{"id":494674,"date":"2020-01-13T13:21:44","date_gmt":"2020-01-13T12:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=494674"},"modified":"2020-01-13T14:12:41","modified_gmt":"2020-01-13T13:12:41","slug":"zahlbares-wohnen-ein-teures-schlagwort-von-thomas-sowell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=494674","title":{"rendered":"Zahlbares Wohnen \u2013 ein teures Schlagwort (von Thomas Sowell)"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Sowell-.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-494675 alignleft\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Sowell-.jpg?resize=251%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Sowell-.jpg?resize=251%2C300&amp;ssl=1 251w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Sowell-.jpg?w=334&amp;ssl=1 334w\" sizes=\"auto, (max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/><\/a><\/strong><strong>Hinter dem H\u00e4userbauboom und dem Platzen der Spekulationsblase steckt ein ebenso verf\u00fchrerischer wie nichtssagender Begriff, der sich in der Politik grosser Beliebtheit erfreut: \u201eBezahlbares Wohnen\u201c. Es ist schwierig f\u00fcr mich, mir etwas vorstellen zu k\u00f6nnen, wenn Politiker diese Phrase gebrauchen. Offensichtlich ist es der Politik wichtiger, Emotionen zu wecken, anstatt eine pr\u00e4zise Wortwahl zu pflegen. (\u00dcbersetzung von Claudio Zanetti, Originaltext unten)<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Wenn ich auf mein eigenes Leben zur\u00fcckblicke, so f\u00e4llt es mir schwer, eine Periode zu finden, in der ich nicht in einer zahlbaren Wohnung lebte. Als ich 1948 von zu Hause auszog mietete ich eine 3-4 Quadratmeter grosse Bude. Diese kostete $ 5,75 pro Woche. Da mein Nettolohn $ 22.50 betrug, war das \u201etragbar\u201c. [\u2026]<\/p>\n<blockquote><p>Nach drei Jahren in gemieteten Zimmern, lebte ich in Baracken des US Marine Korps, was mich gar nichts kostetet. Das war garantiert tragbar.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur\u00fcck im Zivilleben mietete ich 1954 meine erste Wohnung, ein Studio \u2013 klein, aber tragbar.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter ging ich aufs College und lebte w\u00e4hrend sechs Jahren in den Schlafs\u00e4len verschiedener Campus. Das war nicht schick, aber tragbar.<\/p>\n<p>Nach Abschluss meiner akademischen Studien mietete ich erneut eine Studio-Wohnung.<\/p>\n<p>1969 mietete ich mein erstes Haus, was ich mir nun, nach mehreren Jahren Arbeit an verschiedenen Colleges und Universit\u00e4ten, leisten konnte. Zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter kaufte ich mein erstes Haus.<\/p>\n<p>M\u00f6gen auch spezifische Details von Person zu Person verschieden sein, mein Vorgehen war keineswegs aussergew\u00f6hnlich. Die meisten Leute bezahlen nur f\u00fcr eine Sache, die sie sich leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Worin besteht also das Problem, das Politiker zu l\u00f6sen vorgeben, wenn sie von \u201etragbarem Wohnen\u201c reden? Ihr Sprechen und Handeln l\u00e4uft darauf hinaus, dass sie den Menschen die M\u00f6glichkeit geben wollen, als erstes zu w\u00e4hlen, wie sie wohnen m\u00f6chten. In einem zweiten Schritt werden Gesetze erlassen, wonach andere Menschen, die an einem anderen Ort leben, auf die eine oder andere Weise f\u00fcr sie das Wohnen tragbar machen sollen.<\/p>\n<p>Wenn man das durchdenkt, wird rasch klar: Diese Politik muss ins Desaster f\u00fchren. Man kann ganz einfach nicht durch die Gegend spazieren und alles kaufen, was einem gef\u00e4llt, unabh\u00e4ngig von der Frage, ob man das daf\u00fcr n\u00f6tige Geld auch besitzt. Und wir k\u00f6nnen auch nicht jemand anderen f\u00fcr unsere eigenen Bed\u00fcrfnisse aufkommen lassen. F\u00fcr die Gesellschaft als Ganzes gibt es zudem gar keinen \u201eanderen\u201c.