{"id":1298,"date":"2017-02-01T09:08:02","date_gmt":"2017-02-01T08:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=1298"},"modified":"2017-02-01T09:57:59","modified_gmt":"2017-02-01T08:57:59","slug":"2017-rueckt-das-ende-der-eu-und-des-euro-naeher-oder-wenn-le-pen-doch-gewaehlt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=1298","title":{"rendered":"2017: R\u00fcckt das Ende der EU und des Euro n\u00e4her oder: wenn Le Pen doch gew\u00e4hlt wird?"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1318 alignleft\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007-213x300.jpg?resize=125%2C176\" alt=\"\" width=\"125\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg?resize=213%2C300&amp;ssl=1 213w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg?resize=768%2C1082&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg?resize=727%2C1024&amp;ssl=1 727w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/800px-Hans_Kaufmann_2007.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 125px) 100vw, 125px\" \/><\/a>Nach dem \u00fcberraschenden Wahlsieg von Donald Trump und den bitteren Erfahrungen der Politelite mit der Brexit-Abstimmung und dem Referendum in Italien fragen sich viele Anleger, welches die n\u00e4chsten politischen Tretminen sein k\u00f6nnten. Kommt es sogar zu einem Triple- oder Vierer-Paket? &#8211; Ein Gastbeitrag von Wirtschaftsberater und alt Nationalrat Hans Kaufmann<\/em><!--more--><\/p>\n<p>Kommt es am <strong><u> M\u00e4rz 2017<\/u><\/strong> zu einem Wahlsieg von Geert Wilders und seiner \u00a0rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid (PVV) in den <strong><u>Niederlanden<\/u><\/strong>, der das Land vor schwierige Koalitionsverhandlungen der Restparteien stellen wird. Blockiert anschliessend eine br\u00fcchige Mehrparteienregierung aus kleineren Parteien das Land politisch \u00fcber mehrere Jahre?<\/p>\n<p>Wird in <strong><u>Frankreich am 23. April und 7. Mai 2017<\/u><\/strong> Le Pens (Front National), zur Staatspr\u00e4sidentin gew\u00e4hlt, die dem traditionellen Zweiparteiensystem ein Ende setzen und ein Referendum \u00fcber einen Euro- und EU-Austritt anberaumen wird?<\/p>\n<p>Enden die <strong><u>deutschen Bundestagswahlen (24. September 2017)<\/u><\/strong> in einer Sechsparteien-Landschaft und wird Kanzlerin Merkel durch eine rot-rot-gr\u00fcne-Koalition abgel\u00f6st?<\/p>\n<p>Und schliesslich k\u00f6nnte es auch noch in <strong><u>Italien<\/u><\/strong> zu vorgezogenen Neuwahlen (ordentliche Wahlen <strong><u>im Februar 2018<\/u><\/strong>) mit EU-feindlichem Ausgang kommen. Auch in Italien droht ein Referendum \u00fcber einen Euro-Austritt.<\/p>\n<p><em>Die anstehenden Wahlen kommen f\u00fcr Europa bzw. die EU zu einem ung\u00fcnstigen Zeitpunkt. Die EU steht 2017 ohnehin vor grossen Herausforderungen, angefangen bei den Verhandlungen \u00fcber den Brexit bis zum Umgang mit dem neugew\u00e4hlten US-Pr\u00e4sidenten Trump.\u00a0 Weder f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingskrise, die Finanzprobleme Griechenlands, die Bankenkrise in Italien noch bez\u00fcglich des Ukraine-Konfliktes inkl. Boykotte von Russland sind L\u00f6sungen in Sicht. Viele Anleger bef\u00fcrchten ein Auseinanderbrechen der EU und des Euros, wenn es in Europa zu einem parteipolitischen Richtungswechsel in diesen vier Kernl\u00e4ndern kommt. Die <strong><u>wichtigste diese vier Wahlen ist wohl jene in Frankreich<\/u><\/strong>, denn dabei geht es nicht nur um Frankreichs Regentschaft, sondern auch um die Zukunft der EU und des Euros. Frankreich nimmt innerhalb der EU eine Schl\u00fcsselstellung ein, als einzige verbliebene Atommacht der EU auch auf milit\u00e4rischem Gebiet. Die Achse Deutschland-Frankreich gilt als Kernst\u00fcck der EU. Die franz\u00f6sischen Spitzenbeamten, an den landeseigenen Kaderuniversit\u00e4ten f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst gedrillt, gelten als R\u00e4delsf\u00fchrer des Br\u00fcsseler Zentralismus.<\/em><\/p>\n<p>Der monatliche Index betreffend die politischen Unsicherheiten zeigt f\u00fcr Frankreich per Ende 2016 die h\u00f6chsten Werte seit Beginn der Statistik im Jahre 1987an. Offensichtlich sch\u00e4tzen viele Marktteilnehmer, die Medien und die Politik die Lage in Frankreich f\u00fcr derart unsicher ein, dass ein massiver Kurswechsel bzw. eine Wahl von Marine Le Pen, der Vertreterin der rechtspopulistischen Front National zur franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidentin nicht mehr ausgeschlossen wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/unsFR-2.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1305\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/unsFR-2-300x190.jpg?resize=300%2C190\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"190\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/unsFR-2.jpg?resize=300%2C190&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/unsFR-2.jpg?resize=768%2C486&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/unsFR-2.jpg?resize=1024%2C649&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/unsFR-2.jpg?w=1252&amp;ssl=1 1252w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/unsFR-2.jpg?w=948&amp;ssl=1 948w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><u>Aufgebl\u00e4hter Staat erdr\u00fcckt die freie Wirtschaft<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Rein wirtschaftlich betrachtet rangiert Frankreich mit einem BIP 2016 von EUR 2&#8217;229 Mrd. (nach Deutschland mit einem BIP 2016 3&#8217;130 Mrd. und Grossbritannien EUR 2&#8217;375 Mrd.) als drittgr\u00f6sste Volkswirtschaft Europas und als sechstgr\u00f6sste der Welt. \u00a0Das BIP entspricht dem Total der 18 kleinsten EU-L\u00e4nder zusammengerechnet. Fl\u00e4chenm\u00e4ssig ist Frankreich das gr\u00f6sste Land der EU. Mit 66.4 Mio. Einwohnern und einen Anteil von 13.1% an der EU-Bev\u00f6lkerung liegt Frankreich auf Rang 2. Zur Finanzierung der EU tr\u00e4gt Frankreich brutto EUR 19 Mrd., netto EUR 5.5 Mrd. bei. Brisant sind Frankreichs Garantieverpflichtungen f\u00fcr den Europ\u00e4ischen Rettungsfonds und andere gemeinsame Euro- oder EU-Institutionen im Falle eines Ausscheidens aus der EU oder aus dem Euro. Gemessen an den absoluten Staatsausgaben liegt Frankeich in Europa hinter Deutschland auf Platz 2, pro Kopf hinter D\u00e4nemark, Schweden, Finnland und \u00d6sterreich auf Rang 5. Seit 1974, d.h. in den letzten 42 Jahren, schloss die Staatsrechnung jedes Jahr mit einem Defizit ab. Nur Finnland weist mit 58.7% eine noch h\u00f6here Staatsquote auf als Frankreich mit 57.2% (2014). Unter den weltgr\u00f6ssten Staatsschuldnern belegt Frankreich Rang 7, in Europa Rang 4. Frankreichs Arbeitslosigkeit liegt mit 9.5% (November 2016) mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (4.1%). Frankreich verf\u00fcgt \u00fcber die personalm\u00e4ssig gr\u00f6sste Armee Westeuropas und hilft vor allem in Afrika mit Spezialtruppen L\u00e4ndern wie Niger, Mali, Tschad den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen. Die wichtigsten Kennzahlen Frankeichs in der nachfolgenden Tabelle stammen von Eurostat, INSEE und vom IWF:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab1.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1308\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab1-300x187.jpg?resize=300%2C187\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab1.jpg?resize=300%2C187&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab1.jpg?resize=768%2C480&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab1.jpg?resize=1024%2C640&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab1.jpg?w=1247&amp;ssl=1 1247w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab1.jpg?w=948&amp;ssl=1 948w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><u>Wahlen in Frankreich sind auch ein Plebiszit f\u00fcr oder gegen die EU<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Vor jeder der vier bevorstehenden Wahlen in der EU werden die Finanzm\u00e4rkte nerv\u00f6s reagieren, denn die Umfrageergebnisse von demoskopischen Instituten sind heute kein verl\u00e4sslicher Wegweiser mehr. Unsicherheit w\u00fcrde sich vor allem dann breitmachen, wenn bereits in den Niederlanden die PVV deutlicher als heute von vielen bef\u00fcrchtet, siegen w\u00fcrde. Ebenso ungewiss wie die Wahlausg\u00e4nge sind aber auch die Folgen und die Reaktionen der Finanzm\u00e4rkte. Die Anti-EU- und Anti-Euro-Sympathisanten sollten dabei Folgendes nicht \u00fcbersehen. Die meisten populistischen Parteien in der EU sind zwar Alternativen zu den abgehobenen Politeliten und zur Br\u00fcsseler B\u00fcrokratie. \u00a0Mit Ausnahme der AfD sind die meisten aber dennoch kein echte Alternative zu den Sozialisten und jenen B\u00fcrgerlichen, die die EU ins Elend regiert haben. Es liegt nicht nur an der qualitativen, personellen Dotierung f\u00fcr die \u00dcbernahme von Regierungsverantwortung, die den jungen Parteien meist fehlt. Die rechtspopulistischen Parteien lehnen grossmehrheitlich einen staatlichen Sparkurs ab und m\u00f6chten lieber wieder die Schuldenschleusen \u00f6ffnen. Immerhin setzen sie aber in der Ausgabenpolitik andere Priorit\u00e4ten, indem sie &#8211; wie von US-Pr\u00e4sident Trump vorexerziert &#8211; die eigene Bev\u00f6lkerung an erster Stelle setzen und die Immigration selektiver und zur\u00fcckhaltender gestalten wollen. Andererseits postulieren sie im Aussenhandel protektionistische Massnahmen.<\/p>\n<p><em>Noch glaubt die EU-Politik und ihre Medien-Entourage, dass nicht sein kann, was aus ihrer Sicht nicht sein darf. Aber 2016 hat gezeigt, dass die Eliten die Realit\u00e4t falsch einsch\u00e4tzten und Revolutionen auch an der Urne stattfinden k\u00f6nnen. Sollten in den Niederlanden, in Frankreich, in Italien und allenfalls in Deutschland die heutigen Regierungsparteien weggefegt werden, dann werden auch die <strong><u>Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im Europ\u00e4ischen Rat der Staats- und Regierungschefs<\/u><\/strong>, im tats\u00e4chlichen Entscheidungsgremium der EU, kippen. Die Koalition der Gutmenschen (Christdemokraten EVP) und Umverteiler (Sozialisten) drohen ihre heute noch knappe Mehrheit zu verliert.<\/em><\/p>\n<p>Besonders tragisch k\u00f6nnte sich die Enttrohnung der etablierten Parteien auswirken, wenn in Frankreich oder Italien auch noch Referenden \u00fcber einen EU- oder Euro-Austritt erfolgreich w\u00e4ren, und damit der Zerfall der EU und des Euros beschleunigt w\u00fcrde. Als Kapitalanleger m\u00fcsste man sich eigentlich auf solche Szenarien einstellen, aber die wenigsten tun es, weil sie &#8211; wie die Politelite &#8211; hoffen, dass nicht eintritt, was nicht eintreten darf. Sollte es dennoch zu einem oder anderen Durchbruch der Populisten kommen, werden die M\u00e4rkte reagieren. Aber wie sie reagieren werden, l\u00e4sst sich nicht zuverl\u00e4ssig absch\u00e4tzen. Entgegen den Vorhersagen der sogenannten Profis der Finanzbranche, brach der britische Aktienmarkt nach dem Brexit nicht ein und auch in den USA kletterte der DJ-Aktien-Index trotz Trumps Sieg auf einen neuen historischen H\u00f6chststand. Am st\u00e4rksten d\u00fcrften sich die Wahlen auf die W\u00e4hrungen auswirken. Obsiegen die etablierten Parteien, dann werden einzelne Aktienm\u00e4rkt wohl tempor\u00e4r jubilieren, aber solche Siege der Politelite k\u00f6nnten sich als Phyrus-Siege erweisen, denn \u00abnach den Wahlen ist vor den n\u00e4chsten Wahlen\u00bb.<\/p>\n<p><strong><u>Wahlsiege bedeuten keinen Richtungswechsel<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Selbst wenn <strong><u>Kanzlerin Merkel<\/u><\/strong> im September 2017 im Amt \u00fcberlebt, steht sie in Europa in wesentlichen Fragen <strong><u>zusehends auf verlorenem Posten<\/u><\/strong>.