{"id":494768,"date":"2020-03-09T17:17:31","date_gmt":"2020-03-09T16:17:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zanetti.ch\/?p=494768"},"modified":"2020-03-09T17:17:31","modified_gmt":"2020-03-09T16:17:31","slug":"ein-auge-zudruecken-um-besser-zu-zielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=494768","title":{"rendered":"Ein Auge zudr\u00fccken, um besser zu zielen"},"content":{"rendered":"<p>Eine der Lieblingsforderungen der Linken ist jene nach Transparenz. Eine Zeitlang waren sie bei sich selbst sogar so transparent, dass sie in ihren Kommunen die WC-T\u00fcren aush\u00e4ngten, um mehr voneinander zu haben. Der Wunsch nach Intimit\u00e4t galt ihnen als spiesserisch. Diese Phase haben sie mittlerweile \u00fcberwunden. Es ist allerdings nicht so, dass sie endlich begriffen h\u00e4tten, dass es die vornehmste Aufgabe des Staates ist, das Private seiner B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu sch\u00fctzen. <!--more-->Heute fordern die Linken Transparenz vor allem von den anderen. Dabei verfolgen sie keineswegs die ehrenwerten Ziele, die sie vorschieben. Wie jene, die nur darum ein Auge zudr\u00fccken, um besser zielen zu k\u00f6nnen, nutzen sie die dank Transparenz gewonnenen Erkenntnisse f\u00fcr die Umsetzung Ihrer Politik.<\/p>\n<p><strong>Lynchjustiz per Mausklick<\/strong><\/p>\n<p>Das gilt auf f\u00fcr die Forderung nach Transparenz bei der Parteienfinanzierung: So wurde der CEO der Mozilla Corporation, Brendan Eich, 2014 zur Unperson gemacht und schliesslich zum R\u00fccktritt gezwungen, weil er sechs Jahre fr\u00fcher 1\u2018000 US-Dollar f\u00fcr eine Volksinitiative zur Einf\u00fchrung eines Verfassungszusatzes, die die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau definieren sollte, gespendet hatte. Das geheiligte Prinzip der Anonymit\u00e4t bei der demokratischen Meinungsbildung wird der Transparenz geopfert. So geht Demokratie vor die Hunde. So wird sie zur Ochlokratie, zur P\u00f6belherrschaft.<\/p>\n<p>Als Guido Barilla, Chef der gleichnamigen Teigwaren-Fabrik, vor einigen Jahren in einem Interview ausf\u00fchrte, es entspreche nicht den Wertvorstellung seines in vierter Generation gef\u00fchrten Familienunternehmens, Werbung mit homosexuellen Paaren beim Spaghetti Kochen zu schalten, erzwang ein \u201eShitstorm\u201c ein \u201eUmdenken\u201c. Man habe \u201egelernt\u201c, stellte die Handelszeitung s\u00fcffisant fest.<\/p>\n<p><strong>Mediale Autodaf\u00e9s<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr die spanische Inquisition die Autodaf\u00e9s waren, sind f\u00fcr die daueremp\u00f6rten Linken unserer Tage ihre Shitstorms. Jener gegen das Schweizer Traditionsunternehmen L\u00e4derach ist nur das j\u00fcngste Beispiel dieser modernen Form von Lynchjustiz.<\/p>\n<p>Einer der ersten konzertierten Angriffe in der neueren Zeit auf ein Unternehmen, den man als Shitstorm bezeichnen kann, war die Greepeace Kampagne gegen die Versenkung des schwimmenden \u00d6ltanks Brent Spar in der Nordsee. Das Zwischenlager geh\u00f6rte den Konzernen Shell und Esso. Es wurde durch den Bau von Pipelines \u00fcberfl\u00fcssig und sollte darum versenkt werden. Am 30. April 1995 wurde Brent Spar von Greenpeace-Aktivisten besetzt, um genau das zu verhindern. Die mediale Aufmerksamkeit war enorm. Vor allem in den Niederlanden, D\u00e4nemark und Deutschland. Es gab Boykottaufrufe und sogar deutsche Beh\u00f6rden lie\u00dfen ihre Autos nicht mehr bei Shell tanken. Daraufhin sanken die Ums\u00e4tze der deutschen Shell-Tankstellen um bis zu 50 %. In Hamburg wurde ein Brandanschlag auf eine Shell-Tankstelle ver\u00fcbt. Dass Esso, das ebenfalls zur H\u00e4lfte Eigent\u00fcmer von Brent Spar war, praktisch nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, belegt, wie rasch die Idiotie in einem Shitstorm \u00fcberhandnimmt. Recht und Unrecht interessierte nicht mehr, wenn eine politische Stampede alles niedertrampelt. Sachliche Argumente z\u00e4hlen nicht mehr, wenn eine Auseinandersetzung zu einer reinen Machtdemonstration verkommt. \u2013 Am 20. Juni 1995 erkl\u00e4rte sich Shell bereit, die Plattform an Land zu entsorgen.