{"id":495105,"date":"2022-04-21T09:26:39","date_gmt":"2022-04-21T07:26:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=495105"},"modified":"2023-08-10T10:31:00","modified_gmt":"2023-08-10T08:31:00","slug":"die-zehn-groessten-torheiten-auf-dem-weg-zur-kriegsuntauglichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=495105","title":{"rendered":"Die zehn gr\u00f6ssten Torheiten auf dem Weg zur Kriegsuntauglichkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Die Schweiz hat keine Armee, sie ist eine Armee&#8220;, schrieb der Bundesrat 1988 selbstbewusst in seiner Botschaft zur Armeeabschaffungs-Initiative. Im M\u00e4rz 2022 gibt Armeechef S\u00fcssli zu Protokoll: \u00abMit unseren heutigen Mitteln w\u00e4re nach ein paar Wochen Schluss\u00bb \u2013 Wie ist dieser Niedergang zu erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p>Hier der ganze Text als PDF: <a href=\"https:\/\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Die-zehn-groessten-Torheiten-auf-dem-Weg-zur-Kriegsuntauglichkeit-2.pdf\">Die zehn gr\u00f6ssten Torheiten auf dem Weg zur Kriegsuntauglichkeit<\/a><\/p>\n<ol>\n<li>Verlust des Willens, f\u00fcr die eigenen Interessen einzustehen<\/li>\n<li>Spaltung des armeefreundlichen Lagers<\/li>\n<li>Orientierung an falschen Vorbildern: Anpassung an die NATO<\/li>\n<li>Verlust der Abschreckungswirkung als Folge der Schw\u00e4chung der Kampfkraft<\/li>\n<li>\u00abSi vis pacem para bellum\u00bb \u2013 Missachtung eines ethischen Prinzips<\/li>\n<li>Verlust der Ernsthaftigkeit, Wunschdenken und Vernachl\u00e4ssigung der Lehren der Geschichte<\/li>\n<li>Fataler Irrglaube an Hilfe seitens Dritter<\/li>\n<li>Gravierende organisatorische Fehlkonzeption und Zerst\u00f6rung bew\u00e4hrter Strukturen<\/li>\n<li>Schw\u00e4chung der Miliz<\/li>\n<li>Aus den Augen aus dem Sinn<\/li>\n<\/ol>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist wieder einmal Krieg in Europa. Und wieder einmal ist die Schweiz schlecht da\u00adrauf vorbereitet. Und wieder einmal sind nicht die Linken f\u00fcr die Missst\u00e4nde verant\u00adwortlich. Schuld sind die B\u00fcrgerlichen, denen es an Kraft und Willen fehlte, das Not\u00adwendige und das Richtige zu tun.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u00abDie Kunst des Krieges ist f\u00fcr den Staat von entscheidender Bedeutung. Sie ist eine Angelegenheit von Leben und Tod, eine Stra\u00dfe, die zur Sicherheit oder in den Untergang f\u00fchrt. Deshalb darf sie unter keinen Umst\u00e4nden vernachl\u00e4ssigt werden.\u00bb &#8211; <\/em><em>Sunzi um 500 v.Chr.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Nach Eingest\u00e4ndnis ihres obersten Chefs ist unsere Armee derzeit nicht in der Lage, ihren in Artikel 58 der Bundesverfassung festgelegten Auftrag zu erf\u00fcllen. Dieser lautet:<\/p>\n<p><em>\u00abDie Armee dient der Kriegsverhinderung und tr\u00e4gt bei zur Erhaltung des Friedens; sie verteidigt das Land und seine Bev\u00f6lkerung. Sie unterst\u00fctzt die zivilen Beh\u00f6rden bei der Abwehr schwerwiegender Bedrohungen der inneren Sicherheit und bei der Bew\u00e4ltigung anderer ausserordentlicher Lagen. Das Gesetz kann weitere Aufgaben vorsehen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><strong>Nichts Neues unter der Sonne<\/strong><\/p>\n<p>1910 sorgte der britische Schriftsteller und Publizist und sp\u00e4tere Friedensnobelpreis\u00adtr\u00e4ger Norman Angell mit seinem Buch \u00abThe Great Illusion\u00bb f\u00fcr Furore. Das Werk wurde zum Bestseller. Innerhalb eines Jahres war es in 15 Sprachen