{"id":309,"date":"2013-11-28T15:02:46","date_gmt":"2013-11-28T14:02:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=309"},"modified":"2024-01-17T09:55:45","modified_gmt":"2024-01-17T08:55:45","slug":"%e2%80%9ecarlos%e2%80%9c-ist-nicht-das-problem-sondern-ein-symptom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=309","title":{"rendered":"\u201eCarlos\u201c ist nicht das Problem, sondern ein Symptom"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind also schon soweit, dass jemand als Opfer einer Medien-Stampede strafversch\u00e4rfend ins Gef\u00e4ngnis gesteckt wird. Angeblich zum eigenen Schutz. Kaum jemand, der sich \u201ekritischer Journalist\u201c nennt, erhebt dagegen die Stimme, wenn ein Regierungsrat genau dies unumwunden zu Protokoll gibt. Nicht einmal die Verweigerung des rechtlichen Geh\u00f6rs in einem politisch h\u00f6chst brisanten Arbeits- und strafrechtlichen Verfahren sorgt f\u00fcr Emp\u00f6rung unter denen, die sonst St\u00e9phane Hessel f\u00fcr eine Art Messias hielten. Die Verwaltung kann machen, was sie will, und deshalb wird sie auch immer h\u00e4ufiger machen, was sie will.<\/p>\n<p>In einer Zeit, in der ein selbst ernannter Qualit\u00e4tsjournalist in seiner Ignoranz den Nationalratspr\u00e4sidenten als \u201ev\u00f6llig unwichtig\u201c der L\u00e4cherlichkeit preisgibt und stattdessen einem Verwaltungsreglement des EDA folgend den Bundespr\u00e4sidenten als \u201eh\u00f6chsten Schweizer\u201c auf den Schild hebt, kann solches nicht verwundern. Medien brauchen Einzelpersonen, denen Sie Kaktusse oder Rosen verleihen k\u00f6nnen. Staatpolitisches Denken hat neben diesem Personenkult keinen Platz mehr.<\/p>\n<p><strong>Das falsche Ziel im Visier<\/strong><\/p>\n<p>Nun redet seit Monaten alles von \u201eCarlos\u201c einem jugendlichen Kriminellen, der von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden f\u00fcr sein Handeln bestraft wurde. Seit seiner Verurteilung liess er sich nichts mehr zu Schulden kommen, und seine Antworten in einem Interview mit der \u201eWeltwoche\u201c t\u00f6nen ganz vern\u00fcnftig.<\/p>\n<p>Ebenfalls mediale Pr\u00fcgel setzte es f\u00fcr das mit der Betreuung von \u201eCarlos\u201c betraute Unternehmen \u201eRiesen-Oggenfuss\u201c ab. Dabei haben wir es mit einer ganz normalen Cluster-Industrie zu tun, wie wir es aus den Bereichen \u201eDrogen\u201c, \u201eAsyl\u201c, \u201eSoziales\u201c \u201eSoziokultur\u201c u.a.m. zur Gen\u00fcge kennen. Warum soll man keinen Profit aus der Grossz\u00fcgigkeit des Staatsapparates schlagen, wenn diese auch manchmal die Grenze zur Dummheit \u00fcberschreitet?<\/p>\n<p>Es gibt nur einen Grund, der halbwegs Sinn macht, weshalb Medien dieses Thema nicht aufgreifen: Sie f\u00fcrchten, mit Kritik \u2013 selbst an Ausw\u00fcchsen \u2013 w\u00fcrden sie der SVP in die Hand spielen. Dann doch lieber die Allmacht der Verwaltung st\u00e4rken.<\/p>\n<p>In dieser \u201e\u00dcbungsanlage\u201c k\u00f6nnen sich die wirklich Verantwortlichen sicher f\u00fchlen. Um keine unangenehmen Fragen beantworten zu m\u00fcssen, belegt man sich gegenseitig mit Schweigegeboten und dem Siegel des Amtsgeheimnisses, oder man verweist auf ein laufendes Verfahren.<\/p>\n<p><strong>Realit\u00e4tsferner Staatsanwalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage, die mich am meisten interessiert, betrifft die Person von Jugendanwalt G\u00fcrber. Wie ist es bloss m\u00f6glich, dass sich einer der h\u00f6chst bezahlten Staatsangestellten des Kantons Z\u00fcrich dermassen von der Realit\u00e4t entfernt, dass er gar nicht auf den Gedanken kommt, die Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnte sein \u201eSondersetting\u201c nicht ganz so toll finden, wie er selbst? Der Mann hat SRF schliesslich selber vorgeschlagen, den Fall \u201eCarlos\u201c als Beispiel f\u00fcr eine gelungene Resozialisierung zu kolportieren. Offensichtlich hat er f\u00fcr seine Masslosigkeit einen Pokal erwartet. Kann jemand ein so wichtiges Amt bekleiden, der offensichtlich den Bezug zur \u201enormalen Welt\u201c verloren hat. Und wie steht es um seine Vorgesetzten? Sind diese tats\u00e4chlich der Meinung, ein polygamer Hippie, der Schlangen z\u00fcchtet, sei genau das Vorbild, das es braucht, um schwer erziehbare Jugendliche auf den rechten Weg zu bringen?<\/p>\n<p>Der Fisch beginnt immer am Kopf zu stinken. Weder \u201eCarlos\u201c noch Riesen-Oggenfuss sind jedoch dieser Kopf. Doch f\u00fcr sie haben die Medien nach der Stampede keine Verwendung mehr. Sie sind verbrannt. An einem guten Einvernehmen mit Regierung und Verwaltung haben die Medien hingegen durchaus ein Interesse.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind also schon soweit, dass jemand als Opfer einer Medien-Stampede strafversch\u00e4rfend ins Gef\u00e4ngnis gesteckt wird. Angeblich zum eigenen Schutz. Kaum jemand, der sich \u201ekritischer Journalist\u201c nennt, erhebt dagegen die Stimme, wenn ein Regierungsrat genau dies unumwunden zu Protokoll gibt. 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