\u00a0 Die Briten fehlen ihr wegen des Brexit f\u00fcr die Sicherung eines liberalen Kurses in der EU- Wirtschaftspolitik, die Italiener und Franzosen wollen nicht weiter Austerit\u00e4tsprogramme auf Befehl Deutschlands umsetzen und sie werden auch einen anderen Russlandkurs einschlagen als von Deutschland propagiert. Sowohl in Frankreich als auch in Italien werden wohl Volksabstimmungen \u00fcber den Verbleib im Euro und in der EU aufgegleist werden, denn aus dem Euro kann man theoretisch nur austreten, wenn das Land zuvor die EU verl\u00e4sst. Als Koalitionspartner unter den grossen 5 EU-Nationen k\u00e4men f\u00fcr Merkel dann noch Spanien und Polen infrage, aber erstere haben ebenfalls genug von Sparvorgaben aus Deutschland und gegen\u00fcber Polen hat sich Kanzlerin Merkel mit ihrer Abstempelung der heutigen Machthaber als \u00abunerw\u00fcnschte Regierung\u00bb ins Abseits man\u00f6vriert. Dies obwohl Polen wohl als einziges der grossen EU-L\u00e4nder die Kanzlerin bei ihrer harten Haltung gegen\u00fcber Russland unterst\u00fctzt. Kommt dazu, dass die spanische Minderheitsregierung Mariano \u00a0Rajoy selbst nur auf Zusehen hin von den \u00fcbrigen Parteien geduldet ist und m\u00f6glicherweise ein Referendum \u00fcber ein autonomes Katalonien (Barcelona) ausgerufen wird. Frankreich ist ja nicht das einzige Land, in dem sich Anti-EU und Anti-Euro-Kr\u00e4fte in schnellem Tempo breitmachen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die in den j\u00fcngsten Umfragen ermittelten Parteienst\u00e4rke in einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und den Anteil der Bev\u00f6lkerung, der einen Euro-Austritt bef\u00fcrwortet:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab2.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1309\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab2-300x122.jpg?resize=300%2C122\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"122\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab2.jpg?resize=300%2C122&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab2.jpg?resize=768%2C312&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab2.jpg?resize=1024%2C416&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab2.jpg?w=1320&amp;ssl=1 1320w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab2.jpg?w=948&amp;ssl=1 948w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>53% der franz\u00f6sischen W\u00e4hler m\u00f6chten \u00fcber die EU-Mitgliedschaft abstimmen, wie eine Umfrage gegen Ende 2016 zeigt. Das EU-Thema wird im franz\u00f6sischen Wahlkampf ein Thema werden, auch wenn <u>derzeit noch\u00a0 45% f\u00fcr einen Verbleib, 33% f\u00fcr einen Austritt und 22% noch unentschieden<\/u><\/strong> sind.<\/em><\/p>\n<p>Noch wird die Wahrscheinlichkeit eines breiten Rechtsrutsches in Europa f\u00fcr minim gehalten, aber einen radikalen Kurswechsel auszuschliessen, w\u00e4re fahrl\u00e4ssig. Selbst wenn in Europa die populistischen Parteien von der herrschenden Politelite nochmals besiegt werden, muss man sich bewusst sein, dass damit die anstehenden Probleme nicht gel\u00f6st sind und die Geschichte zeigt: <strong><u>wenn friedliche \u00abRevolutionen\u00bb von der selbsternannten Elite abgew\u00fcrgt werden, kommen sie zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt allenfalls mit Gewalt zur\u00fcck.<\/u> <\/strong>Die Bev\u00f6lkerung realisiert, dass die Elite vielfach nur noch um ihren Machterhalt, um ihre Pfr\u00fcnde und P\u00f6stchen k\u00e4mpft. Diese Verhaltensweise wird weniger und weniger toleriert und als Kapitalanleger m\u00fcsste man eigentlich zur Kenntnis nehmen, dass sich eine Clique von Politikern an der EU-Spitze und vielerorts auch auf nationaler Ebene eingenistet hat, die sich heute nicht mehr an die Verfassungs- und Vertr\u00e4ge halten. Sie bezeichnen sich oft noch als b\u00fcrgerlich, obwohl sie selbst die Umverteilung ungebremst vorantreiben und entsprechende Massnahmen zur Finanzierung treffen. Dies ist auch in Deutschland der Fall. Mit grossz\u00fcgigen Staatsausgaben zwecks Umverteilung lassen sich Stimmen kaufen und Steuererh\u00f6hungen sind einfacher durchzuf\u00fchren als staatliche Sparmassnahmen umzusetzen.<\/p>\n<p><strong><u>Die heutige EU-Politelite k\u00fcmmert sich einen Deut um ihre vertraglichen Maastrichter-Versprechen<\/u><\/strong>, die j\u00e4hrlichen Defizite der Staaten auf 3% des BIP zu begrenzen und die Verschuldung bei 60% des BIP zu stabilisieren. Auch 2016 erf\u00fcllten 18 von 29 EU-L\u00e4ndern die Schuldenobergrenze von 60% nicht und 5 L\u00e4nder, <strong><u>darunter Frankreich<\/u><\/strong>, werden ein Defizit von mehr als 3% aufweisen. Frankreich und Deutschland waren <strong><u>die ersten Euro-L\u00e4nder, die die Maastrichter Regeln verletzten<\/u><\/strong> und ungestraft davonkamen. In Deutschland, wo 2016 ein Budget\u00fcberschuss von EUR 19.5 Mrd. erzielt wurde, verdr\u00e4ngen die Politiker die Vertragstreue. Vielmehr sinnieren sie dar\u00fcber, was mit dem \u00dcberschuss zu tun sei. Fakt ist jedoch, dass auch Deutschland eine Verschuldungsquote aufweist, die mit 71% (2015) klar \u00fcber der Maastrichter H\u00f6chstgrenze liegt. Be\u00e4ngstigend ist aber nicht nur der Schuldenstand und die Defizitwirtschaft vieler EU-Staaten, vorab auch in Frankreich und Spanien, sondern auch der gestiegene Staatsanteil am BIP. Dieser liegt zwar im Euroraum bei \u00abnur\u00bb 46.3%, aber Frankreichs Staat ist in den letzten Jahren auf \u00fcber 56% des BIP gewuchert (zum Vergleich: Deutschland 45%, USA 33%, Schweiz 36%, Japan 36%). Die aufgebl\u00e4hten Staaten und der \u00a0\u00fcberdimensionierten Bankensektor sind Probleme, die das l\u00e4ngerfristige Wachstum in Europa beschneiden werden. Dazu kommen die demographischen Probleme f\u00fcr die Arbeitsm\u00e4rkt (\u00dcberalterung, zu geringe Kinderzahlen). Die unfinanzierbaren Sozialsysteme belasten die Staatsrechnungen immer st\u00e4rker. Staatsschulden sind letztlich nichts anderes als k\u00fcnftige Steuern und je h\u00f6her diese angesetzt werden, umso geringer f\u00e4llt die Kaufkraft der Konsumenten und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen aus. In Europa, vorab in Frankreich, hat die Staatsclique besonders viel zu verlieren und deshalb wird die Elite auch alles daransetzen, ihre Macht zu verteidigen. \u00a0In j\u00fcngster Zeit erscheint auch die Rede- und Meinungsfreiheit in der EU gef\u00e4hrdet und die Zensur von unerw\u00fcnschten Neuigkeiten ist unter dem Deckmantel \u00abKampf gegen Fake-News\u00bb wieder im Anzug.<\/p>\n<p><em><strong><u>Schlechte Verlierer<\/u><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Immer \u00f6fters zeigt sich, dass sich die entmachtete &#8222;fr\u00fchere Elite&#8220; als schlechte Verlierer erweisen. Diese Feststellung trifft vor allem auf die politisch Linke zu. Damit sind nicht nur die Protestm\u00e4rsche nach verlorenen Wahlschlachten gemeint, sondern die Tatsache, dass die ungeliebten neuen Konkurrenten, die so genannten populistischen Parteien, aus der Regierung ausgeschlossen werden, weil keine der Verliererparteien mit ihnen Koalitionen eingehen will. Dies ist selbst dann der Fall, wenn die Rechtspopulisten als st\u00e4rkste oder zweitst\u00e4rkste Partei aus den Wahlen hervorgehen. Solche Beispiele findet man z.B. anl\u00e4sslich der Landtagswahlen selbst in Deutschland. \u00a0Das ist das Demokratieverst\u00e4ndnis der Elite. Solange die B\u00fcrger in ihrem Sinne w\u00e4hlen und stimmen wird die Demokratie hochgehalten, im umgekehrten Falle wird das Volk als unm\u00fcndig taxiert und die Demokratie infrage gestellt.<\/em><\/p>\n<p><strong><u>Realit\u00e4tsverlust der EU-Politelite<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t pr\u00e4sentiert sich h\u00e4ufig anders als sie das Polit-Establishment wahrhaben will. Aber selbst glasklare Umfrageergebnisse werden zugunsten der herrschenden Klasse umgem\u00fcnzt. So suggeriert der Titel des Bericht \u00fcber die <strong><u>j\u00e4hrliche Umfrage der Europ\u00e4ischen Kommission in 34 L\u00e4nden<\/u><\/strong> \u00a0(21. Bis 31. Mai 2016<strong>) <u>\u201ehohe Zustimmung f\u00fcr die Priorit\u00e4ten der Kommission<\/u><\/strong>\u201c, dass die EU-B\u00fcrger mit der Arbeit der EU-B\u00fcrokratie in Br\u00fcssel vollauf zufrieden seien. Die Umfrage belegt aber vielmehr das Gegenteil. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger machen sich vor allem Sorgen wegen der ungez\u00fcgelten Immigration (48%) und des Terrorismus (39%). \u00a0Und diese Probleme sind nun mal nicht die unbestrittenen Priorit\u00e4ten der EU-Kommission. Im Gegenteil, die Personenfreiz\u00fcgigkeit darf nicht infrage gestellt. Wer einen Abbruch der Fl\u00fcchtlingszuwanderung und eine Massenr\u00fcckf\u00fchrung fordert, um die Einschleppung von Terrorismus und fremder Kulturen zu verhindern, wird als unsolidarisch und nicht den europ\u00e4ischen Werten verpflichtet abgetan. Dabei stellt die ungez\u00fcgelte Immigration gem\u00e4ss der Umfrage in 20 L\u00e4ndern das Hauptproblem dar. Viele B\u00fcrger akzeptieren zwar eine Zuwanderung aus EU-L\u00e4ndern (58%), aber die gleiche Prozentzahl lehnt eine Zuwanderung von ausserhalb der EU ab. Warum nimmt man in der EU diese klaren Signale nicht zur Kenntnis? Die Realit\u00e4tsverweigerung der Politiker geht heute so weit wie sie der franz\u00f6sische K\u00f6nig Ludwig XVI zu Beginn der franz\u00f6sischen Revolution (1789 bis 1799) zutage legte. Obwohl w\u00e4hrend seines Jagdausflugs die Bastille vom Volk gest\u00fcrmt wurde, schrieb er \u00fcber die Ereignisse des Tages in sein Tagebuch: \u201eNichts\u201c. Missliebige Referenden in Frankreich, in den Niederlanden und in Irland (z.B. 2005 \u00fcber eine europ\u00e4ische Verfassung) werden schlicht und einfach ignoriert und umgangen statt als\u00a0 Wegweiser f\u00fcr ein Europa der selbstbestimmenden V\u00f6lker begriffen. Man will immer noch nicht zur Kenntnis nehmen, dass die zu rasche EU-Erweiterung auf 28 L\u00e4nder und die Aufnahme von L\u00e4ndern in den Euro, die aufgrund der wirtschaftlichen Voraussetzungen daf\u00fcr nicht qualifizierten, grundlegende Fehler waren.<\/p>\n<p>Von breiten Bev\u00f6lkerungskreisen werden heute<strong><u> Immigration und Terrorismus<\/u> <\/strong>als gravierendere Probleme eingestuft als die wirtschaftliche Situation (19%), die Staatsfinanzen (16%) und die Arbeitslosigkeit (15%). Die EU-Kommission gibt sich auch stolz, dass 55% der EU-Bev\u00f6lkerung den Euro positiv bewertet, innerhalb der Euro-Zone sogar 68%. Solche Umfragewerte sind doch, realistisch betrachtet, eher entt\u00e4uschend. Man stelle sich vor, nur 55% der Schweizer st\u00e4nden noch hinter dem Franken! Und stolz ist man auch, dass immerhin 33% in die EU Vertrauen h\u00e4tten, w\u00e4hrend die nationalen Regierungen nur von 27% als vertrauensw\u00fcrdig eingestuft w\u00fcrden. Solche \u201eVertrauensbeweise\u201c w\u00e4ren eigentlich ein Grund f\u00fcr einen sofortigen R\u00fccktritt der Regierenden, auf nationaler wie auf EU-Ebene. Nur 38% der Befragten glauben, dass sie als Stimmb\u00fcrge in der EU etwas zu sagen h\u00e4tten. \u00a0Und da behaupten die EU-Machthaber allen Ernstes, die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung st\u00e4nde hinter ihrer Politik. Andere j\u00fcngere Umfragen zeigen, dass sich 55% der EU-28-B\u00fcrger vor der Globalisierung f\u00fcrchten, 35% vor einem wirtschaftlichen Abstieg und 50% h\u00e4ngen an traditionellen Werten.<\/p>\n<p><strong><u>Der franz\u00f6sische Staatspr\u00e4sident verf\u00fcgt \u00fcber grosse Macht<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Am <strong><u>23. April und 7. Mai 2017 finden die franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidentschaftswahlen<\/u><\/strong> statt. Der Pr\u00e4sident wird vom Volk gew\u00e4hlt. Die Amtszeit betr\u00e4gt 5 Jahre, d.h. sie dauert <strong><u>von 2017 bis 2022<\/u><\/strong>. Eine Wiederwahl ist m\u00f6glich, allerdings f\u00fcr h\u00f6chstens zwei aufeinanderfolgende Amtsperioden. Vor 2002 wurde der Staatspr\u00e4sident f\u00fcr eine Amtszeit von sieben Jahren gew\u00e4hlt und die Zahl der Wiederwahlen war unbegrenzt. In anderen Staaten wird das Staatsoberhaupt meist nach den Parlamentswahlen gew\u00e4hlt, und die Regierung wird dann vom Parlament zusammengestellt. In Frankreich erfolgt die Pr\u00e4sidentschaftswahl zeitlich vor der <strong><u>Parlamentswahl, die am 11. und 17. Juni<\/u><\/strong> stattfindet. Im Gegensatz zu anderen L\u00e4ndern in Europa verf\u00fcgt der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident \u00fcber <strong><u>wesentlich gr\u00f6ssere Machtbefugnisse<\/u><\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>Er hat das Recht zur Aufl\u00f6sung des Parlaments, d.h. der Nationalversammlung.