auf dem Markt. \u00c4hnlich schw\u00e4rmerisch und \u00abvision\u00e4r\u00bb, wie derzeit Klaus Schwab in \u00abThe Great Reset\u00bb, versuchte Angell in seiner pazifistischen Streitschrift den Nachweis zu erbringen, dass ein Krieg unm\u00f6glich sei. Mit \u00abunwiderlegbaren Beweisen\u00bb zeigte er auf, dass bei der herrschenden finanziellen und wirtschaftlichen Verflechtung der Nationen der Sieger nicht weniger als der Besiegte leiden w\u00fcrde; Krieg sei daher unrentabel geworden, und keine Nation werde darum so t\u00f6richt sein, einen zu beginnen.<\/p>\n<p>Obwohl das Buch begeistert aufgenommen wurde, und Experten, deren Kompetenz niemand in Zweifel zu ziehen wagte, die Thesen nicht nur unterst\u00fctzten, sondern \u00fcberzeugt waren, dass auch Deutschland der Doktrin Angells aufgeschlossen ge\u00adgen\u00fcberstand, kam es nur wenige Jahre sp\u00e4ter zu Ur-Katastrophe des 20. Jahrhun\u00adderts. Zwischen 1914 und 1918 tobte der Erste Weltkrieg, der rund 15 Millionen Tote forderte. Er brachte enorme politische und gesellschaftliche Umw\u00e4lzungen mit sich. Doch nur 21 Jahre sp\u00e4ter wurde die Welt in einen noch m\u00f6rderischeren Krieg ge\u00adst\u00fcrzt. \u2013 Norman Angell muss ein Fehler unterlaufen sein.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt wegen solcher Fehleisch\u00e4tzungen, die der Wachsamkeit abtr\u00e4glich sind, war auch die Schweizer Armee am Vorabend des Ersten Weltkrieges schlecht auf\u00adgestellt und verf\u00fcgte nur \u00fcber eine ungen\u00fcgende Ausr\u00fcstung. 1913 rief die Offiziers\u00adgesellschaft dazu auf, Geld zu spenden, um dem Milit\u00e4r Flugzeuge zu kaufen. Zuvor war die Luftwaffe mit konfiszierten ausl\u00e4ndischen Maschinen und solchen von Schweizer Flugpionieren betrieben worden. Der Aufruf war ein Erfolg: Mit Flugtagen, Veranstaltungen, Kollekten und Sonderverk\u00e4ufen konnten \u00fcber 1,7 Millionen Schweizer Franken gesammelt werden. Das Eidgen\u00f6ssische Milit\u00e4rdepartement (EMD) kaufte mit dem Geld 1916 17 Flugzeuge und 14 Reservemotoren.<\/p>\n<p><strong>Der sch\u00f6ne, aber naive Traum vom ewigen Frieden<\/strong><\/p>\n<p>Ideologien zeichnen sich durch den Glauben aus, mit den \u00abrichtigen\u00bb Massnahmen liesse sich die \u00abConditio humana\u00bb, ja das Wesen der Menschen in seinem Kern ver\u00e4ndern. In Verkennung der Realit\u00e4t und der Lehren der Geschichte wurde immer wieder versucht, den \u00abneuen Menschen\u00bb zu erschaffen, der keine Kriege mehr f\u00fchrt, nur das Gute will, und nur das Gute schafft. Millionen von Toten geben Zeugnis von den Folgen solcher Hybris.<\/p>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg glaubten viele, mit dem \u00abVersailler Friedensvertrag\u00bb, sei der ewige Friede ausgebrochen. Die Menschen h\u00e4tten ihre Lektion gelernt. Vor allem die internationalistische Linke wollte von einer starken Landesverteidigung nichts mehr wissen. Ber\u00fchmte Exponenten, wie der Schaffhauser Nationalrat Walther Bringolf, zeigten statt\u00addessen grosse Sympathien f\u00fcr den sowjetischen Kommunismus und tr\u00e4umten von der Vereinigung der Arbeiterschaft. Erst mit dem Erstarken des Nationalsozialismus in Deutschland n\u00e4herten sich Schweizer Kommunisten den Sozialdemokraten wieder an. Das Bekenntnis der Linken zur Landesverteidigung wurde allerdings lange als wenig glaubw\u00fcrdig angesehen. Erst am 15. Dezember 1943 wurde mit dem Z\u00fcrcher Stadtpr\u00e4sidenten Ernst Nobs erstmals ein Sozialdemokrat in den Bundesrat gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die politischen Wirren zwischen den beiden Weltkriegen waren nicht dazu angetan, die Leistungsbereitschaft der Schweizer Armee auf das notwendige Niveau zu he\u00adben. Es fehlte an Material, Munition und an Flugzeugen, deren Bedeutung im Krieg inzwischen anerkannt war.