{"id":1017,"date":"2016-02-20T18:45:18","date_gmt":"2016-02-20T17:45:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=1017"},"modified":"2016-02-20T18:46:45","modified_gmt":"2016-02-20T17:46:45","slug":"in-der-schweiz-gibt-es-keine-wutbuerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=1017","title":{"rendered":"\u00abIn der Schweiz gibt es keine Wutb\u00fcrger\u00bb"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph\"><em>Die SVP des Kantons Z\u00fcrich sucht einen neuen Pr\u00e4sidenten. Als Favorit f\u00fcr die Nachfolge von Alfred Heer, der das Amt nach sieben Jahren abgibt, gilt Nationalrat Claudio Zanetti. Das Rennen ist aber noch offen. &#8211; Ein Interview der <a href=\"http:\/\/www.zrz.ch\/zrzplus.htm\" target=\"_blank\">Z\u00fcrcher Regionalzeitungen<\/a>.<br \/>\n<\/em><!--more--><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Sie gelten als Favorit f\u00fcr das Z\u00fcrcher SVP-Parteipr\u00e4sidium. Sehen Sie das auch so?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\">Claudio Zanetti:<span class=\"Fid_9\"> Nein. Ich weiss ja nicht, werallesimRennenist. Vielleicht steht pl\u00f6tzlich ein Name im Raum, wo auch ich sage: Das ist die beste Person f\u00fcr diese Aufgabe.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\">Die Findungskommission sucht nach Ablauf der Bewerbungsfrist weiter nach Kandidaten.<\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Sie k\u00f6nnte sich also noch einen besseren vorstellen als Sie.<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Es ist ihr gutes Recht, ja ihre Pflicht, weitere Namen vorzuschlagen. Es geht darum, die beste L\u00f6sung zu finden.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Als Pr\u00e4sident \u2013 welches Ziel w\u00fcrden Sie der Partei vorgeben?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Sichere Zukunft in Freiheit \u2013 das ist unser altbew\u00e4hrter Slogan. Er ist hervorragend. Wir feiern 2017 100 Jahre SVP, und so vieles von damals gilt bis heute. Wir brauchen keinen Richtungswechsel.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Die SVP hat wieder zwei Bundesr\u00e4te und zeigt sich nun zum Teil auch wieder kompromissbereiter. Tragen Sie das mit?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Ja klar. Das war wie eine tektonische Spannung, die sich entladen musste. Jetzt ist eine Zufriedenheit da, weil wir wieder eine Regierung haben, welche die politischen Verh\u00e4ltnisse im Land abbildet.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Sie gelten als einer mit kultivierter Seite, der aber auch ausf\u00e4llig werden kann. Vor allem die FDP, bei der Sie Ihrepolitische Karriere starteten, hat das zu sp\u00fcren gekriegt.<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">\u00abAusf\u00e4llig\u00bb ist zu hart. Ich mag den intellektuellen Schlagabtausch. Undmanchmalm\u00fcssenSiejemandem auch den Spiegel vorhalten \u2013 wie vor acht Jahren, als die FDP mit dem Thema Klimawandel in den Wahlkampf zog. Es sei falsch, auf diesen Zug aufzuspringen, habe ich gesagt und damit viele ge\u00e4rgert. Aber ich finde, bei der FDP gibt es auch ganz pr\u00e4chtige Leute. Und schauen Sie sich die Junge FDP an! Nat\u00fcrlich gibt es auch jene, die es nicht verwinden, dass die SVP heute st\u00e4rkste Partei ist. Jedoch wird wohl niemand abstreiten, dass die FDP auch selber zu ihrem Abstieg beigetragen hat.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Generell scheint es, dass die b\u00fcrgerliche Zusammenarbeit wieder besser funktioniert.<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Ich halte fest: Wir haben bei Exekutivwahlen immer die anderen b\u00fcrgerlichen Kandidaten unterst\u00fctzt \u2013 die FDP hat oft nicht Gegenrecht gehalten. Aber ich finde die Zeichen f\u00fcr eine gute b\u00fcrgerliche Zusammenarbeit tats\u00e4chlich ermutigend, wenn ich sehe, wer bei der FDP kantonal und national f\u00fcr das Parteipr\u00e4sidium antritt, ebenso bei der CVP Schweiz. Nochmals: Ich denke, diese Bundesratswahl hat es ausgel\u00f6st.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Sie haben auch innerparteilich ausgeteilt \u2013 etwa gegen den damaligen SVP-Regierungsrat Christian Huber. Alles vergessen und \u00fcberwunden?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Das m\u00fcssen Sie Herrn Huber fragen. Ich bleibe dabei: Wer sich f\u00fcr eine Partei w\u00e4hlen l\u00e4sst, soll auch ihre Werte und Positionen vertreten. Das hat Huber beim damaligen Sparpaket nicht gen\u00fcgend getan. Andererseits habe ich mich im Kantonsrat immer daf\u00fcr eingesetzt, dass die vom Flughafen betroffenen Kollegen und Kolleginnen<\/span><span class=\"Fid_9\"> die Anliegen ihrer Gemeinde auch gegen die Fraktionsmehrheit vertreten konnten. Wir sind<\/span><span class=\"Fid_9\">schliesslich keine Sekte!<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Die politischen Extreme bilden aktuell \u00abGutmensch\u00bb und \u00abWutb\u00fcrger\u00bb. Wie w\u00fcrden Sie die zwei umschreiben?