<\/li>\n<li>Er ernennt den Premierminister und f\u00fchrt den Vorsitz im Ministerrat,<\/li>\n<li>Er fertigt die Gesetze vor ihrem Inkrafttreten aus und kann weitere Beratungen \u00fcber bereits verabschiedete Gesetze erzwingen sowie Volksentscheide durchf\u00fchren lassen.<\/li>\n<li>Er ist Oberbefehlshaber der Armee.<\/li>\n<li>Er hat das Begnadigungsrecht<\/li>\n<li>In der franz\u00f6sischen Verfassungswirklichkeit seit Beginn der F\u00fcnften Republik 1958 gibt es die <em>Domaine r\u00e9serv\u00e9<\/em>, einen \u201ereservierten Bereich\u201c, der dem Pr\u00e4sidenten die Verantwortung f\u00fcr Aussenpolitik und Streitkr\u00e4fte zuweist. So kann er etwa bei Gipfeltreffen das Land allein vertreten.<\/li>\n<li>Der Premierminister wird zwar durch den Pr\u00e4sidenten ernannt, ist dann allerdings dem Parlament<\/li>\n<\/ul>\n<p>W\u00e4hrend die Pr\u00e4sidenten ihre Amtszeit in der Regel aussitzen, kommt es innerhalb der Regierungen zu h\u00e4ufigen Wechseln der Minister\u00e4mter und des Ministerpr\u00e4sidenten. Noch nie hat in der 5. Republik (seit 5. Oktober 1958) ein Pr\u00e4sident auf seine Wiederwahl verzichtet. Pr\u00e4sident Holland ist der erste. Viele Franzosen sehnen sich nach einem Pr\u00e4sidenten als starke F\u00fchrungskraft der Frankreich wieder zur alten St\u00e4rke und Glorie zur\u00fcckf\u00fchren soll, etwa in der Art von General De Gaulle, dem ersten Pr\u00e4sidenten der 5. Republik.<\/p>\n<p>Bernard Cazeneuve ist seit 1959, d.h. seit 53 Jahren,\u00a0 bereits der 26. Ministerpr\u00e4sident, w\u00e4hrend in dieser Zeit nur 7 Pr\u00e4sidenten amteten:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"269\">Charles de Gaulle<\/td>\n<td width=\"499\">1959-69 (UNR \/ Konservativer)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"269\">Georges Pompidou<\/td>\n<td width=\"499\">1969-74 (UDR \/ Gaullist \/ Konservativer)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"269\">Val\u00e9ry Giscard d\u2019Estaing<\/td>\n<td width=\"499\">1974-81 (UDF \/ Liberal-konservativer)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"269\">Fran\u00e7ois Mitterand<\/td>\n<td width=\"499\">1981-95 (Sozialist)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"269\">Jacques Chirac<\/td>\n<td width=\"499\">1995-2007 (UMP \/ Gaullist \/Konservativer)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"269\">Nicolas Sarkozy<\/td>\n<td width=\"499\">2007-12 (UMP \/ Gaullist \/ Konservativer)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"269\">Fran\u00e7ois Hollande<\/td>\n<td width=\"499\">2012-17 (Sozialist)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong><u>Fran\u00e7ois Fillon<\/u><\/strong> war bisher der einzige Premierminister, der die komplette Amtszeit eines Staatspr\u00e4sidenten amtierte. Mit einer Amtszeit von 4 Jahren, 11 Monaten und 23 Tagen war er nach Georges Pompidou (6 J \/ 2 M \/ 26 T) der bisher am zweitl\u00e4ngste amtierende Premier. Noch zahlreicher als die Abl\u00f6sung von Premierministern waren die Auswechslungen, Absetzungen und Rochaden in den Minister\u00e4mtern.<\/p>\n<p><em><strong>Dieses schon seit Jahren praktizierte Polit-Karussell, bei dem es um ideologische Machtk\u00e4mpfe, um Pfr\u00fcnde und Prestige geht, sind mit ein Grund f\u00fcr den fehlenden Reformwillen, den k\u00fcmmerlichen Leistungsausweis der franz\u00f6sischen Regierungen und den wirtschaftlichen Niedergang des Landes. \u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><u>Die Spitzenkandidaten f\u00fcr die Wahlen vom 23. April <\/u><\/strong><\/p>\n<p>Nachdem die franz\u00f6sischen Sozialisten am 29. Januar 2017 den fr\u00fcheren Bildungsminister Beno\u00eet Hamon zu ihrem Spitzenkandidaten f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahlen vom 23. April aus 7 Bewerbern k\u00fcrten, ist die Palette der realistischen Bewerber um das Pr\u00e4sidentenamt mehr oder weniger komplett:<\/p>\n<p><strong>Marine Le Pen (Front Nationale \/ FN)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fran\u00e7ois Fillon (R\u00e9publicains \/ RL)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Beno\u00eet Hamon (<\/strong><strong>Parti socialiste \/ PS)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Emmanuel Macron (Ex-PS \/ &#8222;En Marche&#8220;)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jean-Luc M\u00e9lechon (Ex-PS \/ &#8222;La France Insoumise&#8220;)<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>Yannick Jadot (Gr\u00fcne)<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident wird in der Regel in zwei Runden bestimmt, denn noch nie hat ein Bewerber im ersten Wahlgang das absolute Mehr, das f\u00fcr eine Wahl im ersten Wahlgang notwendig w\u00e4re, erreicht. In die zweite Entscheidungsrunde (7. Mai 2017) gelangen jene 2 Kandidaten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erzielt haben. <strong><u>Derzeit wird erwartet, dass in der Endrunde am 7. Mai 2017 der konservative Fillon mit 70% zu 30% die Spitzenkandidatin des FN, Marine Le Pen, schlagen wird. Als linker Aussenseiter wird Emmanuel Macron gehandelt.<\/u> <\/strong><\/p>\n<p>Die <strong><u>Wahlen in Frankreich<\/u><\/strong> werden f\u00fcr Europa wegweisend sein, denn das Land spielt innerhalb der EU vor allem deshalb eine wichtige Rolle, weil Frankreich bis anhin die F\u00fchrerschaft bez\u00fcglich Zentralismus innehielt. Frankeich versucht schon seit Jahren planm\u00e4ssig so viele wie m\u00f6gliche Spitzenposten der EU und in anderen internationalen Wirtschaftsorganisationen zu besetzen. Noch immer trauert die franz\u00f6sische Politelite jenen Zeiten nach, als Frankreich noch als &#8222;<strong><u>Grande Nation&#8220;<\/u><\/strong> galt und entsprechend arrogant tritt sie in den internationalen Politgremien auf. Das entsprechende Know-how und die Seilschaften werden in der speziell auf das Management von Staaten spezialisierten Universit\u00e4t <strong><u>\u00c9cole nationale d\u2019administration (ENA)<\/u><\/strong> in Paris erworben. Frankreich betreibt auch eine Universit\u00e4t (<strong><u>\u00c9cole de guerre \u00e9conomique \/ EGE<\/u><\/strong>), an der ehemalige Geheimdienstleute die Studenten auf Wirtschaftskriege vorbereiten. Sie ist die erste europ\u00e4ische Institution, die eine Ausbildung f\u00fcr Angriffs- und Verteidigungsmethoden anbietet, denen die Unternehmen im Wettlauf der Globalisierung ausgeliefert sind. Der Weg zur Macht \u00fcber die Besetzung von Schl\u00fcsselpositionen in regionalen und globalen Institutionen ist den Franzosen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit auch \u00fcberraschend gut gelungen.<\/p>\n<p>So nahm Frankreich vor allem <strong><u>2010<\/u><\/strong> in dieser Beziehung eine beneidneswerte Pool-Position ein: WTO: Direktor Lamy, EZB: Pr\u00e4sident Trichet (heute Vizepr\u00e4sidium mit <strong><u>Beno\u00eet C\u0153ur\u00e9<\/u><\/strong>), IWF: Strauss-Kahn (heute <strong><u>Christine Lagarde),<\/u><\/strong> G-8 und G-20 Vorsitz Pr\u00e4sident Sarkozy, politische F\u00fchrung in der EU effektiv das Team Sarkozy\/Merkel, die sich jeweils vor den entscheidenden Sitzungen absprechen, Bedingungen und Forderungen stellen. Ohne Frankreich l\u00e4uft in den EU-Gremien gar nichts. Teile des <strong><u>EU-Parlamentes<\/u><\/strong> und der Administration wurden in Strassburg angesiedelt, ebenfalls der EU-gesponserte <strong><u>Fernsehkanal Arte und der Europarat<\/u><\/strong>, in dem die EU stimmenm\u00e4ssig wiederum die Mehrheit h\u00e4lt. In Paris befindet sich der <strong><u>Hauptsitz der OECD<\/u><\/strong>. \u00dcber den Beamtenapparat kann Frankreich grossen Einfluss auf diese internationalen Organisationen aus\u00fcben. Innerhalb der OECD versucht der f\u00fcr den Steuerbereich zust\u00e4ndige <strong><u>Pascal Saint-Amans<\/u><\/strong>\u00a0 den Steuerwettbewerb zu unterdr\u00fccken. Frankreich ist mit seiner hohen Staatsquote und hohen Staatsdefiziten durch den internationalen Steuerwettbewerb besonders gef\u00e4hrdet. Allerdings sind jene 2&#8217;500 OECD-Beamten, die sich dem Kampf gegen den Steuerwettbewerb verschrieben haben, selbst steuerbefreit. Der Kampf wird dabei teils unter dem Deckmantel von &#8222;Kampf gegen die Geldw\u00e4scherei&#8220; gef\u00fchrt, um die Steuerhinterziehung von Privaten zu kriminalisieren. Unfairen Steuerpraktiken bzw. -optimierungen und steuerlich gesteuerte Verrechnungspreisen der grossen Multies sollen mit dem BEBS-Abkommen (BEPS = Base Erosion and Profit Sharing) bek\u00e4mpft werden. Auch in der EU versucht Frankreich mit seinem Kommiss\u00e4r <strong><u>Pierre Moscovici<\/u><\/strong>, ein franz\u00f6sischer Politiker der Parti Socialiste, die Finanzen anderer L\u00e4nder zu kontrollieren und zu \u00fcberwachen.\u00a0 Am 10. September 2014 wurde Pierre Moscovici zum Wirtschafts- und W\u00e4hrungskommissar ernannt. Durch eine neue Aufgabenverteilung innerhalb der EU-Ressort wurde er zugleich f\u00fcr Steuern und die Zollunion zust\u00e4ndig. In der UNO verf\u00fcgt Frankreich \u00fcber ein Veto-Recht im Sicherheitsrat. Dort wo Frankreich wegen Amtszeitbeschr\u00e4nkungen oder rotierenden Anspr\u00fcchen derzeit nicht an der Spitze der Beamtenpyramide steht, lauern bereits franz\u00f6sische Aspiranten f\u00fcr eine R\u00fcckkehr Frankreichs in die Schl\u00fcsselpositionen.<\/p>\n<p><strong><em>Ein Ausscheiden Frankreichs aus dem EU-Verbund k\u00f6nnte somit auch ein Ende des EU-Zentralismus bedeuten. Franz\u00f6sische Spitzenbeamte in der EU, bei der OECD, beim IWF etc., die oft als Vertreter oder mit Hilfe der EU in diese Positionen gelangt sind, m\u00fcssten wohl ihre Pl\u00e4tze r\u00e4umen. Immerhin k\u00f6nnte dann wenigstens der monatliche kostspielige Umzug des EU-Parlamentes von Br\u00fcssel nach Strassburg aufgegeben werden, womit die EU pro Jahr \u00fcber EUR 100 Mio. einsparen k\u00f6nnte.<\/em> <\/strong><\/p>\n<p>Gerade der \u00fcbertriebene Zentralismus unter franz\u00f6sischer F\u00fchrung k\u00f6nnte den etablierten Parteien Frankreichs zum Verh\u00e4ngnis werden. Wie weltfremd der noch amtierende sozialistische Staatspr\u00e4sident Frankreichs, <strong><u>Fran\u00e7ois Holland<\/u><\/strong>, im Jahre 2015 die Lage der EU einsch\u00e4tzte, zeigen seine Forderungen und Vorschl\u00e4ge zu einer &#8222;<strong><u>radikalen Neuordnung des Euros&#8220;<\/u><\/strong>. Als Gr\u00fcndungsmitglieder sollen sechs Staaten ihre Haushalte zusammenlegen sowie ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung etablieren. Man stelle sich vor, Deutschland und Frankreich w\u00fcrden von einem einzigen Staatspr\u00e4sidenten gef\u00fchrt und die Parlamente zusammengelegt! Die Deutschen zahlen in die gemeinsame Kasse ein, die Franzosen geben das Geld aus! Danach forderte er eine EU-Wirtschaftsregierung, um politische Streitigkeiten zu beenden. Sp\u00e4ter steigerte er seine Absurdit\u00e4ten noch mit der Aussage, dass die Krise in der Eurozone nicht durch zu viel, sondern durch zu wenig Europa entstanden sei. Er kritisierte, dass die nationalen Parlamente zu weit von den Entscheidungen der EU entfernt seien, womit die Einstimmigkeit der 28 EU-Regierungen oft verhindert w\u00fcrde. Damit meinte er wohl, dass nationale Parlamente nichts mehr zu Beschl\u00fcssen der EU zu sagen haben sollen und ausgeschaltet werden m\u00fcssten. Korrekter w\u00e4re gewesen, wenn er dar\u00fcber gejammert h\u00e4tte, dass die EU-Politelite die N\u00e4he zu den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern verloren hat, zu jenen, die von den Br\u00fcsseler Beschl\u00fcssen betroffen werden, ohne dass sie etwas dazu zu sagen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ein EU-Parlament mit umfassenden Kompetenzen w\u00fcrde den nationalen Parlamenten zu reinen Regionalparlamenten degradieren, die auf der EU-Ebene nichts mehr zu sagen h\u00e4tten. Hollande tr\u00e4umte offensichtlich auch davon, dass in einem <strong><u>omnipotenten EU-Parlament eine Allianz der Sozialisten, allenfalls inklusive Gr\u00fcne und Christdemokraten (EVP)<\/u><\/strong> dann \u00fcber viele Jahre hinweg in der EU das Sagen h\u00e4tte. Eigentlich k\u00f6nnte man geneigt sein, diese Ideen als Luftschl\u00f6sser eines demn\u00e4chst pensionierten Staatschefs abzutun, aber der in den Vorwahlen zur Kandidatur ums Pr\u00e4sidentenamt unterlegene ehemalige Ministerpr\u00e4sident Manuel Carlos Valls, hat diese Vorschl\u00e4ge aufgegriffen und sogar noch konkretisiert. Die neue Staatengemeinschaft soll Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, Luxemburg und die Niederlande umfassen. \u00c4hnliche Ideen hatte allerdings 1994 auch schon der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble in einem grundlegenden Papier dargelegt. Sch\u00e4uble wollte allerdings Italien nicht in einer solchen neuen politischen Kernunion haben.