<\/p>\n<p>1936 bewilligte die Bundesversammlung, die von Bundesrat Rudolf Minger initiierte, \u00abWehranleihe\u00bb in H\u00f6he 235 Mio. Franken f\u00fcr zus\u00e4tzliche R\u00fcstungsinvestitionen. Insgesamt nahm der Staat damit schliesslich 335 Mio. Franken ein.<\/p>\n<p>Gleichwohl brauchte \u00abBundesbern\u00bb auch einen Anstoss von aussen. Migros-Gr\u00fcnder Gottlieb Duttweiler forderte eine starke Flugwaffe. Die Schweiz m\u00fcsse tausend Milit\u00e4rflugzeuge beschaffen, die Jugend f\u00fcr die Aviatik begeistern, eine nationale Flugzeugindustrie aufbauen und eine Sondersteuer (\u00abWehropfer\u00bb) zur Finanzierung erheben. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, lancierte er sogar eine Volkinitiative. Nach Kriegsausbruch wurde diese dann allerdings nicht mehr eingereicht. Der Bundesrat hat es schliesslich auch so gemerkt.<\/p>\n<p>Schon 1948 hatte \u00abDutti\u00bb den Eindruck, der Wehrwille lasse bereits wieder nach. Er f\u00fcrchtete neue kriegerische Auseinandersetzungen und wollte die Bev\u00f6lkerung dazu anhalten, Lebensmittelvorr\u00e4te anzulegen. Unter dem Eindruck, der Nationalrat h\u00e4tte seinen entsprechenden Vorstoss um mehr als vier Jahre verschleppt, warf er zwei Steine in eine Fensterscheibe des Bundeshauses, was im In- und Ausland f\u00fcr grosses Aufsehen sorgte.<\/p>\n<p>Wie wenig er damit gegen den Schlendrian erreichte, zeigt der Umstand, dass der Bundesrat zwar Berichte verabschiedete und ver\u00f6ffentlichte, in denen er vor Pandemien und Strommangellagen als den gr\u00f6ssten Gefahren f\u00fcr die Schweiz warnte, in der Folge aber keinerlei wirksame Vorkehren traf.<\/p>\n<p><strong>Die Torheit der Regierenden<\/strong><\/p>\n<p>In ihrem klugen Buch \u201eDie Torheit der Regierenden \u2013 Von Troja bis Vietnam\u201c, das jedem an politischen und historischen Zusammenh\u00e4ngen interessierten Zeitgenos\u00adsen zur Lekt\u00fcre empfohlen sei, definiert die Autorin Barbara Tuchman Torheit als ein den eigenen Interessen zuwiderlaufendes Verhalten. Nun ist es allerdings nicht so, dass sie einfach mit dem Wissen sp\u00e4terer Generationen um die Folgen geschichtstr\u00e4chtiger Entscheidungen Zensuren verteilt. Im Gegenteil, Frau Tuchman qualifiziert ein Handeln nur dann als t\u00f6richt, wenn die folgenden drei Kriterien erf\u00fcllt sind:<\/p>\n<ol>\n<li>So muss eine Politik bereits zu ihrer Zeit, und nicht erst im Nachhinein, als kontra\u00adproduktiv erkannt worden sein. Es muss also hinreichend warnende Stimmen gegeben haben. Das ist deshalb wichtig, weil es ungerecht w\u00e4re, Menschen der Vergangenheit nach den Vorstellungen der Gegenwart zu beurteilen.<\/li>\n<li>Weiter muss es praktikable Handlungsalternativen zu der kritisierten Politik gegeben haben.<\/li>\n<li>Und schliesslich muss diese, zur Vermeidung der Fixierung auf einzelne Personen, von einer ganzen Personengruppe verfolgt und als richtig betrachtet worden sein.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Was die Wehrf\u00e4higkeit der Schweiz und vor allem den Zustand ihrer Armee angeht, ist festzustellen, dass diese Voraussetzungen allesamt erf\u00fcllt sind: Die Armee kann ihren Auftrag nur noch unzureichend erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Seit rund 30 Jahren wird vor fatalen Fehlentwicklungen gewarnt, doch eine Mehrheit in Bundesrat und Parlament liess diese Warnungen als Kassandrarufe verhallen, und ein Kl\u00fcngel von Intellektuellen, K\u00fcnstlern und Journalisten trug das Seinige zur geistigen Kapitulation bei.