit\u00e4tsblatts\u00bb ist Mitunterzeichnerin.<\/p>\n<p class=\"Stil3\" align=\"center\"><strong>Intelligenzija im  Elfenbeinturm<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil3\">Angeblich ist das Papier als Diskussionsbeitrag gedacht. Sie reden n\u00e4mlich gerne, die Helvetiker. Lebhafte CH-Debatten seien f\u00fcr ihn \u00abwie Sauerstoff\u00bb l\u00e4sst Euroturbo Roger de Weck den Leser wissen, der sich im Internet danach erkundigt, warum sich jemand im Vollbesitz seiner geistigen Kr\u00e4fte im \u00abClub Helvetique\u00bb engagiert. Die ehemalige SP-Nationalr\u00e4tin Barbara Haering sucht ebenfalls \u00abdie intellektuelle Auseinandersetzung um die Zukunft unseres Landes\u00bb. Auch ihr Parteigenosse Andreas Gross will sich \u00abaustauschen und gemeinsam nachdenken k\u00f6nnen\u00bb. F\u00fcr Zeitgeistsurfer Georg Kreis ist der Club sogar eine \u00abInstitution der demokratischen Selbsthilfe\u00bb, und Tausendsassa Kurt Imhof macht mit, weil \u00abAufkl\u00e4rung n\u00f6tig ist\u00bb. Wozu ist man schliesslich Experte? Sogar der Luzerner Historiker Aram Mattioli behauptet von sich, er suche den \u00abrationalen Gedankenaustausch unter intelligenten Zeitgenossen\u00bb, wobei intelligent in diesem Zusammenhang als \u00abgleichgesinnt\u00bb zu verstehen ist. Mit der Lust am Debattieren ist es n\u00e4mlich nicht weit her. Ausserhalb ihres Elfenbeinturms scheuen die Mitglieder des elit\u00e4ren Clubs den offenen politischen Disput wie der Teufel das Weihwasser. Man zieht es vor, sich gegenseitig in der bestehenden Meinung zu best\u00e4rken. Man zelebriert die vermeintliche eigene Intelligenz und Weltoffenheit, klopft sich auf die Schulter und zitiert aus Nationalfondsstudien und Expertisen, zu deren Verfassung man sich gegenseitig auf Kosten der Steuerzahler beauftragt hat.<\/p>\n<p class=\"Stil3\">Erfrischend ehrlich sind hingegen die Stellungnahmen von den ganz Linken, die sich im \u00abClub Helv\u00e9tique\u00bb zuhauf tummeln: C\u00e9cile B\u00fchlmann redet beispielsweise gar nicht erst vom Debattieren. F\u00fcr sie ist der Verein eine Kampforganisation gegen \u00abrechtspopulistische Politiker\u00bb, denen sie pauschal vorwirft, den Staat und seine Institutionen pauschal zu verunglimpfen.<\/p>\n<p class=\"Stil3\" align=\"center\"><strong>Toleranz der  Gleichgeschalteten<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil3\">Der Vorwurf der Verunglimpfung und Ausgrenzung f\u00e4llt allerdings auf die Clubmitglieder zur\u00fcck. Sie sind es, die Zensuren verteilen und dem Denken Leitplanken zu setzen versuchen. Selbst das Strafrecht nutzen sie in einer Weise, die man \u00fcblicherweise in totalit\u00e4ren Systemen antrifft. Eine Kostprobe seiner Offenheit gegen\u00fcber Andersdenkenden und seiner Freude an der intellektuellen Auseinandersetzung gab Mattioli k\u00fcrzlich in anderem Zusammenhang: So fordert er die Absetzung der TV-Sendung \u00abAlpenfestung\u00bb nicht, weil sie oberfl\u00e4chlich ist, und der Realit\u00e4t der Kriegsjahre nicht gerecht wird, sondern weil er f\u00fcrchtet, die SVP k\u00f6nnte das R\u00e9duit politisch instrumentalisieren. Hier zeigt sich sehr deutlich, wie die Aversion gegen die st\u00e4rkste demokratische Kraft des Landes pathologische Formen angenommen hat: Man findet einfach alles schlecht, was die SVP gut findet, und umgekehrt und gibt sich nicht einmal M\u00fche, diese d\u00fcrftige intellektuelle Basis zu kaschieren. Im Gegenteil, man labt sich an den eigenen Gemeinpl\u00e4tzen und weiss die Mainstream-Medien auf seiner Seite.