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Den Begriff \u00abWutb\u00fcrger\u00bb empfinde ich als geringsch\u00e4tzig. Er wird den Leuten nicht gerecht, die ihren Unmut \u00fcber eine Malaise ausdr\u00fccken. Vor allem aber ist es ein deutscher Begriff. Dort hat die \u00dcberheblichkeit der politischen Klasse ja unertr\u00e4gliche Formen angenommen. Nehmen Sie den deutschen EU-Kommissar G\u00fcnther Oettinger, der \u00fcber die AfD-Chefin Frauke Petry gesagt hat, wenn sie seine Frau w\u00e4re, w\u00fcrde er sich erschiessen. Hier sind die Verh\u00e4ltnisse durcheinandergeraten. In der Schweiz haben wir die direkte Demokratie. Bei uns gibt es daher keine Wutb\u00fcrger. Der B\u00fcrger kann sich an der Urne wehren.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Und der Gutmensch?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Auch da tut man den Betroffenen zu einem gewissen Grad Unrecht. Andererseits ist die Umschreibung halt auch treffend, und ich verwende sie auch. Damals bei<\/span><span class=\"Fid_9\">unserem Messerstecherinserat haben wir ja die \u00abLinken und Netten \u00bb ins Visier genommen. Dabei hat nicht das Messerbild emp\u00f6rt, sondern der Begriff \u00abNette\u00bb \u2013 und zwar jene, die damit gemeint waren. Das sind Leute, welche letztlich die Realit\u00e4t nicht akzeptieren k\u00f6nnen. Aber sie leiden ja auch darunter. Linke sind \u00f6fters depressiv als andere, wie man mal im \u00abSpiegel\u00bb lesen konnte. [Lesen Sie dazu <a href=\"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=905\" target=\"_blank\">hier<\/a>.]<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Wo zwischen den zwei w\u00fcrden Sie sich selbst positionieren?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Schwierig zu sagen. Als Wutb\u00fcrger sehe ich mich nicht. Ich k\u00e4mpfe f\u00fcr das Freiheitliche. Dazu geh\u00f6rt auch, dass ich die Leute akzeptiere, wie sie sind \u2013 auch politisch.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Sie sind Jurist und PR-Berater. Was arbeiten Sie genau?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Ich bin selbstst\u00e4ndig, ich texte und entwerfe Webinhalte.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Das Parteipr\u00e4sidium ist arbeitsintensiv, h\u00e4tten Sie Zeit daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Die w\u00fcrde ich mir nehmen. Und ich weiss auch, was es f\u00fcr dieses Amt, das ja \u00fcbrigens nicht entl\u00f6hnt ist, braucht: eine dicke Haut zum Einstecken, aber auch Fingerspitzengef\u00fchl, um die Partei zusammenzuhalten. Ich denke, das bringe ich mit, zumal ich von 1999 bis 2007 Parteisekret\u00e4r war.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Sie waren als Redaktor bei der \u00abBasler Zeitung\u00bb vorgesehen.<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\">Die Wellen gingen hoch, es kam nicht zum Vertragsabschluss.<\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>F\u00e4nden Sie \u00fcberhaupt noch eine Stelle ausserhalb der SVP?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Das ist schwierig. FDP-Parteisekret\u00e4re werden sp\u00e4ter Regierungsrat oder NZZ-Verwaltungsrat. Wer sich f\u00fcr die SVP exponiert, muss<\/span><span class=\"Fid_9\">untendurch. Das war auch bei der BaZ-Geschichte so, als gewisse Vertreter Ihrer Zunft die Verh\u00e4ltnisse aus den Augen verloren. Ich bin nun Nationalrat und will diesen Job gut machen. Sonst h\u00e4tte ich mir eventuell \u00fcberlegen m\u00fcssen, die Politik zu verlassen und mich beruflich neu aufzustellen \u2013 und zwar in aller Zuversicht. Ich kann ja auch was: Sprachen, ich habe eine juristische Ausbildung.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Sie gelten als Vertreter der neuen SVP-Generation \u2013 studiertund smart. Wie charakterisieren Sie selber die Partei?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Gehen Sie mal an eine SVP-Delegiertenversammlung! Das ist wie ein Kraftzentrum. Jung und Alt, alle Schichten sind da. Eine gute Mischung. Mal \u00fcberwiegen die Akademiker, mal die Gewerbler \u2013 es gleicht sich stets wieder aus.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Auch zwei Bauern wollen Parteipr\u00e4sident werden. Sie f\u00fcrchten um den Einfluss ihres Standes, nachdem kein Z\u00fcrcher SVP-Bauer mehr in Bern vertreten ist. Verstehen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Die Bauern sind mir sehr wichtig. Dass sie jetzt gerade nicht mehr im Nationalrat vertreten sind, liegt auch etwas an ihnen selber. Sie h\u00e4tten ihr Kandidatenfeld verj\u00fcngen sollen. Ich habe fr\u00fchzeitig darauf hingewiesen. Aber auch das gleicht sich wieder aus. Mit Martin Haab ist ja ein Bauer erster Ersatz.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><strong>Kandidat f\u00fcrs Pr\u00e4sidium ist auch Hans-Peter Amrein. Warum soll die DV Sie und nicht ihn w\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"Fid_9\">Hans-Peter ist ein guter Freund, dazu will ich jetzt nichts sagen.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\">Interview: Thomas Marth<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die SVP des Kantons Z\u00fcrich sucht einen neuen Pr\u00e4sidenten. Als Favorit f\u00fcr die Nachfolge von Alfred Heer, der das Amt nach sieben Jahren abgibt, gilt Nationalrat Claudio Zanetti. 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