<\/p>\n<p><strong><u>Marine Le Pen (48):<\/u><\/strong> \u00a0Sie ist die j\u00fcngere Tochter von <strong><u>Jean-Marie Le Pen<\/u><\/strong><strong><u> (89<\/u><\/strong>), dem Gr\u00fcnder der rechtspopulistischen Partei Front National (FN) im Jahr 1972. Er war bis zur \u00dcbernahme der Position durch Marine Le Pen am 16. Januar 2011 w\u00e4hrend 39 Jahren Vorsitzender des FN und trat bei f\u00fcnf Pr\u00e4sidentschaftswahlen an. Im August 2015 wurde er wegen \u201eschwerer Verfehlungen\u201c aus der Partei ausgeschlossen. Marine Le Pen arbeitete nach einem juristischen Hochschulabschluss (Strafrecht) zwischen 1992-1998 als zugelassene Rechtsanw\u00e4ltin in Paris. Sie arbeitete sich innerhalb der Partei von der Leiterin des juristischen Dienstes des FN (1998) bis an die Spitze der Partei herauf. Seit 2011 ist sie Vorsitzende der Partei, seit 2004 Mitglied des Europ\u00e4ischen Parlamentes.<\/p>\n<p>In den Regionalwahlen 2015 eroberte der FN 27.7% der Stimmen. Bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2004 erzielte die Partei erst 10.5%, bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2012 (erste Runde) 17.9%. Es ist damit zu rechnen, dass die Spitzenkandidatin Marine Le Pen, am 7. Mai 2017, an der zweiten, entscheidenden Stichwahl, mit von der Partie sein wird, zumal sich die zerstrittenen linken Parteien gegenseitig Stimmen wegnehmen werden.<\/p>\n<p>Der FN gilt als rechtspopulistisch. Solchen Parteien ist gemein, dass sie nebst dem Nationalismus auch Umverteilungsgel\u00fcste f\u00fcr ihre Wahlklientel pflegen. Le Pen kann bei ihrem Wahlkampf auf die Unzufriedenheit breiter Bev\u00f6lkerungskreise mit der heutigen Politik und Wirtschaft z\u00e4hlen. Vor allem die hohe Arbeitslosigkeit, die unter der fr\u00fcheren UMP (Sarkozy \/ heute Republikaner) und der sozialistischen Regierung von Ministerpr\u00e4sident Hollande auf \u00fcber 10% angeschnellt ist, hat zu einer Radikalisierung des Landes gef\u00fchrt. Le Pen wirft der Regierung vor, die Interessen Frankreich nicht in gleichem Ausmass zu verteidigen wie dies Kanzlerin Merkel f\u00fcr Deutschland tue. Le Pen gewinnt deshalb auch zunehmend Unterst\u00fctzung in der Arbeiterklasse, wollen doch 45% der \u201eBlue Collar\u201c-W\u00e4hler und 38% der Arbeitslosen ihre Stimme f\u00fcr sie abgeben. Sie punktet auch bei den Alleinerziehenden, denn sie war selbst eine. Dazu kommt eine gewisse Europam\u00fcdigkeit breiter Bev\u00f6lkerungskreise, die aus Protest gegen die EU f\u00fcr den FN stimmen werden.<\/p>\n<p>Konkret lassen sich aus den j\u00fcngsten Interviews mit der Parteivorsitzenden etwa folgende <strong><u>politischen Priorit\u00e4ten<\/u><\/strong> ablesen:<\/p>\n<ul>\n<li>Der FN erachtet die EU und vor allem den EUR f\u00fcr Frankreich als Zwangskorsett. Le Pen will aus dem EUR austreten und mit einem schwachen Franc (FF) die Exportwirtschaft wieder wettbewerbsf\u00e4hig machen. Sie k\u00fcndigte auch bereits an, dass bei einem Euro-Austritt s\u00e4mtliche EUR-Staatsschulden in FF-Schulden umgewandelt w\u00fcrden, damit die Staatsverschuldung im Verh\u00e4ltnis zum BIP nicht zun\u00e4hme. Dabei spielt es f\u00fcr sie keine Rolle, dass der Grossteil der franz\u00f6sischen Staatsschulden (gem\u00e4ss Eurostat 2014: 57.2%) heute von ausl\u00e4ndischen Grossanlegern gehalten werden. Weitere 40.8% der Staatsschulden sind im Besitz von franz\u00f6sischen Finanzh\u00e4usern und nur 2% liegen bei anderen franz\u00f6sischen Anlegern.<\/li>\n<li>Le Pen spricht sich f\u00fcr die Verstaatlichung der Banken aus<\/li>\n<li>Aussenpolitisch erachtet Le Pen die USA als unzuverl\u00e4ssigen und teils problematischen Partner. Diese Haltung k\u00f6nnte nach dem Wahlsieg von Donald Trump allenfalls etwas relativiert werden. Sie zeigt sich hingegen gegen\u00fcber Russland auch mit Blick auf den Ukraine-Konflikt als verst\u00e4ndnisvoller. Letzterer sei auch eine Folge der EU-Provokationen (NATO-Erweiterung in Osteuropa, EU-Kandidatenl\u00e4nder etc.) und des Imperialismus der USA. Auch im Nahen Osten sei der Kampf gegen den IS mit den USA alleine nicht zu gewinnen. Dazu sei die Unterst\u00fctzung Russlands notwendig. Le Pen will aus diesem Grund auch die Beziehungen zum noch amtierenden syrischen Staatschef Beshar al Assad wieder verbessern. Andererseits will sie das Verh\u00e4ltnis zu Katar und zur T\u00fcrkei \u00fcberpr\u00fcfen. Sie wirft diesen L\u00e4ndern vor, dass sie den Terrorismus unterst\u00fctzen.<\/li>\n<li>Der FN vertritt eine harte Nulltoleranzpolitik gegen\u00fcber Dschihadisten und nicht-franz\u00f6sisch-sprechenden Predigern. Sie will franz\u00f6sische Gottesk\u00e4mpfern im Einsatz in Irak\/Syrien die Staatsb\u00fcrgerschaft aberkennen. Le Pen stellt auch einen klaren Bezug zwischen Immigration und religi\u00f6s motivierter Radikalisierung fest.<\/li>\n<li>Der FN will auch in der Arbeiterschaft Stimmen gewinnen, indem er sich f\u00fcr einen starken Service Public einsetzt und die Arbeiter und Landwirte vor der unkontrollierbar gewordenen Globalisierung sch\u00fctzen will. Le Pen will das Renteneintrittsalter wieder auf 60 Jahre senken und mit Z\u00f6llen und strikteren Grenzkontrollen f\u00fcr Personen und G\u00fcter die einheimische Wirtschaft sch\u00fctzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Front National hat in den letzten Jahren deutlich zugelegt, weil die Terroranschl\u00e4ge (Januar 2015: Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo, 13. November 2015 Nachtclub in Paris mit 130 Toten, 14. Juli 2016 Lastwagen-Attentat in Cannes mit \u00fcber 80 Toten) und der danach verh\u00e4ngte Ausnahmezustand die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen des FN bez\u00fcglich der Gef\u00e4hrlichkeit der Islamisierung Frankreichs best\u00e4tigten. Die Terroranschl\u00e4ge belegen aber auch, dass die Sicherheitskr\u00e4fte die Kontrolle \u00fcber die Banlieus in Paris und Stadtteile in Marseille oder Strassburg verloren haben. Dies obwohl der <strong><u>Anteil der im Ausland geborenen Einwohner Frankreichs<\/u><\/strong> in den letzten 10 Jahren im Unterschied zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern kaum mehr stark zugenommen hat. Im Anstieg von <strong><u>8.1% auf 8.9% (2014<\/u><\/strong>) d\u00fcrfte allerdings eine unbekannte aber als signifikant vermutete Anzahl illegaler, nicht registrierter Zuwanderer nicht enthalten sein. Von dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe bezeichnen sich 40% als gl\u00e4ubige und praktizierende Muslime. Insgesamt sollen sich in Frankreich rund 5 Mio. Muslime aufhalten, was bezogen auf die gesamte Bev\u00f6lkerung von 66.7 Mio. einer Quote von 7.5% entspr\u00e4che. Viele der Immigranten sind ein Erbe aus der Kolonialzeit, d.h. sie stammen aus Algerien, Marokko und Tunesien.<\/p>\n<p>Nach Gross-Attentaten steigen allerdings meistens die positiven Umfragewerte der Regierenden und nicht der Opposition an, weil viele glauben, die Regierung w\u00fcrden in der Folge etwas zur Verbesserung der inneren Sicherheit unternehmen. Dieser Effekt zeigte sich auch in Deutschland im Anschluss an den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin 2016. Die Umfragewerte f\u00fcr Merkels CDU stiegen bis Ende Januar 2017 um 3-4 Prozentpunkte auf (32.5% INSA, 36% Emnid, 38% Forsa). Auch in Frankreich konnte Pr\u00e4sident Hollande nach den Attentaten kurzfristig etwas h\u00f6here Beliebtheitswerte verbuchen, aber diese Effekte sind wieder verflogen. Die Umfragewerte f\u00fcr Pr\u00e4sident Hollande fielen sogar auf ein Allzeittief von 4%- bis 15%, was wohl noch kein amtierender Pr\u00e4sident sechs Monate vor dem Ende seiner Amtszeit erlebt hat.<\/p>\n<p><em><strong>Noch unklar ist, wer Le Pens Herausforderer in der zweiten Wahlrunde vom 7. Mai 2017 sein wird: der republikanische Fran\u00e7ois Fillon, der Sozialist Beno\u00eet Hamon oder der von den Sozialisten abgesprungene ehemalige Wirtschaftsminister Emmanuel Macron (eigene Partei: \u201eEn Marche\u201c) oder sogar der Vertreter der Linken Front (LF) Jean-Luc M\u00e9lechon. Gemeinsam ist all diesen Kandidaten, dass sie als Polit-Karrieristen mit Ausnahme von Emmanuel Macron (Investmentbanker) und allenfalls noch Arnould Montebourg und Marine Le Pen als Rechtsanw\u00e4lte, nie in der Realit\u00e4t des Normalb\u00fcrgers oder gar eines Unternehmers gelebt haben. Eitelkeit und Neidpolitik stehen ihrer Jagd nach politischen \u00c4mtern und Pfr\u00fcnden Pate. Die Aufz\u00e4hlung ihrer Orden in den Lebensl\u00e4ufen und das \u00c4mterh\u00fcpfen sind klare Signale dieser bei Politikern weitverbreiteten schlechten Eigenschaften. Gemeinsam ist einigen Linkspolitiken (M\u00e9lechon, Hamon, Montebourg) auch der Hass auf Zuchtmeister Deutschland.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><u>B\u00fcrgerliche mit \u00dcberraschungskandidat<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>Nicolas Sarkozy und Alain Jupp\u00e9:<\/u><\/strong> Der parteiintern nominierte Spitzenkandidat des konservativen Lagers, entspricht nicht den Erwartungen der Medien. Noch zwei Wochen vor der internen Ausmarchung galt Alain Jupp\u00e9 als gesetzter Kandidat des konservativen Fl\u00fcgels. Aber sowohl Alain Jupp\u00e9 als auch Ex-Pr\u00e4sident Nicolas Sarkozy wurden bereits bei den Vorwahlen eliminiert.\u00a0 Sarkozy will sich nun definitiv aus der Politik zur\u00fcckziehen. Alain Jupp\u00e9, ein Gaullist, ist B\u00fcrgermeister von Bordeaux. Er hatte mehrere Minister\u00e4mter inne und war vom 1995 bis 1997 Premierminister Frankreichs. Spitzenkandidat der B\u00fcrgerlichen wurde \u00fcberraschend Fran\u00e7ois Fillon mit Zweidritteln der Parteistimmen. Sollte Fillon wider Erwarten seine Kandidatur zur\u00fcckziehen, so will Alain Jupp\u00e9 nicht in die Bresche springen, und mit dem \u201eLadenh\u00fcter\u201c Sarkozy w\u00e4re ein Wahl selbst gegen Le Pen wohl nicht zu gewinnen.<\/p>\n<p>Um wieder an die Macht zu gelangen, versuchte Ex-Pr\u00e4sident Sarkozy in letzter Verzweiflung noch ein neues <strong><u>Reformprogramm f\u00fcr die EU<\/u><\/strong> zu lancieren, in dem die typische franz\u00f6sische \u00dcberheblichkeit und der Nationalismus einmal mehr dokumentiert wurde. Aber seine Anbiederung an das Wahlprogramm von Marine Le Pen erwies sich als Rohrkrepierer. Anl\u00e4sslich eins Seminars der \u00abLes R\u00e9publicains (LR)\u00bb im Juli 2016 hat Pr\u00e4sidentschaftskandidat Sarkozy folgendes 5 Punkte Programm vorgelegt:<\/p>\n<ol>\n<li>Die EU soll das Schengen Abkommen derart modifizieren, dass jedes Land wieder mehr Kontrolle \u00fcber die eigenen Grenzen erh\u00e4lt. (Der Druck der Strasse und des FN zeigen ihre Wirkung).<\/li>\n<li>Europa soll eine eigene Version des IMF erhalten, so dass man sich vom Diktat der US l\u00f6sen k\u00f6nne. Der heutige Selbstbedienungsladen IWF (z.B. f\u00fcr die Finanzierung Griechenlands oder der Ukraine) unter franz\u00f6sischer Leitung scheint den Franzosen nicht auszureichen.<\/li>\n<li>Die EU-Kommission soll weniger Gesetze verabschieden.