<\/p>\n<p class=\"Stil3\" align=\"center\"><strong>D\u00fcrftig f\u00fcr  Professoren<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil3\">Von Plattit\u00fcden strotzt auch das Europa-Manifest, das Roger de Weck bereits im Zusammenhang mit der Abstimmung \u00fcber die Personenfreiz\u00fcgigkeit vom Februar 2009 angek\u00fcndigt hatte. Es ist allerdings nicht vorstellbar, dass an den zwei Seiten tats\u00e4chlich ein halbes Jahr gearbeitet worden ist. Kein Sch\u00fcler w\u00fcrde daf\u00fcr mehr als zwei Stunden ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p class=\"Stil3\">Nicht ein einziger origineller oder gar provokativer Gedanke findet sich in dem Papier. Ein Manko, das die zahllosen Banalit\u00e4ten und Floskeln nicht aufzuwiegen verm\u00f6gen. \u00dcberraschend ist lediglich, dass Professoren von Schweizer Hochschulen f\u00fcr einen dermassen seichten Text verantwortlich zeichnen. Schon die ersten beiden S\u00e4tze, die an Waschmittelreklame erinnern, k\u00f6nnten platter nicht sein: \u00abAlle reden von den Bilateralen. Wir reden vom EU-Beitritt.\u00bb Gleich zu Beginn die erste Nebelpetarde. Die M\u00e4nner und Frauen vom \u00abClub Helv\u00e9tique\u00bb haben nicht einmal genug F\u00fcdli, um offen zu sagen, dass sie f\u00fcr den EU-Beitritt sind. Ihre Behauptung, es gehe ihnen darum, lediglich eine Debatte anzustossen, ist Augenwischerei. Eine Beleidigung f\u00fcr jeden denkenden Zeitgenossen.<\/p>\n<p class=\"Stil3\" align=\"center\"><strong>Den Ball aufnehmen<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil3\">Bei aller Trivialit\u00e4t des \u00abEuropa-Mainfests\u00bb, Georg Kreis und seine linken Verb\u00fcndeten haben dem Lager der Gegner eines EU-Beitritts im Grunde einen Gefallen getan. Die Argumente des \u00abClub Helv\u00e9tique\u00bb sind so schwach, dass die Debatte \u2013 nicht zuletzt im Hinblick auf die Wahlen 2011 \u2013 entschlossen gef\u00fchrt werden sollte.<\/p>\n<p class=\"Stil3\">Diskutieren wir, liebe Helvetiker! Ihr wollt, so schreibt Ihr, der \u00abErosion der nationalen Demokratien\u00bb entgegentreten. Doch, warum sollen wir unsere direkte Demokratie zur Folklore verkommen lassen, um eine \u00abeurop\u00e4ische Demokratie\u00bb aufzubauen, die keiner der \u00abin Europa\u00bb Herrschenden will? Eure Verlautbarungen zum V\u00f6lkerrecht zeigen nur allzu klar, wohin die Reise gehen soll. Warum redet Ihr eigentlich nirgends von den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern und deren Rechten? Misst sich die Qualit\u00e4t eines Gemeinwesens nicht mehr am Wohle der Schwachen, wie es in unserer Bundesverfassung heisst? Warum sucht man in Eurem Manifest die Begriff \u00abFreiheit\u00bb und \u00abNeutralit\u00e4t\u00bb vergeblich? Warum sollen wir in ein System wechseln, dass zwar Mindeststeuern, aber keinen Schutz vor zu hohen Steuern kennt? Ist es nicht besser, in Bern Probleme zu l\u00f6sen, als in Br\u00fcssel dar\u00fcber zu reden? Und warum soll Mitbestimmung besser sein als Selbstbestimmung. Und f\u00fcr wen ist es besser?<\/p>\n<p class=\"Stil3\">Es gibt in der Tat viele Fragen, \u00fcber die es sich zu streiten lohnt. Also streiten wir! Und dann stimmen wir ab. Aber dann gebt Ihr bitte Ruhe. Versprochen?<\/p>\n<p>   ______<\/p>\n<p>Erschienen in der &#8222;Schweizerzeit&#8220; vom 21. August 2009<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg Kreis, Roger de Weck und ein paar Sozialdemokraten haben ein \u00abEuropa-Manifest\u00bb ver\u00f6ffentlicht. 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