{"id":298,"date":"2012-11-08T11:33:17","date_gmt":"2012-11-08T10:33:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=298"},"modified":"2012-11-08T11:33:17","modified_gmt":"2012-11-08T10:33:17","slug":"oops-%e2%80%93-i-did-it-again","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=298","title":{"rendered":"&#8222;Oops! \u2013 I Did It Again&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Ja, ich hab\u2019s wieder getan. Es war zwar ein Versehen, aber ich habe k\u00fcrzlich tats\u00e4chlich ungef\u00e4hr eine Viertelstunde lang zwangsgeb\u00fchrenfinanziertes Staatsfernsehen angeschaut. Eine Entschuldigung daf\u00fcr habe ich allerdings: Wenn ich bei meinem Fernsehger\u00e4t bei den hohen Nummern weiterzappe, kommt pl\u00f6tzlich wieder die Eins. Und dort lief gerade \u201eSchweiz aktuell\u201c. Genauer: ein Beitrag \u00fcber die Entlassungen bei Lonza. Und wie es sich f\u00fcr Qualit\u00e4tsjournalisten, die Roger de Weck entgegenarbeiten wollen, geh\u00f6rt, wird die Folgerung gleich frei Haus geliefert: \u201eEin Mitgrund f\u00fcr den geplanten Stellenabbau bei Lonza ist ein Entscheid der damaligen Grossaktion\u00e4re Martin Ebner und Christoph Blocher.\u201c Vorsorglich wird darauf verwiesen, dass dies auch die aktuelle Unternehmensf\u00fchrung so sehe.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich praktisch. Man kann die eigene Verantwortung abschieben im Wissen, dass ihnen kein Journalist deswegen eine kritische Frage stellen wird. Etwa: \u201eHaben Sie in den letzten zehn Jahren nicht gemerkt, dass ihnen steigende Strompreise gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen?\u201c oder \u201ewo blieben ihre Einw\u00e4nde vor zehn Jahren?\u201c oder \u201ewas wurde aus den f\u00fcnfhundert Millionen Franken Erl\u00f6s aus dem Verkauf der Elektrizit\u00e4tswerke, wurden diese intelligent investiert?\u201c oder ganz einfach \u201ekommt Ihnen das nicht gar billig vor, die Schuld auf andere abzuschieben?\u201c<\/p>\n<p><strong>Sprachrohr der Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>Solche Fragen stellt einer vom Leutschenbach nat\u00fcrlich nicht. Die M\u00f6glichkeit, Christoph Blocher anzuschw\u00e4rzen, l\u00e4sst sich dort keiner entgehen. Diese Strategie funktionierte bei Philipp Hildebrand pr\u00e4chtig, warum sollte sie bei Lonza nicht funktionieren? Fakten interessieren da nicht. Einen nachvollziehbaren Kausalzusammenhang bleibt man den Zuschauern schuldig. Stattdessen gibt\u2019s gewerkschaftliche Mutmassungen. Und in diesem Zusammenhang wird nat\u00fcrlich nicht erw\u00e4hnt, dass Peter Bodenmann genau mit diesen Gewerkschaften in Ems vor Christoph Blochers Werk demonstrierte und zu Unrecht behauptete, die Lonza bezahle bessere L\u00f6hne.<\/p>\n<p>Es folgten die \u201eSchweiz aktuell\u201c-Nachrichten. Dort erf\u00e4hrt der geneigte Zuschauer, dass die Wettbewerbskommission (Weko) Absprachen zwischen Bauunternehmen untersucht. Dass in einem der beschuldigten Unternehmen ein gewisser Moritz Leuenberger im Verwaltungsrat sitzt, wird vom links-aussen-Journalist Christian Lipp selbstredend verschwiegen. Ebenso, dass das Unternehmen auch in anderen Kantonen in \u00e4hnliche Verfahren verwickelt ist. Stattdessen wird ein Verteidigungswall aufgebaut: Es handle sich nur um ein Tochterunternehmen der Implenia, und \u201ees gelte f\u00fcr alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.<\/p>\n<p><strong>Linke Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Es folgt ein Gesellenst\u00fcck politischer Propaganda. Schliesslich stehen in Bern Wahlen an, und man will sich nicht dem Vorwurf aussetzten, man habe nicht alles zur Unterst\u00fctzung des sozialdemokratischen Amtsinhabers getan. Obwohl er sonst wohl kaum Kandidat w\u00e4re, fragte Sabine Gorg\u00e9: \u201eHaben Sie nicht das Gef\u00fchl, dass es nach acht Jahren Zeit w\u00e4re f\u00fcr eine neue Person?