<\/li>\n<li>Die nationalen Parlamente sollen \u00fcber alle neuen Gesetze abstimmen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die bisher ungebremste Ausweitung der EU soll ein Ende finden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dazu kommen weitere herbeiphantasierte \u00abReformw\u00fcnsche\u00bb der Franzosen. Die EU-Pr\u00e4sidentschaft soll nicht mehr alle halbe Jahre von einem anderen EU-28 Mitgliedsland \u00fcbernommen, sondern <strong><u>abwechslungsweise von Frankreich und Deutschland<\/u><\/strong> ausge\u00fcbt werden. Es k\u00f6nne auch nicht l\u00e4nger toleriert werden, dass die EU-Administration Gesetze lanciere und verabschiede. Aus dem Sarkozy Lager wurde auch die Idee lanciert, die EU-Kommission durch ein \u00abSekretariat der Nationen\u00bb zu ersetzen.<\/p>\n<p><strong><u>Fran\u00e7ois Fillon<\/u><\/strong> (62) ist innert K\u00fcrze vom Hoffnungstr\u00e4ger der Republikaner zum veritablen Heilsbringer aufgestiegen. Er gilt als gef\u00e4hrlichster Herausforderer von Marine Le Pen, weil er umfassende Reformen verspricht. Der Republikaner gilt als neoliberal, konservativ und erzkatholisch. Als Bewunderer von Margaret Thatcher und Ronald Reagan verspricht er nicht nur eine Schocktherapie f\u00fcr die angez\u00e4hlte ehemalige Weltmacht. Neben einer radikalen \u00f6konomischen Runderneuerung samt drastischem Sozialabbau soll die Nation auch dank einer geistig-moralischen Wende zu fr\u00fcherer Gr\u00f6sse zur\u00fcckfinden. Fillon will das Arbeitsgesetz (35-Stundenwoche) lockern, das Renteneintrittsalter erheblich, von 62 auf 65 Jahre, \u00a0erh\u00f6hen und Steuersenkungen f\u00fcr die Unternehmen und die Wohlhabenden durchsetzen. Diese Steuerausf\u00e4lle sollen m\u00f6glicherweise durch eine Erh\u00f6hung der Mehrwertsteuer kompensiert werden. Er will rund 500\u2018000 Stellen im \u00f6ffentlichen Dienst streichen und EUR 100 Mio. Einsparungen im Staatshaushalt vornehmen. Bezogen auf die Staatsausgaben Frankreichs von \u00a0total\u00a0 EUR 1\u2018243 Mrd. (2015) entspr\u00e4che dies einer Ausgabenk\u00fcrzung um 8%. Er setzt auf Privatisierungen, um Geld f\u00fcr Investitionen freizusetzen. Er will den im Inland herangewachsenen radikalen Islamismus bek\u00e4mpfen und die Immigration st\u00e4rker kontrollieren.<\/p>\n<p>Er bekennt sich zu konservativen Familienwerten, hat 2013 gegen die Zulassung von gleichgeschlechtlichen Ehen gestimmt und will eine internationale Kampagne gegen die Leihmutterschaft und die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare anf\u00fchren. Er wird somit nicht nur Stimmen aus dem linken Lager und seitens der Staatsbediensteten verlieren, sondern auch aus weltanschaulich liberaleren Kreisen. Fillon gilt als russlandfreundlich und tritt im Kampf gegen die Terrormiliz &#8222;Islamischer Staat&#8220; (IS) f\u00fcr eine Koalition mit Moskau ein. Fillon warb zudem in der Zeitung &#8222;Le Monde&#8220; f\u00fcr das Ende der europ\u00e4ischen Sanktionen gegen Russland. Kritisiert wird Fillon, weil er sich nun pl\u00f6tzlich als progressiver B\u00fcrgerlicher aufspielt, aber als Premierminister (2007-2012) unter dem Reformzauderer Pr\u00e4sident Sarkozy keine entsprechenden Reformen durchbrachte. \u00a0Im\u00a0 Gegenteil, w\u00e4hrend der Regierungszeit bis 2012 wurden die Steuern vor Wohlhabende erh\u00f6ht und eine &#8222;Exit Tax&#8220; eingef\u00fchrt, die den Wegzug erschweren sollten. Schon damals setzte eine Flucht der Gutverdienenden und Wohlhabenden aus Frankreich ein. Dieser Trend verst\u00e4rkte sich nach der Macht\u00fcbernahmen durch die Sozialisten im Jahre 2013. 2012 verliessen 2&#8217;669 in Frankreich Steuerpflichtige mit einem Einkommen von \u00fcber EUR 100&#8217;000 das Land, 2013 waren es bereits 3&#8217;744. Verm\u00f6gende mit mehr als 1.3 Mio. Verm\u00f6gen fl\u00fcchteten 2012 deren 620, 2013 waren es 714.<\/p>\n<p>Die Aufdeckung von Zahlungen in H\u00f6he von rund EUR 600&#8217;000 (EUR 50&#8217;000 pro Jahr) an seine Ehefrau P\u00e9n\u00e9lope als seine Parlaments-Assistentin, die jedoch keine Arbeit f\u00fcr Fillon verrichtete, \u00a0aus dem Staatshaushalt durch Pr\u00e4sidentschaftskandidat Fillon zeigt, dass auch die b\u00fcrgerlichen Kandidaten von Raffgier nicht gefeit sind. Er stand vor einigen Jahren auch in der Kritik weil er 2010 eine Einladung f\u00fcr sich und seine Familie vom damaligen \u00e4gyptischen Staatschef Mubarak zu einer Nil-Fahrt mit allem Drum und Dran angenommen hatte.<\/p>\n<p><strong><u>Gr\u00fcne chancenlos<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>Yannick Jadot<\/u><\/strong><strong><u> (50)<\/u><\/strong>: Jadot kam als Vertreter der <strong><u>franz\u00f6sischen Gr\u00fcnen<\/u><\/strong> in Umfragen bisher nie \u00fcber 3%. Er wird somit bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen keine Chance haben. Von Interesse ist h\u00f6chstens noch, welchem Lager sich seine Unterst\u00fctzter in der zweiten Runde anschliessen werden. Jadot\u00a0 ist ein \u00a0franz\u00f6sischer Umweltaktivist und seit 2009 Mitglied des Europ\u00e4ischen Parlaments f\u00fcr das gr\u00fcne Wahlb\u00fcndnis Europe \u00c9cologie. Jadot studierte Wirtschaftswissenschaften und lebte mehrere Jahre in Burkina Faso und in Bangladesch, wo er in der Entwicklungshilfe und im Umweltschutz t\u00e4tig war. Anfang September 2008 k\u00fcndigte Jadot an, dass er Greenpeace verlassen w\u00fcrde, um sich dem neu gegr\u00fcndeten gr\u00fcnen Wahlb\u00fcndnis Europe \u00c9cologie anzuschlie\u00dfen, mit dem die franz\u00f6sischen Gr\u00fcnen unter Leitung von <strong><u>Daniel Cohn-Bendit<\/u><\/strong> zur Europawahl in Frankreich 2009 antraten. Er pr\u00e4sentierte sich im EU-Parlament als Russland-Gegner, wollte er Russland doch die Olympischen Spiele versagen.<\/p>\n<p><strong><u>Linkes Lager heillos zerstritten<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Das <u>linke Lager<\/u> ist zerstritten und der seit Jahren andauernde Kampf zwischen dem linken und rechten Parteifl\u00fcgel k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass ein Teil der Sozialisten nicht einmal den eigenen Kandidaten unterst\u00fctzen wird, wenn dieser aus dem anderen innerparteilichen Lager stammt. Dazu kommen alte &#8222;Abrechnungen&#8220; zwischen den Spitzenkandidaten. Die Sozialisten werden zudem von zwei unabh\u00e4ngige Kandidaten, die von der Partei abgesprungen sind, und selbst\u00e4ndig kandidieren, konkurrenziert.\u00a0 Letztere, Emmanuel Macron und Jean-Luc M\u00e9lechon, liegen in den Umfragen Ende Januar sogar noch vor den offiziellen Kandidaten der Sozialisten. Die Verlierer des innerparteilichen Machtkampfes bei den Vorwahlen (Valls, Montebourg,) droht ein Ende ihrer politischen Karriere. Als Verlierer der sozialistischen Vorwahlen, w\u00e4re eine Trotzreaktion mit einer Kandidatur auf eigene Faust, ein hoffnungsloses Unterfangen und w\u00fcrde die Stimmen des Linkslagers noch weiter aufsplittern.<\/em> <\/strong><\/p>\n<p>Im ersten parteiintenen Vorwahlverfahren vom 22. Januar 2017 gingen <strong><u>Beno\u00eet Hamon (35.2%) und Manuel Valls (31.6%)<\/u><\/strong> als Sieger hervor. Die \u00fcbrigen Kandidaten erhielten folgende Stimmen: Arnaud Montebourg 18.7%, Vincent Peillon 6.5%, Fran\u00e7ois de Rugy 3.5%, Sylvia Pinel 2.1%, Jean-Luc Bennahamias 1.6%.<\/p>\n<p><strong><em>Am 29. Januar 2017 obsiegte schliesslich Beno\u00eet Hamon mit 58.6% zu 41.4% als offizieller Kandidat der Sozialisten f\u00fcr das franz\u00f6sische Staatspr\u00e4sidentenamt.<\/em> <\/strong><\/p>\n<p><strong><u>Beno\u00eet Hamon (50):<\/u><\/strong> Bei der Abstimmung \u00fcber die Pr\u00e4sidentschaftskandidatur von Frankreichs Sozialisten lag der fr\u00fchere Bildungsminister (5 Monate) Beno\u00eet Hamon bereits nach der ersten Runde vom 22. Januar 2017 \u00fcberraschend vorne. Auch diese Nomination entspricht nicht den Erwartungen der Mainstream-Medien. Hamon ist Vertreter des linken Parteifl\u00fcgels und gilt als Kritiker von Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande. Valls geh\u00f6rt dem wirtschaftsfreundlichen rechten Fl\u00fcgel der Partei an. Der 49-j\u00e4hrige Hamon fordert unter anderem ein <strong><u>bedingungsloses Grundeinkommen von EUR 750 f\u00fcr alle Franzosen. Die daf\u00fcr notwendigen Euro 400 Mrd.<\/u><\/strong> will Hamon \u00fcber h\u00f6here Steuern f\u00fcr \u201edie Reichen\u201c und notfalls \u00fcber Schulden beschaffen. Zudem will er den Cannabis-Konsum legalisieren, 37&#8217;000 neue Lehrerstellen schaffen und die im vergangenen Jahr verabschiedete Liberalisierung des Arbeitsrechts wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Mit einem solchen Wirtschaftsprogramm wird die serbelnde franz\u00f6sische Wirtschaft kaum zu retten sein. Hamon kritisierte Kanzlerin Merkel f\u00fcr ihre Haltung zum europ\u00e4ischen Fiskalpakt, der f\u00fcr die Krisen in Griechenland, Spanien und Portugal verantwortlich sei. W\u00e4hrend Valls in den n\u00e4chsten 5 Jahren <strong><u>nur 30\u2018000 Fl\u00fcchtlinge<\/u><\/strong> aufnehmen will, spricht sich der linke Fl\u00fcgel der Sozialisten (Hamon, Montebourg, Vincent Peillon) f\u00fcr wesentlich grossz\u00fcgigere Aufnahmen aus.<\/p>\n<p>Hamon gilt als linker Selbstdarsteller auf einer Linie mit dem spanischen Podemos-Messias Pablo Iglesias sowie dem Syriza-Anf\u00fchrer und seit 2015 griechischen Ministerpr\u00e4sidenten Alexis Tsipras. Mit seiner Kandidatur f\u00fcr die Sozialisten erh\u00f6hen sich Le Pens Wahlchancen. Sollten die Sozialisten bzw. Hamon nicht einmal in die Stichwahl vorstossen, w\u00fcrde diese Niederlage wohl zu einem derart grossen Prestigeverlust f\u00fcr die Sozialisten f\u00fchren, dass sie w\u00e4hrend Jahren nicht mehr als ernstzunehmende politische Kraft wahrgenommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong><u>Manuel Carlos Valls (55):<\/u><\/strong> Der unterlegene Kandidat der Sozialisten, Manuel Carlos Valls entstammt einem spanisch\/schweizerischen Elternhaus. Er studierte Geschichte und wurde 1982 franz\u00f6sischer Staatsb\u00fcrger.\u00a0 Er gilt als Politiker aus dem links orientierten Pariser Intellektuellenzirkel, war zwischen 2012 und 2014 Innenminister, danach bis zum 6. Dezember 2016 Premierminister der Franz\u00f6sischen Republik. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Innenminister <strong><u>Bernard Cazeneuve<\/u><\/strong> bestimmt. Er hat sich offensichtlich in den letzten Jahren zu viele parteiinterne Feinde geschaffen, so dass er nun f\u00fcr seine Intrigen und \u00c4mterschacherei die Quittung pr\u00e4sentiert erhielt. Er hat zu hoch gepokert und alles verloren.<\/p>\n<p>So wurde er eigentlich nur dank der F\u00fchrungsschw\u00e4che von Pr\u00e4sident Holland Premierminister. Er drohte 2014 zusammen mit Innenminister Arnaud Montebourg aus der Regierung Holland auszutreten, falls Holland den damaligen Premierminister <strong><u>Jean-Marc Ayrault<\/u><\/strong> nicht entlassen w\u00fcrde. Letzterer wurde f\u00fcr die Wahlschlappe anl\u00e4sslich der Regionalwahlen verantwortlich gemacht. Holland entliess daraufhin Ayrault und ernannte Manuel Valls zum Premier. Valls wiederum setzte Minister <strong><u>Pierre Moscovici<\/u><\/strong> (heute EU-Kommissar), den Konkurrenten seines damaligen Verb\u00fcndeten Montebourg, auf die Strasse. Als es danach zu innerparteilichen Machtk\u00e4mpfen zwischen dem rechten (Valls) und dem linken Parteifl\u00fcgel (Montebourg, Hamon) kam, reichte Valls am 25. August 2014 den R\u00fccktritt seiner Regierung ein. Er wurde jedoch von Pr\u00e4sident Holland sogleich wieder mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt, was Valls dazu n\u00fctze, die Minister des linken Fl\u00fcgels <strong><u>(Industrieminister Arnaud Montebourg und Bildungsminister Beno\u00eet Hamon) aus ihren \u00c4mtern zu werfen.<\/u> <\/strong>Rund ein Drittel der PS-Abgeordneten verweigerte nach dem Rauswurf von Montebourg und Hamon bei Abstimmungen im Parlament oft die Unterst\u00fctzung Valls. Auch zwei einflussreiche Linkspolitikerinnen haben sich gegen Valls verschworen, die Pariser B\u00fcrgermeisterin Anne Hidalgo sowie ihre Amtskollegin in Lille, die fr\u00fchere Parteichefin Martine Aubry.