<\/p>\n<p>Auch wenn derzeit gerade zaghafte Anzeichen einer Kurs\u00e4nderung zu verzeichnen sind, ein Blick auf die nachfolgende Liste von Torheiten, Fehlentwicklungen und Ver\u00ads\u00e4umnissen, die teilweise miteinander verkn\u00fcpft sind, macht deutlich, dass es mit nicht einmal drei Dutzend Kampfflugzeugen und mehr Geld f\u00fcr die Armee l\u00e4ngst nicht getan ist.<\/p>\n<h1><strong>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Verlust des Willens, f\u00fcr die eigenen Interessen einzustehen<\/strong><\/h1>\n<p>An erster Stelle nennt unsere Bundesverfassung als Staatszweck den Schutz der Freiheit und der Rechte des Volkes sowie die Wahrung der Unabh\u00e4ngigkeit und die Sicherheit des Landes. Es folgen die F\u00f6rderung der gemeinsamen Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, der innere Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt des Landes.<\/p>\n<p>Unsere Armee ist das letzte Bollwerk zur Verteidigung unseres Staates. Bevor sie zum Einsatz kommt, ist eine ganze Reihe von Massnahmen auszusch\u00f6pfen, die dem Staatszweck dienen. Oder, um Clausewitz zu paraphrasieren: Vor dem Krieg hat sich die Politik anderer Mittel zu bedienen.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen der letzten drei Jahrzehnte zeigen allerdings, dass unsere Landes\u00adregierung, die die Schweiz nach aussen hin zu vertreten h\u00e4tte, nicht mehr bereit ist, deren Interessen nur schon klar zu definieren. Von einem entschiedenen Einstehen oder gar von einer erfolgreichen Durchsetzung seiner Interessen kann das Schweizer Volk nur noch tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Der Wille, in einem kleinen Land Verantwortung zu \u00fcbernehmen, ist der olympischen Devise \u00abDabeisein ist alles!\u00bb zum Opfer gefallen. Unsere Landesregierung liess sich vom deutschen Bundespr\u00e4sidenten \u00fcber die Gefahren der direkten Demokratie be\u00adlehren und hat keine Kraft mehr f\u00fcr Schweizer Eigenarten und Traditionen einzu\u00adstehen.<\/p>\n<p>Jeder Rechtserlass, von der Verfassungs\u00e4nderung \u00fcber Bundesgesetze bis zur ein\u00adfachen Verordnung wird alles auf die Kompatibilit\u00e4t mit EU-Recht \u00fcberpr\u00fcft. Ja kaum eine Volksinitiative wurde vom Bundesrat so verbissen bek\u00e4mpft wie die Selbstbe\u00adstimmungsinitiative der SVP. Was als \u00abV\u00f6lkerrecht daherkommt soll unserem Schweizer Recht vorgehen \u2013 selbst wenn das auf die Aufl\u00f6sung von Staatsgebiet, Staatsvolk oder Staatsmacht hinausl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Selbst in Gremien, wie der OECD, wo zur Beschlussfassung Einstimmigkeit erforder\u00adlich, bringt der Bundesrat nicht mehr die Kraft auf, zum Schutz unserer Interessen \u00abnein\u00bb zu sagen. Selbst wenn dem Schweizer Volk, das zu seinem Schutz H\u00f6chsts\u00ad\u00e4tze f\u00fcr die Steuerbelastung in seine Bundesverfassung schreibt, Mindeststeuern aufgezwungen werden, wehrt sich der Bundesrat nicht mit der gebotenen Entschie\u00addenheit. Dass man nach der Schlussabstimmung nicht applaudiert habe, soll uns Trost genug sein.