{"id":1546,"date":"2018-02-14T08:28:46","date_gmt":"2018-02-14T07:28:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=1546"},"modified":"2018-02-14T08:28:46","modified_gmt":"2018-02-14T07:28:46","slug":"wenn-jemand-die-schweiz-isoliert-dann-das-bundesgericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=1546","title":{"rendered":"Wenn jemand die Schweiz isoliert, dann das Bundesgericht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Bundesgericht &#8211; genauer einige seiner Richter &#8211; bezeichnen Schweizer Recht <\/strong><strong>als <\/strong><strong>generell nachrangig gegen\u00fcber so genanntem V\u00f6lkerrecht. Jede subalterne Vereinbarung irgendewelcher nicht gew\u00e4hler internationaler Funktion\u00e4re soll sogar \u00fcber unserer von Volk und St\u00e4nden beschlossenen Bundesverfassung stehen. Das macht kein anderes Land mit entwickelter Rechtstradition so.<br \/>\n<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit dem k\u00fcrzlich vom britischen Unterhaus beschlossenen \u201eBrexit-Gesetz\u201c posaunte Newsnet, das zahlreiche Online-Plattformen von Medienh\u00e4usern mit \u201eNews\u201c oder dem, was sie daf\u00fcr halten, versorgt, in die Welt hinaus: \u201eEU-Recht nicht mehr vor nationalem Recht\u201c. Nur, was das Herz eines jeden auf Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit bedachten Schweizers h\u00f6her schlagen l\u00e4sst, stimmt so nicht: Auf die Idee, EU-Recht \u2013 oder ganz generell: so genanntes \u201eV\u00f6lkerrecht\u201c \u2013 \u00fcber das nationale Recht zu stellen, ist eine so stolze Nation, wie die britische, gar nie erst gekommen.<\/p>\n<p>Richter mit Untertanengesinnung, die das eigene Land der Willk\u00fcr Dritter unterwerfen wollen, (was nach unserem Zivilrecht als sittenwidrig und damit als nichtig betrachtet w\u00fcrde), h\u00e4tten in jedem normalen Land der Welt einen schweren Stand. Nicht einmal die EU selbst, vor der sich einige Bundesrichter in den Staub werfen, akzeptiert blind, was das Etikett \u201eV\u00f6lkerrecht\u201c tr\u00e4gt. So untersagte der EU-Gerichtshof den Beitritt zur Menschenrechtskonvention (EMRK), weil er nicht daran denkt, Kompetenzen abzugeben. Der EuGH akzeptiert also keine fremden Richter.<\/p>\n<p>Die Schweiz wird als treuer Vertragspartner weltweit gesch\u00e4tzt. Ihre Vertragstreue steht ausser Zweifel. Als souver\u00e4ner Staat m\u00fcssen wir jedoch auf unserem Recht beharren, weiterhin eigene Wege beschreiten zu k\u00f6nnen. Im so genannten \u201eSchubert-Urteil\u201c vom 2.\u00a0M\u00e4rz\u00a01973 sprach sich das Bundesgericht zwar f\u00fcr einen grunds\u00e4tzlichen Vorrang des V\u00f6lkerrechts aus, stellte dabei aber folgenden Grundsatz auf: Besteht zwischen einem (\u00e4lteren) Staatsvertrag und einem (j\u00fcngeren) Bundesgesetz ein Widerspruch, so ist das Bundesgericht ausnahmsweise an das Bundesgesetz gebunden, wenn der Gesetzgeber beim Erlass des Bundesgesetzes bewusst in Kauf genommen hat, dass das von ihm erlassene Landesrecht dem V\u00f6lkerrecht widerspricht. Das muss nat\u00fcrlich erst recht f\u00fcr Volksinitiativen gelten. Leider brach das Bundesgericht 2012 mit der Schubert-Praxis und ist nun der Auffassung, dass die Schweizerische Bundesverfassung im Besonderen und unser Landesrecht im Allgemeinen dem so genannten V\u00f6lkerrecht generell untergeordnet sei.<\/p>\n<p><strong>Deutschland bekr\u00e4ftigt Schweizer Schubert-Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Haltung steht die Schweiz aber alleine auf weiter Flur. Auch Deutschland \u00fcbernimmt nicht einfach automatisch alles, was aus Br\u00fcssel kommt. Es ist sogar eine der wichtigsten Aufgaben des Verfassungsgerichts, die Wahrung der Souver\u00e4nit\u00e4t zu garantieren. Gerade k\u00fcrzlich hat es in \u201eLeits\u00e4tzen zum Beschluss des Zweiten Senats vom 15. Dezember 2015\u201c klargestellt, \u201edass v\u00f6lkerrechtlichen Vertr\u00e4gen, [\u2026] innerstaatlich der Rang eines einfachen (Bundes-)<br \/>\nGesetzes zukommt. Und weiter f\u00fchrt das Gericht aus: \u201eSp\u00e4tere Gesetzgeber m\u00fcssen \u2013 entsprechend dem durch die Wahl zum Ausdruck gebrachten Willen des Volkes \u2013 innerhalb der vom Grundgesetz vorgegebenen Grenzen Rechtsetzungsakte fr\u00fcherer Gesetzgeber revidieren k\u00f6nnen.\u201c Ein Staat, der mit einem anderen Staat oder mit mehreren Staaten einen Vertrag eingeht, verzichtet damit nicht auf seine Souver\u00e4nit\u00e4t. Die Karlsruher Richter widersprechen damit klar dem Rechtsverst\u00e4ndnis unseres Bundesgerichts.<\/p>\n<p>Gewiss: Vertr\u00e4ge sind einzuhalten. Wer einen Vertrag eingeht, schr\u00e4nkt sich in gewisser Weise \u2013 freiwillig und in vollem Bewusstsein der Konsequenzen \u2013 in seinen eigenen Rechten ein. Das ist das Normalste auf der Welt. Ebenso selbstverst\u00e4ndlich ist, dass die Verletzung vertraglicher Vereinbarungen Folgen hat. Vertragstreue ist eine Frage der Ehre. Doch es gibt auch F\u00e4lle, in denen es ehrlos w\u00e4re, einen Vertrag nicht zu \u00e4ndern oder zu k\u00fcndigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesgericht &#8211; genauer einige seiner Richter &#8211; bezeichnen Schweizer Recht als generell nachrangig gegen\u00fcber so genanntem V\u00f6lkerrecht. Jede subalterne Vereinbarung irgendewelcher nicht gew\u00e4hler internationaler Funktion\u00e4re soll sogar \u00fcber unserer von Volk und St\u00e4nden beschlossenen Bundesverfassung stehen. 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