<\/p>\n<p>Manuel Valls konnte seine Reformen des Arbeits- und Sozialrechts nur mit <strong><u>Notverordnungen<\/u><\/strong>\u00a0 (Art. 49, Abs 3 der Verfassung) durchsetzen. Neuerdings behauptet Valls zwar, dass ihm dieses Vorgehen \u201eaufgezwungen\u201c worden sei. Er spricht sich heute sogar f\u00fcr eine Abschaffung des Notverordnungsartikels 49 aus. Als F\u00fchrer des rechten Parteifl\u00fcgels verfolgte er eine pragmatisch sozialliberalen Kurs. Er kritisierte seine Parteikollegen des linken Fl\u00fcgels als ewiggestrige Nostalgiker marxistischer Pr\u00e4gung. In der Fl\u00fcchtlingspolitik verfolgt Valls einen harten Kurs, sprach er sich im November 2015 doch daf\u00fcr aus, keine weiteren Fl\u00fcchtlinge aus dem Nahen Osten mehr aufzunehmen, sondern lediglich noch die zugesagten Kontingente einzuhalten. Der Strippenzieher Valls war es auch, der Pr\u00e4sident Holland den Verzicht auf eine Wiederkandidatur nahelegte, was dieser am 5. Dezember 2016 auch ank\u00fcndigte.<\/p>\n<p>Eines der Hauptprobleme Frankreichs sind der <strong><u>\u00fcberdimensionierte Staatssektor und das l\u00e4ngerfristig nicht mehr finanzierbare Rentensystem<\/u><\/strong>. Auch unter Premier Valls wurden diese heissen Eisen kaum angefasst. So erfolgte die Reformen des unfinanzierbar gewordenen Rentensystems zu zaghaft. Das Berechtigungsalter f\u00fcr Zusatzrenten im Privatsektor wird zwar von 62 auf 63 Jahre angehoben. Der <strong><u>Staatssektor<\/u><\/strong> wurde von der Reform jedoch nicht betroffen und das regul\u00e4re Rentenalter verbleibt bei 62 Jahren. Wer mit 62 in Pension geht, muss lediglich f\u00fcr drei Jahre eine leichte Rentenk\u00fcrzung in Kauf nehmen. Die Rentenzahlungen belaufen sich bereits heute auf 13% des BIP mit steigender Tendenz. Valls will zwar das Staatsdefizit unter 3% des BIP dr\u00fccken, aber nicht auf Null gehen. Die staatlichen Sozialleistungen sollen zu einem &#8222;angemessenen Einkommen&#8220; (= Vorstufe zu einem bedingungsloses Grundeinkommen gemeint) zusammengefasst werden.<\/p>\n<p>Hamon und Montebourg traten in den Vorwahlen zum Staatspr\u00e4sidium gegen Valls an und nach dem Ausscheiden von Montebourg gab dieser bekannt, dass er und sein Lager Hamon in der zweiten Runde unterst\u00fctzen w\u00fcrden. Im Falle einer Pr\u00e4sidentschaft Hamons, d\u00fcrfte Valls wegen den alten Feindschaften und seiner politische rechteren Grundhaltung <strong><u>keinen Platz in einer Regierung Hamon<\/u><\/strong> finden.<\/p>\n<p><strong><u>Arnoud Montebourg (55):<\/u><\/strong> Anders pr\u00e4sentiert sich die Ausgangslage f\u00fcr Montebourg. Er ist zwar in den Vorwahlen der PS ebenfalls aus dem Rennen um die franz\u00f6sische Pr\u00e4sidentschaft gefallen, aber er d\u00fcrfte <strong><u>im Falle eines Wahlsieges von Hamon in der Regierung dennoch eine Rolle <\/u><\/strong>spielen, da er letzteren als Vertreter des linken Parteifl\u00fcgels in der innerparteilichen Entscheidungsrunde unterst\u00fctzte. Der studierte Jurist war von 2012 bis 2014 franz\u00f6sischer Wirtschaftsminister in den Kabinetten Ayrault I, Ayrault II und Valls I. Er gilt als Globalisierungskritiker. Als Rechtsanwalt trat er in Frankreich bei mehreren spektakul\u00e4ren Verfahren auf. Seit seinem Weggang aus der Regierung ist Montebourg teils in der Privatwirtschaft t\u00e4tig (M\u00f6belkette Habitat, Technologieunternehmen Talan, Windkraftanlagenbauer New Wind). Montebourg erachtet die 3%-Defizitobergrenze des EU-Stabilit\u00e4tspaktes als absurd, archaisch und \u00fcberholt. Er werde als Pr\u00e4sident nach Br\u00fcssel gehen und dort das Ende des franz\u00f6sischen Sparkurses ank\u00fcndigen. Er steht f\u00fcr eine \u201eEntglobalisierung\u201c, f\u00fcr eine st\u00e4rkere staatliche Kontrolle der Finanz- und G\u00fcterm\u00e4rkte. Ziel seiner <strong><u>Industriepolitik war und ist die drohende Desindustrialisierung Frankreichs zu verhindern<\/u><\/strong>. Bereits als Industrieminister versuchte er die \u00dcbernahme franz\u00f6sischer Unternehmen durch ausl\u00e4ndische Investoren (z.B. Alstom &#8211; GE \/ Dailymotion \u2013 Yahoo \/ PSA Peugeot \u2013 Dongfeng) zu verhindern und er bedrohte Werkschliessungen mit Verstaatlichungen (Mittal-Stahlwerk). Montebourg will den wirtschaftlichen Aufschwung vor allem durch Lohnerh\u00f6hungen und entsprechend h\u00f6here Kaufkraft der B\u00fcrger erreichen, wozu h\u00f6here Staatsausgaben unumg\u00e4nglich seien. Dass auch Montebourgs protektionistische Industriepolitik kein Erfolg war, illustriert der Index der industriellen Produktion, der immer noch auf dem Niveau von 1995, bzw. 12% unter dem Vorkrisenhoch liegt:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab3.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1310\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab3-300x191.jpg?resize=300%2C191\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab3.jpg?resize=300%2C191&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab3.jpg?resize=768%2C489&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab3.jpg?resize=1024%2C652&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab3.jpg?w=1075&amp;ssl=1 1075w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab3.jpg?w=948&amp;ssl=1 948w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><u>Emmanuel Macron (40):<\/u><\/strong> Der ehemalige Investmentbanker Emmanuel Macron pr\u00e4sentiert sich als unabh\u00e4ngiger Anti-System-Kandidat. Er war bereits Wirtschaftsberater von Ex-Staatspr\u00e4sident Mitterrand, sp\u00e4ter von Pr\u00e4sident Hollande. Als Investmentbanker der Rothschild &amp; Cie. in Paris hat er unter anderem Nestl\u00e9 beim Kauf der Pfizer Babyfood-Sparte gegen den franz\u00f6sischen Mittbewerber Danone begleitet. Er hat sich vorzeitig aus der Regierung Holland als Wirtschaftsminister (2014-2016) verabschiedet, um sich als parteiloser Kandidat zu empfehlen. Deshalb wird Macron von den Sozialisten als &#8222;Verr\u00e4ter&#8220; wohl kaum gew\u00e4hlt werden und seine eigene Bewegung &#8220; En Marche&#8220; ist wohl nicht stark genug, um ihn in die Schlussrunde zu bringen. Nach der Niederlage von Valls, der wie Macron als Vertreter des rechten Parteifl\u00fcgels gilt, k\u00f6nnte er aber Stimmen aus der Valls-Anh\u00e4ngerschaft machen. Macron selbst sieht sich als unabh\u00e4ngiger Modernisierer mit einem Auge f\u00fcr das soziale Gleichgewicht. Er hat mit dem nach ihm benannten Dienstleistungsgesetz wenigstens einige kleine liberale Reformen der Wirtschaft mitgetragen: l\u00e4ngere Laden\u00f6ffnungszeiten an Sonntagen, \u00d6ffnung des Fernbusverkehrs, Niederlassungsfreiheit f\u00fcr Notare. Aber viel mehr Spielraum wurde ihm vom Pr\u00e4sidenten Hollande und vom damaligen Premierminster Valls nicht zugestanden.<\/p>\n<p>Macron forderte 2014 von Deutschland ein EUR 50 Mrd. Programm zur Belebung der Wirtschaft in Europa. In Frankreich arbeitete er zuhanden von Pr\u00e4sident Holland an einem <strong><u>Reformpaket<\/u> <\/strong>mit, das auch Steuersenkungen von EUR 30-40 Mrd. f\u00fcr Unternehmen binnen 3 Jahren beinhaltete. Dieses sollte dazu dienen die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Der sp\u00e4tere Gesetzesentwurf das <strong><u>&#8222;Loi Macron&#8220;<\/u><\/strong> mutierte nach rund 3&#8217;000 \u00c4nderungsantr\u00e4gen im Parlament zu einem zahnlosen Gesetzeswerk mit 200 Artikeln. Aber selbst diese abgeschw\u00e4chte Variante stiess auf Widerstand, weshalb das Gesetz nur mit der Notstandsregelung, \u00fcber den Art. 49, Abs. 3 der Verfassung durchgesetzt werden konnte, gewissermassen ohne Parlament, denn die mit diesem Vorgehen verbundene Vertrauensabstimmung gewann die Regierung. Per Saldo hatte sich Macron aber in wesentlichen Punkten (Arbeitsmarkt) nicht durchsetzen k\u00f6nnen. Dennoch wird ihm die Gesetzgebung mit der Brechstange als Negativum angekreidet.<\/p>\n<p>Als Minuspunkte f\u00fcr die Wahlen sind Medienberichte im Jahre 2016, die besagen, dass Macron <strong><u>zu wenig Steuer bezahlt<\/u><\/strong> habe. Er hat sich zudem <strong><u>mit den Gewerkschaften \u00fcberworfen<\/u><\/strong>, denen er vorwarf, sie sollten lieber arbeiten statt streiken, damit sie nicht mehr in T-Shirts herumlaufen m\u00fcssten, sondern sich auch anst\u00e4ndige Kleider, wie er sie trage, leisten k\u00f6nnten. Seither gilt er bei den Gewerkschaften als rotes Tuch und viele dieser Stimmen werden ihm fehlen, selbst wenn er in die zweite Runde gelangen w\u00fcrde. 52% der Franzosen forderten in einer Umfrage im Juni 2016 seinen sofortigen R\u00fccktritt. Dass sich Macron bereits damals auf einen Abschied aus der Regierung vorbereitete, zeigt die Gr\u00fcndung einer eigenen Partei &#8222;En Marche&#8220;. Am 30. August trat Macron aus der Regierung aus. Sein Nachfolger wurde Michel Sapin. Innert K\u00fcrze gelang es Macron danach Millionen f\u00fcr seinen Wahlkampf zu sammeln, doch wurden die Finanzquellen nicht offengelegt, was wiederum zu Kritik Anlass gibt. Am 16. November 2016 k\u00fcndigte Macron seine offizielle Kandidatur f\u00fcrs Pr\u00e4sidialamt an. \u00a0Er ist ein Absolvent der Eliteschule ENA und gilt als Teil der Elite. Seine Priorit\u00e4ten Wirtschaft, Jobs und Arbeitslosigkeit, aber auch Sicherheit und Kampf gegen den Terrorismus sprechen viele W\u00e4hler an. Macron wird von G\u00e9rard Collomb dem B\u00fcrgermeister von Lyon und S\u00e9gol\u00e8ne Royal (Hollands Ex) unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><strong><u>PS:<\/u><\/strong> Am 30. August 2006 wurde Macron zum Pressesprecher der damaligen PS-Pr\u00e4sidentschaftskandidatin <strong><u>S\u00e9gol\u00e8ne Royal<\/u><\/strong> ernannt, die damals noch mit dem heutigen Pr\u00e4sidenten Holland verheiratet war. Dass er 2014 so rasch aus der Regierung geworfen wurde, hat auch damit zu tun, dass er damals als Royal-Pressesprecher \u00f6ffentlich erkl\u00e4rte, dass sie f\u00fcr das Pr\u00e4sidentenamt besser qualifiziert sei als ihr Mann (Pr\u00e4sident Hollande). \u00a0Damit hatte Pr\u00e4sident Holland mit Macron noch eine alte Rechnung zu begleichen.<\/p>\n<p><strong><u>Jean-Luc M\u00e9lechon (60):<\/u><\/strong> Geringere Chancen werden Jean-Luc M\u00e9lenchon einger\u00e4umt, der mit seiner Bewegung &#8222;La France insoumise&#8220; (das widerspenstige Frankreich) einen eigentlichen Anti-Merkel-Wahlkampf f\u00fchrt und von den Kommunisten unterst\u00fctzt wird. F\u00fcr die Griechenlandkrise macht er in erster Linie die \u201erechte\u201c deutsche Regierung verantwortlich. \u00a0Auch er ist ein PS-Abtr\u00fcnniger und kann deshalb nicht auf die volle Unterst\u00fctzung der PS z\u00e4hlen, zumal mit Hamon ein Vertreter des linken Parteifl\u00fcgels zum offiziellen Kandidaten gek\u00fcrt wurde. Obwohl sich die PS f\u00fcr ein &#8222;Ja&#8220; zu einer europ\u00e4ischen Verfassung ausgesprochen hatte, setzte sich M\u00e9lechon 2005 vehement f\u00fcr ein &#8222;Nein&#8220; ein. Die Stimmb\u00fcrger lehnten die EU-Verfassung denn auch deutlich mit 54.7% Neinstimmen ab. 2008 trat er als Verlierer gegen die Vertreterin des rechten Parteifl\u00fcgels, S\u00e9gol\u00e8ne Royal, beim Kampf um das Parteipr\u00e4sidium aus der Partei aus. Er gr\u00fcndete danach die &#8222;Partie de Gauche&#8220;, die ihm sogar den Einzug ins EU-Parlament erm\u00f6glichte, wo er jedoch vor allem durch Abwesenheit und Nichtstun gl\u00e4nzt. M\u00e9lechon geh\u00f6rt zu den heftigsten Kritikern einer marktwirtschaftlich orientierten Spar- und Reformpolitik. Er will auch aus der Nato austreten.<\/p>\n<p><strong>Schafft es Fillon in die Endauswahl, dann muss die Linke zwischen ihrem Erzfeind Le Pen und dem Anti-Gewerkschafter Fillon w\u00e4hlen. Die Linke hofft, dass das gemeinsame Feindbild \u201eFillon\u201c, das zerstrittene linke Lager von Kommunisten, Linkspartei, Trotzkisten, Gewerkschaften und Gr\u00fcnen einigen k\u00f6nnte. Sie hoffen mit Klassenkampf-Wahlpropaganda gegen Fillon doch noch ihren Kandidaten in den Schlussgang bringen zu k\u00f6nnen. Daraufhin deutet auch die Lancierung ihres Spitzenkandidaten aus dem linken Parteifl\u00fcgel, Beno\u00eet Hamon. Misslingt dieser letzte Versuch, so k\u00f6nnte es in der Stichwahl aber durchaus auch zu einer Unterst\u00fctzung von Le Pen durch einen Teil der linken W\u00e4hlerschaft kommen, so wie in den USA viele W\u00e4hler Pr\u00e4sident Trump die Stimme gegeben haben, weil sie einen Wahlsieg von Hillary Clinton verhindern wollten und nicht weil sie von Trump begeistert waren. Sowohl\u00a0 Le Pen als auch Fillion werden einen anderen Russland-Kurs einschlagen und punkto Russlandpolitik als St\u00fctze der deutschen Kanzlerin Merkel wegbrechen. <\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten <strong><u>W\u00e4hlerumfragen<\/u><\/strong> (vor der Nominierung Hamons zum PS-Spitzen-kandidaten) zeigen folgende Stimmenanteile in der ersten Runde:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab4.