<\/p>\n<p>Doch politische Schlagworte sind grunds\u00e4tzlich nicht Zeugnis daf\u00fcr, dass etwas zu Ende gedacht worden ist. H\u00e4ufig sind Slogans sogar emotionaler Ersatz f\u00fcr das Denken schlechthin.<\/p>\n<p>Teilweise wird versucht, der Phrase vom \u201etragbaren Wohnen\u201c einen rationalen Anstrich zu verpassen, indem die Wohnkosten mit dem Einkommen der Bewohner verglichen werden. Das ist genau das, was ich tat, als ich mein erstes Zimmer mietete. Der Unterschied besteht darin, dass heutzutage ein willk\u00fcrlicher Prozentsatz als Richtlinie betrachtet wird, was aus sicht der Regierung als \u201etragbares Wohnen\u201c zu betrachten ist. Die Rede ist von 25 bis 30 Prozent des Einkommens.<\/p>\n<blockquote><p>Doch egal, welchen Prozentsatz man nimmt, das Individuum wird so seiner Verantwortung enthoben, selber zu bestimmen, was in seinem Fall \u201etragbar\u201c ist. Pl\u00f6tzlich ist es Sache des Steuerzahlers, f\u00fcr die Differenz aufzukommen, wenn sich jemand f\u00fcr ein Wohnen entscheidet, dessen Kosten die magische Grenze \u00fcberschreiten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit einem Mal wird es nicht mehr als in der Eigenverantwortung liegend betracht, daf\u00fcr zu sorgen, durch bessere Ausbildung den eigenen Lebensstandard zu heben und mehr zu verdienen, um sich \u00fcber die Jahre hinweg besseres Wohnen leisten zu k\u00f6nnen. Wozu auch, wenn es die Regierung doch in der Hand hat, Verm\u00f6gen umzuverteilen, um eine weitere politische Phrase zu gebrauchen?<\/p>\n<p>Schliesslich ist als Gipfel der Ironie festzustellen, dass mit der Zunahme der staatlichen Einflussnahme auf den Wohnungsmarkt das Wohnen in jeder Hinsicht weniger tragbar gemacht hat.<\/p>\n<p>Vor 100 Jahren gaben die Amerikaner einen kleineren Anteil ihres Einkommens f\u00fcr Wohnen aus als heute. 1901 mussten 23 % des durchschnittlichen Einkommens f\u00fcr das wohnen verwendet werden. 2003 waren es 33 Prozent \u2013 eines wesentlich h\u00f6heren Durchschnittseinkommens.<\/p>\n<p>Die meisten unserer Probleme sind nicht ann\u00e4hernd so schwerwiegend wie die Folgen \u201cpolitischer L\u00f6sungen\u201d. Im Wohnungswesen hat die Politik der Regierung die Menschen in eine Situation hineingek\u00f6dert, die nicht nur f\u00fcr die Individuen sondern f\u00fcr das ganze Land unhaltbar geworden ist.<\/p>\n<p>____<\/p>\n<p>* Thomas Sowell ist leitendes Mitglied des Hoover Instituts der Universit\u00e4t in Stanford (USA). Er ist einer der bekanntesten konservativen Kolumnisten der Vereinigten Staaten und publiziert unter anderem auf <a href=\"http:\/\/www.townhall.com\/\">www.townhall.com<\/a>. In seinem j\u00fcngsten Buch \u201eThe Housing Boom and Bust\u201c zeigt er auf, wie die Subprime-Kriese, die zu einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise f\u00fchrte, ihre Wurzeln in einem \u00fcberregulierten staatlichen Wohnbauf\u00f6rderungswesen hat.<\/p>\n<p>____________________________<\/p>\n<p>Originalversion (January 22, 2009)<\/p>\n<p><strong>&#8218;Affordable housing&#8216; \u2013 a costly slogan<\/strong><\/p>\n<p>By Thomas Sowell<\/p>\n<p>Behind the housing boom and bust was one of those alluring but undefined phrases that are so popular in politics &#8212; &#8222;affordable housing.&#8220;<\/p>\n<p>It is hard for me to know specifically what politicians are talking about when they use this phrase. But then politics is about evoking emotions, not examining specifics.<\/p>\n<p>In looking back over my own life, I find it hard to think of a time when I didn&#8217;t live in affordable housing.<\/p>\n<p>When I first left home, back in 1948, I rented a room about 4 by 8 feet, costing $5.75 a week. Since my take-home pay was $22.50, that was affordable housing. (Multiply these numbers by about 10 to get the equivalent in today&#8217;s prices).