<\/p>\n<p>Es ist mit aller Brutalit\u00e4t zu fragen, wof\u00fcr ein Staat, der selbst in untergeordneten Fragen jede Standhaftigkeit abgeht, ja dessen Regierung schon kapituliert, wenn in einem Gremium nicht gew\u00e4hlter Funktion\u00e4re von einer \u00abschwarzen Liste\u00bb die Rede ist, \u00fcberhaupt eine Armee, geschweige denn hochmoderne Kampfflugzeuge braucht.<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022710\"><\/a><strong>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Spaltung des armeefreundlichen Lagers<\/strong><\/h1>\n<p>Der Anfang der unheilbringenden Entwicklung l\u00e4sst sich genau festlegen: Anfang der 90er-Jahre mit dem EWR und der damit einhergehenden \u00ab\u00d6ffnung gegen\u00fcber Europa\u00bb. Zwar lehnten Volk, St\u00e4nde und drei von vier Sprachregionen den Beitritt zu diesem ersten Kolonialvertrag ab, aber der Bundesrat hat das im Verlaufe des Abstimmungkampfs erkl\u00e4rte Ziel, der EU als Vollmitglied beizutreten nie aus den Augen verloren. Am 29. Mai 2000 erkl\u00e4rte Josef Deiss in der Aula der Universit\u00e4t Z\u00fcrich: \u00abWir sollten aufh\u00f6ren, vom \u2018strategischen Ziel\u2019 zu reden. Von jetzt an ist das Ziel des EU-Beitritts nicht mehr \u2018strategisch\u2019: Es ist ein in Arbeit befindliches Projekt.\u00bb \u2013 Das wurde nie widerrufen. Das ist gelebte Realit\u00e4t in Bundesbern.<\/p>\n<p>Das mit der EWR-\/EU-Debatte einsetzende Erstarken der SVP hatte zur Folge, dass sich die Reihen \u00abder Anderen\u00bb schlossen. Es bildete sich eine so genannte \u00abKoalition der Vernunft\u00bb, die sich zur Freude der Linken gegen die SVP abgrenzte. In diesem Klima schielten einige besonders \u00abWeltoffene\u00bb begeistert zur Nato und forderte die Schweiz m\u00fcsse ihren Beitrag leisten. Sie k\u00f6nne nicht nur von der Sicherheit profitieren, die andere produzierten. Und so muss unsere Armeef\u00fchrung nun seit 1999 regelm\u00e4ssig erkl\u00e4ren, man habe im Kosovo grosse Fortschritte f\u00fcr den Frieden erzielt, man sei aber noch nicht ganz am Ziel.<\/p>\n<p>Selbst solche Leerl\u00e4ufe verm\u00f6gen die Begeisterung der Internationalisten nicht zu tr\u00fcben. Sie machen unbeirrt weiter nach der Devise \u00abBrachte das Medikament nicht die gew\u00fcnschte Wirkung, ist die Dosis zu erh\u00f6hen.\u00bb Dass er das 1992 eingereichte, schon fast vergessene Gesuch 2016 der EU gegen\u00ad\u00fcber f\u00fcr \u00abzur\u00fcckgezogen\u00bb erkl\u00e4ren musste, d\u00fcrfte Bundesrat und Verwaltung sogar gelegen gekommen sein. Seither kann man sich der EU Schritt um Schritt ann\u00e4hern, ohne sich den Vorwurf anh\u00f6ren zu m\u00fcssen, man wolle ja ohnehin in die EU. Tats\u00e4ch\u00adlich ist es nur die Furcht vor einer Niederlage in einer Volksabstimmung, die den Bundesrat zaudern l\u00e4sst. Auch das so genannte Rahmenabkommen wurde nicht wegen schwerwiegender konzeptioneller M\u00e4ngel nicht unterzeichnet, sondern weil ein Schiffbruch an der Urne praktisch sicher gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Tatsache ist jedenfalls, dass das EU-Thema die schweizerische Politik dominiert, wie kein anderes Thema. Auch in Fragen der Landesverteidigung stellt sich regelm\u00e4ssig die Frage: Wie hast Du\u2019s mit dem Ausland, der EU, der Nato?<\/p>\n<p>Das f\u00fchrte vor allem in konzeptionellen Fragen zu einer tiefen Spaltung des armee\u00adbef\u00fcrwortenden Lagers. Man ist sich zwar einig, dass es eine Armee braucht, aber sobald es um deren Struktur und Auftrag geht, ist es mit der Einigkeit vorbei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022711\"><\/a><strong>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Orientierung an falschen Vorbildern: Anpassung an die NATO<\/strong><\/h1>\n<p>1994 verwarfen 57,2 Prozent des Stimmvolks das Bundesgesetz \u00fcber schweizeri\u00adsche Truppen f\u00fcr friedenserhaltende Operationen (\u00abBlauhelme\u00bb). Nur in vier Kanto\u00adnen fand die Vorlage eine Mehrheit.