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1311\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab4-300x100.jpg?resize=300%2C100\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab4.jpg?resize=300%2C100&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab4.jpg?resize=768%2C256&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab4.jpg?resize=1024%2C342&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab4.jpg?w=1310&amp;ssl=1 1310w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab4.jpg?w=948&amp;ssl=1 948w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><u>Folgen f\u00fcr die Aussen- und Wirtschaftspolitik<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>Russland-Politik<\/u><\/strong>: In Bezug auf Russland zeichnet sich ein\u00a0 Kurswechsel der franz\u00f6sischen Aussenpolitik ab. Nicht nur <strong><u>Le Pen und Fillon<\/u><\/strong> geben sich russlandfreundlich, sondern auch der scheidende Pr\u00e4sident Hollande. Er war sogar der erste Regierungschef, der bereits 2016 ein Ende der Russlandsanktionen forderte. Holland hoffte, dass Putin im Gegenzug dem Westen im Kampf gegen den IS (und damit gegen den Terrorismus in Frankreich) beistehen w\u00fcrde, denn er glaubte nicht mehr an ernsthafte Hilfe aus den USA. Der Aussenseiter <strong><u>Emmanuel Macron<\/u><\/strong>, steht den Russland-Sanktionen ebenfalls skeptisch gegen\u00fcber. Er vertritt eine \u00abDeeskalationspolitik\u00bb gegen\u00fcber Russland. Er wirft der franz\u00f6sischen Regierung vor, immer auf der Seite der deutschen Scharfmacher gegen Putin zu stehen. Die <strong><u>pro-russische Haltung bzw. der Anti-Amerikanismus<\/u><\/strong> hat in Frankreich schon Tradition. Ideologisch wurde diese Haltung in den 60er-Jahren durch den Bestseller des franz\u00f6sischen Journalisten und Politikers Jean-Jacques Servan-Schreiber untermauert. In seinem Buch &#8222;Die amerikanische Herausforderung&#8220; legt er dar, dass Europa an die Amerikaner verkauft werde. Der Erfolg der Amerikaner in Europa liege nicht prim\u00e4r in einer \u00fcberlegeneren Organisation und Produktivit\u00e4t der amerikanischen Industrie, sondern in der schnellen Eroberung europ\u00e4ischer Schl\u00fcsselindustrien durch amerikanische Firmen. Er bef\u00fcrchtete damals, dass die dritte industrielle Weltmacht nach den USA und der UdSSR in 15 Jahren sehr wohl nicht Europa, sondern die &#8222;amerikanische Industrie in Europa&#8220; sein k\u00f6nnte. Was in besonders \u00e4rgerte war dabei die Tatsache, dass dieser Erfolg fast ohne eigenes Finanzengagement der Amerikaner erzielt wurde. Von den 1965 neu investierten USD 4 Mrd. amerikanischer Firmen stammten 55% aus Anleihen auf dem europ\u00e4ischen Kapitalmarkt, 35% aus Gewinnen in Europa und Subventionen durch die Staatshaushalte europ\u00e4ischer L\u00e4nder und nur 10% aus dem direkten Transfer von Dollars aus den USA. Die amerikanischen Investitionen in Europa w\u00fcrden zu\u00a0 neun Zehnteln die aus europ\u00e4ischen Finanzierungsquellen finanziert. Deshalb sei es den Amerikanern gelungen, in zukunftstr\u00e4chtigen Schl\u00fcsselindustrien eine dominierende Stellung zu erobern. 1966 hatten\u00a0 amerikanische Firmen in Europa einen Produktionsanteil von 15% bei Radio- und Fernsehempf\u00e4ngern, 50% bei Halbleitern, 80% bei elektronischen Datenverarbeitungsanlagen und 95% bei integrierten Schaltkreisen. Von dieser starken Stellung in der elektronischen Industrie aus ergeben sich weitgehende Einwirkungsm\u00f6glichkeiten auf andere Bereiche der Wirtschaft, Verwaltung und Forschung.<strong><u> M\u00e9lechon<\/u><\/strong> kritisierte anl\u00e4sslich der Krimkrise die Ukraine-Politik der USA und der EU. Das Vorhaben, die Nato-Grenze n\u00e4her an Russland zu verschieben, sei inakzeptabel. Als einziger der Pr\u00e4sidentschaftskandidaten wollte <strong><u>Manuel Valls noch Sanktionen<\/u><\/strong> gegen Russland aufrechterhalten.<\/p>\n<p>Die <strong><u>Wirtschaftsprogramme<\/u><\/strong> der im Rennen verbliebenen B\u00fcrgerlichen und Sozialisten erscheinen nicht sonderlich wirtschaftsfreundlich. Eine signifikante Verbesserung der wirtschaftlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen ist nicht in Sicht. Je nach Wahlausgang kann es sogar zu einem Alptraum f\u00fcr viele Anleger, auch Direktinvestoren, kommen. Im besten Falle kommt es zu einer weiteren leichten Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Aber wer Frankreich kennt, weiss, dass jede Reform des Arbeitsmarktes unmittelbar heftigen Widerstand der Gewerkschaften mit l\u00e4hmenden Streiks weckt. Der Staatshaushalt wird h\u00f6chstens marginal zur\u00fcckgefahren, denn Fillons angek\u00fcndigte Radikalkur d\u00fcrfte auf heftigen Widerstand stossen. Frankreich bleibt wirtschaftlich betrachtet selbst bei einem Wahlsieg von Fran\u00e7ois Fillon ein Sorgenkind.<\/p>\n<p><strong><em>Gr\u00f6bere Auswirkungen auf die Wirtschaft sind aber im Falle einer Wahl von Marine Le Pen zur Pr\u00e4sidentin zu erwarten. Ein Kurswechsel nach Art des FN w\u00fcrde sich aber ebenfalls nicht zugunsten der Kapitalanleger auswirken.\u00a0 Anl\u00e4sslich der &#8222;State of the Union&#8220; Diskussion im EU-Parlament best\u00e4tigte Marine Le Pen, dass sie im Falle einer Wahl ein Referendum in Frankreich \u00fcber einen Verblieb in der EU ansetzen werde. Damit w\u00fcrde Frankreich im Gegensatz zu Grossbritannien gleichzeitig auch den EUR verlassen m\u00fcssen. Ein Austritt Frankreichs h\u00e4tte somit f\u00fcr die Kapitalanleger weit gr\u00f6ssere Folgen als der Brexit.<\/em> <\/strong><\/p>\n<p>Dennoch sind die vermuteten Auswirkungen auf die Finanzm\u00e4rkte nicht ganz klar.\u00a0 Die <strong><u>Risikoaufschl\u00e4ge franz\u00f6sischer Bonds<\/u><\/strong> gegen\u00fcber Deutschland liegen mit\u00a0 61 BP (30.1.2017) bereits heute, im Vorfeld der Wahlen, wieder deutlich \u00fcber dem letztj\u00e4hrigen Tiefstand von 15 Basispunkten (5.9.2016) und auch \u00fcber dem langj\u00e4hrigen Mittel seit 2007. Bei einem Wahlsieg von Le Pen d\u00fcrfte die Risikopr\u00e4mie gegen\u00fcber den deutschen Bunds noch deutlicher ansteigen.\u00a0 Immerhin scheint die Bonit\u00e4t der franz\u00f6sischen Unternehmen, auch der Banken, deutlich besser zu\u00a0 sein als in Italien. Die Zinsen in Europa d\u00fcrften aber nicht nur in Frankeich, sondern europaweit ansteigen, falls Le Pen ein Referendum zum EU- oder Euro-Austritt ank\u00fcndigen w\u00fcrde. Auch viele der gemeinsamen EU-Anleihen <strong>(<u>ESM, Europ\u00e4ische Investitionsbank etc<\/u>.)<\/strong> werden wegen den unklaren Garantien im Falle eines EU-Austritt einzelner Mitgliedsl\u00e4nder zur Diskussionen Anlass geben. Wie die britischen m\u00fcssten auch die <strong><u>franz\u00f6sischen Banken<\/u> <\/strong>um einen EU-Marktzugang bangen.<\/p>\n<p><strong><u>Parlamentswahlen vom\u00a0 11. Juni 2017<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Auch in den beiden Kammern des Parlamentes halten die Sozialisten die Mehrheit. Entsprechend hoch wurden die Erwartungen nach den Wahlen 2012 angesetzt. Umso entt\u00e4uschender fiel nun aber der Leistungsnachweis der sozialistischen Regierungselite aus. Nach diesen Frustrationen mit den Sozialisten ist deshalb auch der Wahlausgang der n\u00e4chsten Parlamentswahlen, die am 11. Juni 2017 stattfinden werden, ungewiss. Auch bei den Parlamentswahlen haben die Kandidaten meistens zwei Wahlg\u00e4nge durchzustehen (11. und 18. Juni 2017). Im ersten Wahlgang m\u00fcssen die Kandidaten nicht nur das absolute Mehr, sondern auch mindestens 25% der Stimmen der im Wahlregister der Wahlbezirke verzeichneten W\u00e4hler auf sich verbuchen, um direkt gew\u00e4hlt zu sein. Am zweiten Wahlgang nehmen nur noch jene Kandidaten teil, die im ersten Durchgang mindestens 12.5% der Stimmen erzielten. Im zweiten Wahlgang reicht dann das relative Mehr f\u00fcr einen der derzeit <strong><u>577 Parlamentssitze <\/u><\/strong>aus. Von den 577 Wahlkreisen entfallen 539 auf Frankreich selbst, 27 auf die Territorien in \u00dcbersee und 11 sind f\u00fcr Ausland-Franzosen reserviert.<\/p>\n<p>Bei den letzten Wahlen (2012) erreichte die <strong><u>linksgerichtete <\/u><\/strong><strong><u>PS 29.45\u00a0% (280 Sitze = 48.5%) der Stimmen<\/u><\/strong>, auf die konservative UMP entfielen 27.1\u00a0% (194 Sitze = 33.6%) der Stimmen, die rechtsextreme Front National erhielt 13.6\u00a0% (2 Sitze = 0.34%) der Stimmen und 6.9\u00a0% (10 Sitze = 1.7%) der W\u00e4hler entschieden sich f\u00fcr die linke Front de Gauche. Der Rest verteilte sich auf verschiedene Parteien der extremen Linken (Kommunisten, Trotzkisten), die Zentristen und Gr\u00fcnen. Die Zahlen beziehen sich auf den ersten Wahlgang, bei dem 57.2 % der W\u00e4hler ihre Stimmen abgaben. Trotz des Stimmenanteils von 13.6% gelang es dem FN nur zwei Sitze in der Nationalversammlung zu erobern, weil er im ersten Wahlgang kein Direktmandat gewann und sich die anderen Parteien bei den Ausmarchungen in der zweiten Runde oft gegen den FN verb\u00fcndeten und sich gewisse Kandidaten zugunsten eines Nicht-FN-Mitbewerbers zur\u00fcckzogen, um den FN von der Regierung fernzuhalten. Der FN ist (seit der Parlamentswahl im Juni 2012) mit zwei Sitzen in der Nationalversammlung vertreten.<\/p>\n<p>Bei der <strong><u>Europawahl 2014 war der FN mit 24.86\u2009%<\/u><\/strong> der W\u00e4hlerstimmen erstmals die franz\u00f6sische Partei mit den meisten W\u00e4hlerstimmen. Sie zog mit 24 (= 33%) Abgeordneten der 72 franz\u00f6sischen Sitze ins EU-Parlament ein. Der FN k\u00f6nnte 2017 somit auch in der Nationalversammlung deutlich zulegen. Allerdings wird die FN-Fraktion im franz\u00f6sischen Parlament wohl noch keine derart signifikante Rolle spielen, dass damit eine \u00a0allf\u00e4llige Pr\u00e4sidentschaft von Marine Le Pen erleichtert w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab5.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1312\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab5-300x103.jpg?resize=300%2C103\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"103\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab5.jpg?resize=300%2C103&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab5.jpg?resize=768%2C264&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab5.jpg?resize=1024%2C352&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab5.jpg?w=1301&amp;ssl=1 1301w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Tab5.jpg?w=948&amp;ssl=1 948w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><u>Die Senats-Wahlen finden am 24. September statt<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Senatoren werden mittelbar durch etwa 150&#8217;000 Abgeordnete und Lokalpolitiker gew\u00e4hlt. Mit Wirkung vom September 2004 \u00e4nderte sich das Wahlsystem in wichtigen Punkten: Die Wahlperiode sank von 9 auf 6 Jahre. Die Senatoren werden zeitlich gestaffelt gew\u00e4hlt. Da sich der dreij\u00e4hrige Wahlrhythmus nicht \u00e4nderte, wird seit 2004 nicht ein Drittel, sondern die H\u00e4lfte der Senatoren jeweils neu gew\u00e4hlt. <strong>Am 24. September 2017 stehen 170 Senatoren-Sitze <\/strong>(von derzeit 348) zur Wahl. Die Zahl der W\u00e4hler einer Region ist dabei abh\u00e4ngig von der Bev\u00f6lkerungszahl, aber nicht proportional zu dieser. L\u00e4ndliche Regionen haben bei der Wahl im Verh\u00e4ltnis mehr Stimmen als St\u00e4dte. Senatoren sind im politischen System Frankreichs an der Gesetzgebung beteiligt, k\u00f6nnen aber im Zweifelsfall von der Nationalversammlung \u00fcberstimmt werden. Die Kontrollrechte gegen\u00fcber der Regierung sind nur schwach ausgepr\u00e4gt.