<\/p>\n<p>After three years of living in rented rooms, I began living in Marine Corps barracks, which didn&#8217;t cost me anything. That was certainly affordable.<\/p>\n<p>As a civilian again, in 1954 I rented my first apartment, a studio apartment &#8212; small but affordable. But a year later, I went off to college and lived in dormitories on various campuses for the next six years. None was fancy but all of them were affordable.<\/p>\n<p>After completing my academic studies, I rented another studio apartment.<\/p>\n<p>In 1969, I rented my first house, which I could now afford, after several years as a faculty member at various colleges and universities. A dozen years later, I began to buy my first house.<\/p>\n<p>While the specifics will differ from person to person, my general pattern was not unusual. Most people pay for what they can afford at the time.<\/p>\n<p>What, then, is the &#8222;problem&#8220; that politicians claim to be solving when they talk about creating &#8222;affordable housing&#8220;?<\/p>\n<p>What they are saying and doing usually boils down to trying to enable people to choose what housing they want first &#8212; and then have some law or policy where somebody else, somewhere else, somehow or other, makes that housing &#8222;affordable&#8220; for them.<\/p>\n<p>If you think it through, that is a policy for disaster. We cannot all go around buying whatever we want, whether or not we have enough money to afford it, and have somebody else make up the difference. For society as a whole, there is no somebody else.<\/p>\n<p>But of course political slogans are not meant to be thought through, are they? They are often an emotional substitute for thinking at all.<\/p>\n<p>Sometimes some semblance of rationality is given to the phrase &#8222;affordable housing&#8220; by comparing the cost of housing to the income of those who live in it. That was certainly what I did when I rented my first room.<\/p>\n<p>The difference is that today there is some arbitrary percentage of one&#8217;s income that sets the limit to what the government will consider to be affordable housing. It used to be 25 percent but it might be 30 percent or some other proportion.<\/p>\n<p>But, whatever the percentage, it is no longer the individual&#8217;s responsibility to choose housing that fits within that limit. It is somehow the taxpayers&#8216; job to make up the difference, when someone chooses housing whose cost exceeds that magic number.<\/p>\n<p>It is certainly no longer considered to be the individual&#8217;s own responsibility to acquire the work skills to be able to earn enough to afford better housing as the years passed. Why do that when the government can simply &#8222;spread the wealth around,&#8220; to use another political phrase?<\/p>\n<p>The ultimate irony is that increasing government intervention in the housing market has generally made housing less affordable than before, by any standard.<\/p>\n<p>A hundred years ago, Americans spent a smaller percentage of their incomes on housing than they do today. In 1901, housing costs took 23 percent of the average American&#8217;s income. By 2003, it took 33 percent of a far larger income.<\/p>\n<p>Most of our problems are not nearly as severe as political &#8222;solutions.&#8220; In housing, government policies have lured people into situations that were untenable to them and to the country.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinter dem H\u00e4userbauboom und dem Platzen der Spekulationsblase steckt ein ebenso verf\u00fchrerischer wie nichtssagender Begriff, der sich in der Politik grosser Beliebtheit erfreut: \u201eBezahlbares Wohnen\u201c. Es ist schwierig f\u00fcr mich, mir etwas vorstellen zu k\u00f6nnen, wenn Politiker diese Phrase gebrauchen. 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