{"id":216,"date":"2010-05-28T23:08:58","date_gmt":"2010-05-28T22:08:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.zanetti.ch\/?p=216"},"modified":"2010-05-28T23:08:58","modified_gmt":"2010-05-28T22:08:58","slug":"es-lebe-der-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=216","title":{"rendered":"Es lebe der Kapitalismus!"},"content":{"rendered":"<p>Der Kapitalismus soll tot sein? Mumpitz! Niemand k\u00e4me auf die Idee, die Gravitation wegen Versagens f\u00fcr tot zu erkl\u00e4ren, weil hin und wieder ein Flugzeug abst\u00fcrzt. Wenn Banken oder Staaten pleite gehen, ist das nicht die Schuld des Kapitalismus, sondern jene der betreffenden Banken und Staaten. Es zeichnet den Kapitalismus sogar aus, dass er Fehlleistungen aufzeigt und schonungslos bestraft \u2013 wenn auch manchmal mit grosser Verz\u00f6gerung. Kapitalismus ist ein Zustand. Wie das Wetter. Man mag sich dar\u00fcber freuen oder \u00e4rgern. Es bringt nichts, dagegen zu sein. Man hat sich damit abzufinden. Er entspricht der Natur des Menschen.<\/p>\n<p>Nichts in der Geschichte der Menschheit war desastr\u00f6ser und kostete mehr Menschenleben als der Versuch, den Kapitalismus zu \u00fcberwinden. Diese Tatsache hindert unsere hiesigen Genossinnen und Genossen allerdings nicht daran, auch in ihrem neusten Parteiprogramm genau das zu fordern. Immerhin erkl\u00e4rten sie das Anliegen mittlerweile nur noch zu einem \u201eFernziel\u201c. Denn auch sie wissen, dass der Sozialstaat bereits nach kurzer Zeit die Bilanz deponieren m\u00fcsste, sollten sie ihr \u201eFernziel\u201c erreichen. Selbst wenn es wahr sein sollte, dass der Kapitalismus am Abgrund steht. So ist immerhin festzuhalten, dass der Sozialismus in dieser Hinsicht ein Schritt weiter ist. Schauen Sie nur auf die aktuelle Schuldenkrise in Europa: Schulden sind nicht Ausdruck eines \u00fcberbordenden Kapitalismus, sondern das was vom Sozialismus zur\u00fcck bleibt. Je sozialistischer ein Land \u00fcber Jahrzehnte hinweg \u2013 egal von welcher Partei \u2013 gef\u00fchrt wurde, umso schlechter steht es heute da. Allen voran Griechenland, dessen Politiker es als ihre wichtigste Aufgabe betrachteten, das stetig wachsende Heer der Beamten zu h\u00e4tscheln. Nichts, von dem was der VPOD hierzulande bloss fordert, blieb dort unerf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Worin soll das angebliche Versagen des Kapitalismus denn eigentlich bestehen? Haben heute nicht mehr Menschen als je zuvor in der Geschichte Zugang zu Nahrung und Bildung? Hat die Menschheit im Kampf gegen Krankheiten und Armut etwa nicht gewaltige Fortschritte gemacht? Woher kommt also dieser Ruf nach mehr Reglementierung und staatlicher Kontrolle \u00fcber unser Leben? Gerechtfertigt ist dieses Vertrauen in den Staat jedenfalls nicht. W\u00e4ren Moritz Leuenberger und seine Beamten seinerzeit ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollaufgabe nachgekommen, h\u00e4tten wir heute noch eine Swissair. Auch gab es schon lange vor der, durch eine verfehlte staatliche Wohneigentumsf\u00f6rderungs- und Bodenpolitik verursachten, Subprime-Krise eine staatliche Bankenaufsicht. Dass diese komplett versagt hat, steht ausser Frage. Oder wie steht es um die \u2013 angeblich bessere weil staatliche \u2013 Aufsicht \u00fcber die \u00d6lbohrungen vor der US-K\u00fcste? Die Kontrollen liefen nicht nur wie geschmiert, die beh\u00f6rdlichen Kontrolleure waren tats\u00e4chlich geschmiert. Jede Vorschrift zu mehr staatlicher Kontrolle birgt in sich den Samen der Korruption. Gewonnen ist so nichts.<\/p>\n<p>Die Vorteile des Kapitalismus \u00fcberwiegen seine Nachteile bei weitem. Wenn etwas der Menschheit Fortschritt und Wohlstand gebracht hat, dann ist das der Schutz des privaten Eigentums \u2013 durch den Staat. Das ist die Basis des Kapitalismus: Das Recht, sein Verm\u00f6gen zu mehren, und sein Eigentum gegen Dritte zu verteidigen, ist Grundlage jeglichen wirtschaftlichen Fortschritts. Doch zu diesem Recht geh\u00f6rt die Pflicht, Verantwortung zu tragen. Denn nur wer weiss, dass er zur Verantwortung gezogen werden kann und wird, handelt verantwortlich. Und genau hier liegt das Problem, mit dem wir gegenw\u00e4rtig zu k\u00e4mpfen haben. Warum h\u00e4tten sich die UBS-Banker verantwortungsbewusst verhalten sollen? Sie wussten, dass sie zu gross sind, um fallengelassen zu werden, wie es \u2013 den Regeln des Kapitalismus folgend \u2013 eigentlich richtig gewesen w\u00e4re. Sie wussten: Geht\u2019s gut, gibt\u2019s Boni. Geht\u2019s schlecht, gibt\u2019s die Eidgenossenschaft \u2013 und die Boni. Zumindest in dieser Hinsicht war ihre Lagebeurteilung absolut richtig. Warum soll ein staatlicher Kontrolleur seiner Aufsichtspflicht gewissenhaft nachkommen, wenn er weiss, dass die Qualit\u00e4t seiner Arbeit keinen Einfluss auf sein Gehalt hat? Warum sollen Beamte besonders gewissenhafte Menschen sein, nachdem man sie mit Aufhebung der pers\u00f6nlichen Beamtenhaftpflicht bewusst aus der Verantwortung entlassen hat? Wenn Verantwortung nicht wahr genommen werden muss, kann Kapitalismus nicht funktionieren. Ergo m\u00fcssen Entscheidungskompetenz und Haftung, bzw. Verantwortung wieder zusammengef\u00fchrt werden. Das ist alles, was es braucht f\u00fcr den Beweis, dass Totgesagte l\u00e4nger leben.<br \/>\n______<br \/>\nErschienen in der Berner Zeitung vom 29. Mai 2010.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kapitalismus soll tot sein? Mumpitz! Niemand k\u00e4me auf die Idee, die Gravitation wegen Versagens f\u00fcr tot zu erkl\u00e4ren, weil hin und wieder ein Flugzeug abst\u00fcrzt. 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