<\/p>\n<p><strong>Greenpeace spielte falsch \u2013 war aber dennoch Sieger<\/strong><\/p>\n<p>Am 5. September 1995 r\u00e4umte Greenpeace ein, dass ihre Sch\u00e4tzung \u00fcber die Menge giftiger \u00d6lr\u00fcckst\u00e4nde im Tank grob fehlerhaft war und die Zahlen von Shell stimmten. In einem Editorial des Wissenschaftsjournals Nature wurde Greenpeace sp\u00e4ter vorgeworfen, nicht an Fakten interessiert gewesen zu sein. Zwei britische Meeresforscher wiesen darauf hin, dass in vielen Gebieten des Meeresbodens grosse Mengen an Schwermetallen sowie Roh\u00f6l aus heissen Quellen ausstr\u00f6men. Gerade in diesen Gebieten gedeihe ein reiches Tiefseeleben. F\u00fcr Mikroorganismen auf dem Meeresboden w\u00e4re die Versenkung der Brent Spar sogar vorteilhaft gewesen. \u2013 Das interessierte niemanden mehr. Die linke Meute hatte Blut geleckt. Und vor allem: Sie erkannte, \u00fcber welche Macht sie verf\u00fcgte. Ein paar moralisierende Plattit\u00fcden, eine Geschichte, und geeignete Opfer sind alles, was es braucht.<\/p>\n<p><strong>Die Linke l\u00e4sst die Muskeln spielen<\/strong><\/p>\n<p>Um an Informationen zu gelangen, aus denen sich ein geeignetes Narrativ spinnen l\u00e4sst, forderten \u00abdie Linken\u00bb von Berlin-Spandau k\u00fcrzlich einen \u00abwissenschaftlichen Reichtumsbericht\u00bb, der \u00abVerteilung, Entstehung und Verwendung, Form und Umfang von Reichtum in Spandau erfasst und analytisch beschreibt.\u00bb Ferner sollten \u00abprobleml\u00f6sungsorientiert Massnahmen f\u00fcr eine sozial gerechtere Verteilung von Reichtum und gesellschaftlichen Wohlstand aufgef\u00fchrt werden [\u2026]\u00bb Es sei n\u00e4mlich so, dass \u00abin der Wahrnehmung einer Mehrheit der Bewohner*innen [sic.] des Bezirks Reichtum ungerecht verteilt\u00bb sei. Es sei darum \u00abf\u00fcr die Belange des Bezirks relevant, genaue Zahlen dar\u00fcber zu erhalten, wie genau Reichtum verteilt ist, wie er entsteht, wof\u00fcr er verwendet wird, welche Form und welchen Umfang\/Ausmass er annimmt.<\/p>\n<p>Der Vorstoss wurde zwar mit den Stimmen von SPD und AfD abgelehnt, doch w\u00e4re es naiv zu glauben, die Linken liessen es damit bewenden. Der n\u00e4chste Angriff steht bevor, und die deuten Linken sind unseren heimischen Linken nur um ein paar Monate voraus. Sie lesen \u00abReichtum\u00bb als \u00abEnteignungspotenzial\u00bb, und \u00abprobleml\u00f6sungsorientierte Massnahmen\u00bb heisst f\u00fcr sie \u00abKlassenkampf\u00bb. An einer so genannten Strategietagung der deutschen Partei \u00abDie Linke\u00bb \u00fcber den \u00absozial-\u00f6kologischen Systemwechsel\u00bb wurde vor wenigen Tagen ganz offen und vor laufender Kamera von einer Revolution gesprochen, und eine Frau aus dem Publikum forderte gar die Erschiessung des reichsten Prozents der Bev\u00f6lkerung, was von der Gespr\u00e4chsleiterin mit keinem Wort ger\u00fcgt wurde. Nur ein Podiumsteilnehmer wollte die Reichsten nicht gleich erschiessen, sondern f\u00fcr n\u00fctzliche Arbeit einsetzen. Er war der \u00abGem\u00e4ssigte\u00bb im Raum.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der Lieblingsforderungen der Linken ist jene nach Transparenz. 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