\u00a0 Der Senat hat das Recht sie zu befragen und Berichte zu ver\u00f6ffentlichen, aber keine formellen Sanktionsm\u00f6glichkeiten. Aufgrund der l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten W\u00e4hlerschaft hat im Senat seit seiner Entstehung 1959 meistens aus einer b\u00fcrgerlich-konservative Mehrheit bestanden. Anfangs 2017 besetzten die Republikaner 144 der 348 Sitze, auf die Sozialisten und Kommunisten entfielen 108 bzw. 21 Sitze, die Unabh\u00e4ngigen Demokraten 30, die Gr\u00fcnen 9 und die \u00fcbrigen (darunter 2 FN) 36 Sitze. Die Linksparteien halten derzeit zusammen knapp die Mehrheit.<\/p>\n<p><strong><u>Fazit:<\/u><\/strong> <strong>Die <u>Wahlen in Frankreich<\/u> k\u00f6nnten weitreichendere Konsequenzen nach sich ziehen, als es viele derzeit noch wahrhaben wollen. Ein Wahlsieg von Marine Le Pen w\u00e4re wohl noch \u00fcberraschender als der Brexit-Entscheid der Briten. Entsprechend w\u00e4ren auch die wenigsten Anleger darauf vorbereitet, was Panikverk\u00e4ufe und grosse Verwerfungen an den Finanzm\u00e4rkten ausl\u00f6sen k\u00f6nnte. Auch wenn bei einem Wahlsieg nicht sogleich Taten folgen werden, zumal im Juni 2017 auch noch die franz\u00f6sischen Parlamentswahlen stattfinden, entst\u00e4nde eine europaweite Verunsicherung, die die Finanzm\u00e4rkte \u00fcber l\u00e4ngere Zeit belasten w\u00fcrde. Bei einem unerwarteten Sieg der Sozialisten oder von Le Pen d\u00fcrften Frankreichs Chancen einen Teil des vor dem Brexit aus London fl\u00fcchtenden Finanzgesch\u00e4ftes zu erben, schwinden. Damit r\u00fcckt Frankfurt als m\u00f6gliches neues EU-Finanzhauptzentrum in den Fokus, vorausgesetzt, dass nicht auch in Deutschland ein unerwarteter Wahlausgang resultiert.\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie in j\u00fcngster Vergangenheit vom Brexit, der Trump-Wahl etc. vordemonstriert, wirken sich politische Ereignisse vor allem auf die <u>W\u00e4hrungen<\/u> aus, denn die <u>Zinsen<\/u> werden weiterhin von den Notenbanken vorgegeben, die l\u00e4ngst nicht mehr unabh\u00e4ngig sind, sondern im Sinne der Regierenden jede Krise mit einer noch extremeren Tiefzinspolitik auszugleichen versuchen. \u00a0Da Frankreich im Gegensatz zu Grossbritannien Mitglied des Euro ist, w\u00fcrde der Euro in einer ersten Phase geschw\u00e4cht, aber nicht in gleichem Ausmass wie das Pfund im Nachgang zum Brexit absackte (-15% zum CHF), da im Euro auch Deutschland und einige andere als solide geltende L\u00e4nder beteiligt sind. Ferner muss mit einem <u>Anstieg der Risikopr\u00e4mie der franz\u00f6sischen Staatsanleihen gegen\u00fcber den deutschen Bunds und ein genereller Zinsanstieg am langen Ende<\/u> in Europa gerechnet werden. Eine R\u00fcckstufung der Bonit\u00e4t Frankreichs durch die Rating Agenturen (heute S&amp;P AA stabil, Moody&#8217;s Aa2 stabil, Fitch AA stabil) erscheint wahrscheinlich. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Wenn Frankreich und allenfalls auch noch Italien aus der EU austreten w\u00fcrde, n\u00e4hme logischerweise das Gewicht der anderen L\u00e4nder, insbesondere jenes von Deutschland von heute 20.2% (BIP-Anteil 2016) auf 23.8% (nach Brexit), bzw. auf 28.7% (nach Frexit) und sogar auf 33.9% nach dem Itexit zu. Noch folgenreicher w\u00e4ren die Auswirkungen auf die Eurozone, deren BIP heute 69% der EU ausmacht. Innerhalb der Euro-Zone, die auch f\u00fcr gewisse gemeinsame Schulden haftet und deren Mitgliedsl\u00e4nder letztlich den Wert des Euro ausmachen, bleibt der Anteil Deutschlands nach dem Brexit zwar unver\u00e4ndert bei 29.2%, nach einem Frexit w\u00fcrde er auf 36.8%, und bei einem anschliessenden Itexit sogar auf 45.7% ansteigen. Deutschland&#8217;s BIP w\u00e4re dann innerhalb der 17 verbliebenen Euro-L\u00e4nder so gross wie das addierte BIP der 15 kleinsten L\u00e4nder im Club. Die Volkswirtschaft der Eurozone w\u00fcrde bei einem Frexit um 21%, bei einem anschliessenden Itexit sogar um 36% schrumpfen. Die EU w\u00fcrde nach dem Brexit (-15%) und bei einem Austritt Frankreichs und Italiens um 30% bzw. 40% abnehmen. Im Vergleich zur USA erreicht das BIP der EU 2016 rund 92%. Nach einem Brexit l\u00e4ge es noch bei 78%, nach dem Frexit noch bei 65% und bei einem nachfolgenden Itexit sogar nur noch bei 55%. Damit w\u00e4re dann wohl auch der Traum von einem Euro als gleichwertige Weltw\u00e4hrung\u00a0 zum USD ausgetr\u00e4umt. Allerdings w\u00fcrde der hohe Anteil Deutschlands an der Euro-Zone <u>nach einem Austritt Frankreichs und Italiens wohl zu einer substanziellen Aufwertung des EUR f\u00fchren. <\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong>Brisant w\u00e4ren im Falle eines Euro-Austritt Frankreichs auch die Haftungs- und Kapitalisierungs-Verpflichtungen gegen\u00fcber dem <u>EFSF (Euro-Rettungsschirm<\/u>). Im Gegensatz zu Grossbritannien, das nicht Mitglied des Euro war,\u00a0 musste sich Frankreich gegen\u00fcber dem EFSF (Euro-Rettungsschirm) zum Einschuss von EUR 142.7 Mrd. Eigenkapital verpflichten. Davon wurden jedoch nur EUR 16.3 Mrd. effektiv einbezahlt. Gleichermassen garantiert Frankreich mit einer Quote von 21.9% bzw. f\u00fcr 158.5 Mrd. f\u00fcr den EFSF. Ende 2015 lag die Bilanzsumme des EFSF bei rund EUR 778 Mrd. Sie hatte Anleihen in H\u00f6he von EUR 72 Mrd. ausstehende. Wie sich Frankreich aus diesen Verpflichtungen loskaufen k\u00f6nnte, ist unklar und vor allem w\u00fcrde der EFSF bonit\u00e4tsm\u00e4ssig geschw\u00e4cht. Der nichteinbezahlte Betrag von EUR 126.4 Mrd. entspricht 5.8% der heutigen Staatsschulden und falls dieses Geld f\u00fcr den Einschuss am Kapitalmarkt beschafft werden m\u00fcsste, w\u00fcrde sich die Staatsverschuldung 2016 von 97.2% auf 102.8% erh\u00f6hen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>An der <u>EIB (Europ\u00e4ische Investitionsbank)<\/u> ist Frankreich mit 16.11% beteiligt. Die EIB hatte Mitte 2016 bei einer Bilanzsumme von EUR 580 Mrd. Anleihen in H\u00f6he von EUR 494 Mrd. ausstehend. Frankreich bezieht aber auch Kredite von der EIB. Ein Ausscheiden Frankreichs aus der EIB w\u00fcrde somit auf der Aktiven- als auch auf der Passivenseite der Bilanz Fragen aufwerfen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Grossverluste m\u00fcssten wohl die EZB, aber auch die SNB hinnehmen, wenn die EUR-Bonds Frankreichs in FF-Bonds umgewandelt w\u00fcrden und der FF voraussichtlich abwerten und die Zinsen gleichzeitig ansteigen w\u00fcrden. Ein bedeutender Teil der von der SNB gehaltenen EUR-W\u00e4hrungsreserven (Gegenwert CHF 280 Mrd.) d\u00fcrfte wohl auch in franz\u00f6sischen Zinspapieren stecken. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der franz\u00f6sische <u>Immobilienmarkt <\/u>hat in den letzten Jahren keinen R\u00fcckschlag erlitten, wie dies in einigen anderen s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern der Fall war. Der Markt gilt daher eher als \u00fcberbewertet. Ein R\u00fcckzug von Immobilienfonds und anderen Anlegern k\u00f6nnten einen Immobiliencrash ausl\u00f6sen. Eine weitere Euro-Krise mit Massenflucht in den CHF k\u00f6nnte f\u00fcr Schweizer Anleger und Banken bedeuten, dass die SNB den <u>Negativzins auf CHF-Cash von heute 0.75% vorerst auf 1.25%<\/u> und sp\u00e4ter allenfalls noch weiter erh\u00f6hen wird. Gleichzeitig wird im Zuge des Brexit und weil zu wenig repr\u00e4sentative Marktteilnehmer noch Kurse stellen, auch die <u>Weiterexistenz des Libors<\/u> infrage gestellt. Viele Hypotheken und andere Vertr\u00e4ge basieren jedoch auf Libor-Plus-Zinss\u00e4tzen. Der Wahlausgang in Frankreich k\u00f6nnte somit Schweizer Anleger indirekt noch st\u00e4rker treffen als die Franzosen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein Euro-Ausstieg Frankreichs w\u00fcrde in Europa zu einem finanziellen Chaos f\u00fchren. Eine eigene franz\u00f6sische W\u00e4hrung w\u00fcrde wohl gegen\u00fcber dem EUR massiv abwerten und entweder zu einer Erh\u00f6hung der Staatsschulden f\u00fchren, die von ausl\u00e4ndischen Anlegern gehalten werden oder zu einer Umwandlung dieser Schulden in FF f\u00fchren, wie dies Marine Le Pen ank\u00fcndigte. Panikverk\u00e4ufe von Anleihen franz\u00f6sischer Schuldner durch ausl\u00e4ndische Anleger k\u00f6nnten zu massiven Verwerfungen an der Zinsfront f\u00fchren, denn ein Euro-Austritt wiegt viel schwerer als ein EU-Austritt eines Landes, das sich in der eigenen Landesw\u00e4hrung verschuldet hat. \u00a0Ein massiver Zinsanstieg in Frankreich w\u00e4re wohl die Folge davon.\u00a0\u00a0 Wie repr\u00e4sentativ ein EUR-Libor ohne die Teilnahme franz\u00f6sischer Banken noch w\u00e4re, ist ungekl\u00e4rt. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wirken sich die Wahlen negativ auf das Gesch\u00e4ftsklima in Europa aus, weil sie auch als schlechtes Omen f\u00fcr die Wahlen in Deutschland interpretiert werden, muss mit einem vorzeitigen Abbruch der sich abzeichnenden Konjunkturbeschleunigung gerechnet werden. Davon w\u00fcrden letztlich auch die Unternehmensgewinne und die <u>Aktienm\u00e4rkte<\/u> zu leiden haben. Frankreichs Anteil am MSCI-Weltindex (ACWI) betr\u00e4gt 3.8%, gemessen am Welt-Index der Industriel\u00e4nder 4.4%, am MSCI-Europaindex des Westens 17.3%. Wer in Europa-Indexfonds anlegt, muss sich bewusst sein, dass der Wahlgang in Frankreich auch solche Indexfonds signifikante treffen k\u00f6nnte. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>_______<\/p>\n<p>Hans Kaufmann ist seit der Gr\u00fcndung Verwaltungsratspr\u00e4sident der Kaufmann Research AG. Neben seiner beruflichen T\u00e4tigkeit f\u00fcr Kaufmann Research \u00fcbt Hans Kaufmann verschiedene Beratungs- und Verwaltungsratsmandate, insbesondere im Pensionskassenbereich, aus. Zuvor war er Direktor und Chef\u00f6konom der Bank Julius B\u00e4r, verantwortlich f\u00fcr die Anlagestrategie Schweiz. Von 1986 bis 1997 leitete er die Abteilung Aktienanalyse Gesellschaften Schweiz. Seine berufliche Ausbildung erg\u00e4nzte er durch Eins\u00e4tze bei verschiedenen New Yorker Brokern wie Goldman Sachs, Salomon Brothers und Kidder, Peabody &amp; Co. 1980 trat er bei der Bank Julius B\u00e4r ein, nachdem er seit 1974 als Finanzanalyst bei der Z\u00fcrcher Kantonalbank t\u00e4tig gewesen war. Hans Kaufmann begann seine Karriere 1973 als Goldminenanalyst in Johannesburg. Er verf\u00fcgt \u00fcber ein Lizenziat der Universit\u00e4t Z\u00fcrich (lic. oec. publ). 2011 wurde er in den Bankrat der Z\u00fcrcher Kantonalbank gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Als Vertreter der Schweizerischen Volkspartei (SVP) des Kantons Z\u00fcrich war Hans Kaufmann von 1999-2014 Mitglied des Nationalrats.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem \u00fcberraschenden Wahlsieg von Donald Trump und den bitteren Erfahrungen der Politelite mit der Brexit-Abstimmung und dem Referendum in Italien fragen sich viele Anleger, welches die n\u00e4chsten politischen Tretminen sein k\u00f6nnten. Kommt es sogar zu einem Triple- oder Vierer-Paket? &#8211; Ein Gastbeitrag von Wirtschaftsberater und alt Nationalrat Hans Kaufmann<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1322,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":true,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[4,14,5],"tags":[479,490,487,421,333,483,482,488,38,267,243,478,476,486,157,103,477,105,484,480,489,475,107,223,481,491,485,163,55,379],"class_list":["post-1298","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-eu","category-ordnungspolitik","category-staat-und-demokratie","tag-afrika","tag-arnoud-montebourg","tag-benoit-hamon","tag-brexit","tag-donald-trump","tag-dow-jones","tag-elite","tag-emmanuel-macron","tag-eu","tag-euro","tag-europa","tag-finnland","tag-fluechtlingskrise","tag-francois-fillon","tag-francois-hollande","tag-frankreich","tag-front-national","tag-griechenland","tag-immigration","tag-iwf","tag-jean-luc-melenchon","tag-le-pen","tag-maastricht","tag-merkel","tag-msm","tag-russland","tag-terrorismus","tag-umverteilung","tag-usa","tag-wirtschaft"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/FR-Le-pen.jpg?fit=705%2C375&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p6ORi5-kW","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1298"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1321,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1298\/revisions\/1321"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}