<\/p>\n<p>Unbeirrt hielt Bundesbern an seinem internationalistischen Kurs fest.<\/p>\n<p>Seit dem 10. September 2002 ist die Schweiz Mitglied der Vereinten Nationen. In der vorangegangenen Volksabstimmung sprach sich die Stimmbev\u00f6lkerung mit 54,6 % Ja-Stimmen f\u00fcr diesen Schritt aus. Zw\u00f6lf St\u00e4nde bef\u00fcrworteten die Vorlage, elf lehn\u00adten sie ab. Trotz dieses keineswegs \u00fcberw\u00e4ltigenden Ergebnisses versp\u00fcrten die \u00abInternationalisten\u00bb Auftrieb. Berauscht von so viel \u00abOffenheit\u00bb verabschiedete die FDP sogar ein Papier \u00abVision 2007\u00bb, in dem allen Ernstes der Beitritt zur Nato gefor\u00addert wurde. Von diesem Ziel wurde zwar inzwischen Abstand genommen, aber das Zerw\u00fcrfnis im armeefreundlichen Lager vertiefte sich weiter.<\/p>\n<p>\u00abGouverner, c&#8217;est pr\u00e9voir!\u00bb Jedes intelligente und mit Verantwortung betraute F\u00fch\u00adrungsgremium wird sich darum dauernd \u00fcber aktuelle Bem\u00fchungen informieren, um stets auf Eventualit\u00e4ten vorbereitet zu sein. Auch die Schweizer Armee muss von den Besten lernen. In diesem Bewusstsein pflegten wir auch lange Zeit intensive Kontakte mit der israelischen Armee. Von diesem Austausch mit einem ebenfalls kleinen Land mit einer deutlich akuteren Sicherheitslage konnte die Schweiz stark profitieren. Gleichwohl wurde er aus politischen \u2013 nicht milit\u00e4rischen! \u2013 Erw\u00e4gungen weitgehend eingestellt.<\/p>\n<p>Obwohl die Vernunft verlangt, im Krieg denjenigen als den Besten zu betrachten, der das Feld als Sieger verl\u00e4sst, nahm sich die schweizerische Milit\u00e4rf\u00fchrung ausge\u00adrechnet die Nato zum Vorbild, deren Hauptmacht gerade eben wie ein geschlagener Hund aus Afghanistan abziehen musste und dabei Material und Munition in Wert von mehreren Milliarden US-Dollars zur\u00fcckliess. Das sieht nicht nach Sieg aus.<\/p>\n<p><strong>Nur Narren orientieren sich am Verlierer<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann die Schweiz keinen Krieg wie die Taliban f\u00fchren und diesen mit dem Verkauf von Opium finanzieren. Doch ein Land, dass niemanden angreifen, sich aber gegen jeden Angreifer verteidigen will, kann von demjenigen lernen, der es gerade erfolgreich getan hat. Die Faustregel, wonach ein Angreifer zahlenm\u00e4ssig mindes\u00adtens dreimal st\u00e4rker sein muss als der Verteidiger, findet gerade in der Ukraine wie\u00adder ihre Best\u00e4tigung. Auch aus dem Vietnamkrieg liessen sich diesbez\u00fcglich wichtige Lehren ziehen.<\/p>\n<p>Die Schweizer Armee darf einen Krieg unter keinen Umst\u00e4nden verlieren. Nicht zu\u00adletzt wegen unserem gut zu verteidigenden Gel\u00e4nde h\u00e4tte wir in einem Zerm\u00fcrbungs\u00adkrieg gute Chancen \u2013 auch gegen einen starken Gegner, dem, angesichts fehlender Bodensch\u00e4tze, vor allem an Transportwegen gelegen ist. Aus diesem Grund war auch das Konzept des R\u00e9duit sinnvoll \u2013 auch wenn moderne \u00abExperten\u00bb und linke Historiker nicht m\u00fcde werden, das Gegenteil zu behaupten.