{"id":135,"date":"2010-01-09T12:30:50","date_gmt":"2010-01-09T11:30:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.zanetti.ch\/?p=135"},"modified":"2010-01-09T12:30:50","modified_gmt":"2010-01-09T11:30:50","slug":"mit-der-axt-gegen-die-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=135","title":{"rendered":"Mit der Axt gegen die Freiheit"},"content":{"rendered":"<p>Selbst wenn Sie nicht den ganzen Film gesehen haben, diese Szene aus dem Horror-Klassiker \u201eShining\u201c kennen Sie bestimmt: Als verr\u00fcckt gewordener Winter-Hausmeister eines abgelegenen Hotels schl\u00e4gt Jack Nicholson mit einer Axt die T\u00fcr zu einem Zimmer ein, in das sich seine Frau und sein Sohn in Todesangst vor ihm gefl\u00fcchtet haben.<\/p>\n<p>Eine fast identische Szene ereignete sich vor wenigen Tagen in D\u00e4nemark: Ein ebenfalls mit Axt und Messer bewaffneter 28 Jahre alter Somalier drang in das Haus des d\u00e4nischen Karikaturisten Kurt Westergaard ein und versuchte, den 74-j\u00e4hrigen vor den Augen seiner f\u00fcnfj\u00e4hrigen Enkelin zu erschlagen. Erst die Polizei vermochte den Eindringling durch Sch\u00fcsse ins Bein zu stoppen. Grund: Nach fast f\u00fcnf Jahren hat der gl\u00fchende Anh\u00e4nger der Friedensreligion Islam noch immer nicht verwunden, dass Westergaard den Propheten Mohammed mit einer Bombe im Turban karikiert hatte.<\/p>\n<p>Die meisten Medien hierzulande beschr\u00e4nkten sich dazu auf Kurzmeldungen. Auf die einzig richtige Reaktion \u2013 den Nachdruck der Karikaturen \u2013 wurde fast durchwegs verzichtet. Und nirgends war zu lesen, dass nichts, aber auch gar nichts, einen Mord rechtfertigt. Im Tages-Anzeiger schw\u00e4rmte Daniel Wehrle von der neuen d\u00e4nischen Regierung, die die Zuwanderer aus dem \u201enicht-westlichen Ausland\u201c ausdr\u00fccklich als Bereicherung begr\u00fcsst. In der NZZ insinuierte Aldo Keel gar ein Eigenverschulden der D\u00e4nen, schliesslich habe sich irgendein Buchautor in einem Interview provokativ ge\u00e4ussert. Und in der S\u00fcdostschweiz legte Steffen Klatt Wert auf die Feststellung, dass sich Muslime in der Regel untereinander umbringen und dies vorwiegend in ihren Herkunftsl\u00e4ndern. Der Anschlag gegen Westergaard stelle darum eine Ausnahme dar, der man nicht allzu viel Bedeutung beimessen soll. Viel wichtiger sei stattdessen, dass sich \u201eder Westen\u201c aus Afghanistan zur\u00fcckziehe und einen \u201eDialog der Kulturen\u201c pflege.<\/p>\n<p>Dialog? Wor\u00fcber bitte soll denn geredet werden? Wo sind \u00fcberhaupt Kompromisse m\u00f6glich? Nichts gegen die \u00dcbernahme von Neuem. Doch das Neue muss besser sein als das Alte. Und welches sind die islamischen Errungenschaften, durch die sich unser Leben substantiell verbessern liesse? Ist Scharia-Recht unserem Recht \u00fcberlegen? Was soll f\u00fcr uns alle besser werden, wenn Religionsvertreter mehr Einfluss auf das \u00f6ffentliche Leben erhalten? Warum sollen wir Freiheiten aufgeben, von denen wir jeden Tag profitieren? W\u00e4re es etwa ein Fortschritt, wenn jeder nach Belieben zwar noch den Papst und die katholische Kirche beschimpfen darf, man aber seines Lebens nicht mehr sicher ist, wenn man \u00fcber Mohammed witzelt?<\/p>\n<p>Niemand muss Westergaards Karikatur gut finden. Ich kann sogar nachvollziehen, wenn sich Muslime ihretwegen in ihrem religi\u00f6sen Empfinden verletzt f\u00fchlen. Na und? Wenn sich eine Popg\u00f6re zu PR-Zwecken ans Kreuz befestigen l\u00e4sst, wenn Viktor Giacobbo st\u00e4ndig gegen das Papst- und das M\u00f6nchstum polemisiert, oder wenn in so genannt \u201eoffenen\u201c Kirchen pornographische Filme aufgef\u00fchrt werden, dann verletzt das meine religi\u00f6sen Gef\u00fchle ebenfalls. Doch ich muss das angesichts des verfassungsm\u00e4ssigen Rechts auf freie Meinungs\u00e4usserung tolerieren. Und genau so m\u00fcssen sich auch Muslime Kritik an ihrer Religion und an Mohammed gefallen lassen.<\/p>\n<p>Wenn nun bisweilen suggeriert wird, zwischen der Meinungsfreiheit und der Verletzung religi\u00f6ser Gef\u00fchle bestehe eine feine Linie, die man nicht \u00fcberschreiten d\u00fcrfe, dann ist das eben kein Bekenntnis zur Meinungsfreiheit \u2013 sondern ein Versuch, diese einzuschr\u00e4nken. Und dem ist von jedem, dem Freiheit etwas bedeutet, mit Entschiedenheit entgegenzutreten.<\/p>\n<p>_____<\/p>\n<p>Erschienen in der Berner Zeitung vom\u00a0 9. Januar 2010<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst wenn Sie nicht den ganzen Film gesehen haben, diese Szene aus dem Horror-Klassiker \u201eShining\u201c kennen Sie bestimmt: Als verr\u00fcckt gewordener Winter-Hausmeister eines abgelegenen Hotels schl\u00e4gt Jack Nicholson mit einer Axt die T\u00fcr zu einem Zimmer ein, in das sich seine Frau und sein Sohn in Todesangst vor ihm gefl\u00fcchtet haben. 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