\u201c. Wow! Das war kritisch! Erw\u00e4hnt wird, dass Alexander Tsch\u00e4pp\u00e4t im Nationalrat h\u00e4ufig fehlt und vermutlich im Supp ein Spottlied auf Christoph Blocher (schon wieder?) gesungen habe. Das habe am meisten zu reden gegeben. Dass Tsch\u00e4pp\u00e4t ein \u00fcbler Chauvinist und Kollateralprofiteuer st\u00e4dtischer Bauprojekte ist, h\u00e4lt man unter Genossen nat\u00fcrlich unter dem Deckel.<\/p>\n<p>Immerhin erfahren die Zuschauer, dass es auch noch andere Kandidaten gibt. Die sind im Ank\u00fcndigungstext zur Sendung selbstverst\u00e4ndlich nicht namentlich erw\u00e4hnt. Diese Ehre wird nur dem Genossen zuteil. Und alleine schon anhand der Aufnahmetechnik erfahren sie auch, die Sympathien von Frau Gorg\u00e9 eindeutig nicht bei ihnen liegen. Der freisinnige Kandidat Alexandre Schmidt, Direktor der eidgen\u00f6ssischen Alkoholverwaltung, darf sich mit abgeschnittener Stirn im hart wirkenden Scheinwerferlicht zu einem Hochhaus und zur Auslagerung der Verwaltung \u00e4ussern. Ferner muss er sich gegen den Vorwurf \u00e4ussern, er sei politisch unerfahren.<\/p>\n<p>Rasch abgehandelt ist der Kandidat der SVP Beat Schori. Man erf\u00e4hrt schlicht und einfach nichts, \u00fcber den beruflichen Werdegang des Mannes. Daf\u00fcr wird hervorgehoben, er sei bereits zweimal erfolglos angetreten und habe vor zwei Jahren eigentlich seinen R\u00fcckzug aus der Politik erkl\u00e4rt. Dann darf er unter den gleichen Verh\u00e4ltnissen wie sein freisinniger Konkurrent sagen, dass er sich eine gute Wirtschaft w\u00fcnscht.<\/p>\n<p><strong>Der Experte bezieht Stellung<\/strong><\/p>\n<p>Um wenigstens den Schein der Unbefangenheit zu waren, geht\u2019s dann zum Politologen, der zwar weiss wie\u2019s geht, aber nicht kann. Bei Adrian Vatter, so die besorgt t\u00f6nende Journalistin, komme die Strategie der B\u00fcrgerlichen, Alexander Tsch\u00e4pp\u00e4t gleich mit zwei Kandidaten aus dem Amt dr\u00e4ngen zu wollen, gar nicht gut an. Na und? Bereits die Formulierung, etwas komme bei jemandem gar nicht gut an, ist Ausdruck f\u00fcr eine inhaltliche Aversion. Dass sich Stimmen politischer Lager bei Mehrfachkandidaturen aufheben k\u00f6nnen, liegt auf der Hand. Daf\u00fcr braucht es weder Politologen noch Experten. Wer eine politisch unbefangene Expertenmeinung w\u00fcnscht, ist bei Adrian Vatter definitiv an der falschen Adresse. Das macht eine kurze Google-Recherche rasch klar. Dass sich die SF-Journalistin trotzdem an ihn wandte, kann ich mir nur damit erkl\u00e4ren, dass Regula St\u00e4mpfli gerade unabk\u00f6mmlich war.<\/p>\n<p>Es folgten zwei Beitr\u00e4ge \u00fcber einen Kirchenbrand in Valens und Japaner, die sich von Schweizer B\u00e4ckern in die Kunst des Zopfbacken einf\u00fchren lassen. Die waren ganz gut. Die Themen boten halt keinen Anhaltspunkt f\u00fcr politische Stimmungsmache.<\/p>\n<p>Mein Bedarf an \u201eSchweizer Fernsehen\u201c ist nun wieder f\u00fcr lange Zeit gedeckt. Ich erwarte nun von der SVP eine Initiative, wonach man sich von der neuen Mediensteuer befreien kann, indem man schriftlich erkl\u00e4rt, auf den Konsum von SRF-Produkten zu verzichten.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, ich hab\u2019s wieder getan. Es war zwar ein Versehen, aber ich habe k\u00fcrzlich tats\u00e4chlich ungef\u00e4hr eine Viertelstunde lang zwangsgeb\u00fchrenfinanziertes Staatsfernsehen angeschaut. Eine Entschuldigung daf\u00fcr habe ich allerdings: Wenn ich bei meinem Fernsehger\u00e4t bei den hohen Nummern weiterzappe, kommt pl\u00f6tzlich wieder die Eins. Und dort lief gerade \u201eSchweiz aktuell\u201c. 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