<\/p>\n<p>In einem Stabskurs der F\u00fchrungsunterst\u00fctzungsbrigade 41 informierte uns 2005 im bernischen Schwarzenburg ein ranghoher Planungsoffizier \u00fcber Ziele und \u00abErrun\u00adgenschaften\u00bb der Armee XXI. Eine Folie ist mir dabei in unausl\u00f6schlicher Erinnerung geblieben: Es ging um das Zahlenverh\u00e4ltnis von kombattanten Truppen zu den \u00abB\u00fcrokraten im Innendienst\u00bb in der Schweiz und der Nato. Der Referent f\u00fchrte in diesem Zusammenhang aus, dass die Schweizer Armee im Vergleich zur Nato viel zu \u00abkampflastig\u00bb sei! Ein Ziel dieser unseligen Armeereform war es also, den Anteil der M\u00e4nner und Frauen in Uniform, die nie mit Regen und K\u00e4lte in Kontakt kommen, massiv zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022712\"><\/a><strong>4.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Verlust der Abschreckungswirkung als Folge der Schw\u00e4chung der Kampfkraft<\/strong><\/h1>\n<p>Die St\u00e4rke der Gewerkschaften in der Schweiz, so wird gerne argumentiert, zeige sich insbesondere daran, dass hierzulande kaum Arbeitsstreitigkeiten offen ausgetragen werden (m\u00fcssen). Bereits die M\u00f6glichkeit, Arbeitsk\u00e4mpfe zu f\u00fchren, gen\u00fcge, um Arbeitgeberorganisationen an den Tisch zu zwingen und sich den Forderungen der Arbeitnehmer zu stellen. Arbeitsfrieden dank Abschreckung. Diese Argumentation hat einiges an sich und entspricht genau dem Motto \u00abWillst Du Frieden, dann bereite dich auf den Krieg vor!\u00bb, auf das im n\u00e4chsten Kapitel eingegangen wird. Dass ausgerechnet linke Parteien, die Wirksamkeit dieses Konzepts mit Blick auf die Landesverteidigung leugnen, ist erstaunlich.<\/p>\n<p>Die Landesverteidigung ist der einzige Bereich des gesamten Staatshauhalts, in dem der Aufwand real zur\u00fcckging. Wenn sich National- und St\u00e4nderat je irgendwo auf Sparmassnahmen einigen konnten, dann hier. Die Folgen sind desastr\u00f6s und lassen sich nicht mehr einfach mit einer Aufstockung der finanziellen Mittel korrigieren. Zu viel wurde zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Die Linken wollten die Armee nur halbieren, die \u00abB\u00fcrgerlichen\u00bb haben sie gesechstelt<\/strong><\/p>\n<p>Am 24. September 1992 reichte eine grosse Regierungspartei \u2013 die Sozialdemokrati\u00adsche Partei der Schweiz (SPS) \u2013 mit 105&#8217;680 g\u00fcltigen Unterschriften die Volksinitiati\u00adve &#8222;F\u00fcr weniger Milit\u00e4rausgaben und mehr Friedenspolitik&#8220; ein. Gefordert wurde eine K\u00fcrzung der Ausgaben f\u00fcr die Landesverteidigung um j\u00e4hrlich 10 Prozent, bis zur Halbierung gegen\u00fcber dem Ausgangsjahr. Da diese Initiative eindeutig und mehrfach gegen den Grundsatz der \u00abEinheit der Materie\u00bb verstiess, wurde sie 1995 vom Par\u00adlament f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt. Gleichwohl ging sie als eines der erfolgreichsten Volksbe\u00adgehren in die Geschichte ein; die Armee wurde in der Folge nicht nur halbiert, son\u00addern gesechselt.<\/p>\n<p>Der sp\u00e4tere \u00abMarschall von Frankreich\u00bb, General Jean de Lattre de Tassigny, der als Hochkommissar und Oberbefehlshaber des Expeditionskorps in Indochina in der Stunde h\u00f6chster Not eine bereits aussichtslose Situation antraf, stellte lakonisch fest, er sehe vor Ort zu viele Obersten und zu wenig Leutnants. Die verheerende Nieder\u00adlage bei dien Bien Phu liess nicht lange auf sich warten.<\/p>\n<p>In der Armee 61 hatte die Armee noch 625&#8217;000 Angeh\u00f6rige, in der Armee 95 waren es noch 400&#8217;000. Mit der Armee XXI kam es zu einer ersten Halbierung des Be\u00adstands, der mit der WEA eine weitere folgte. Gegenw\u00e4rtig betr\u00e4gt der Bestand rund 100&#8217;000 Armeeangeh\u00f6rige.<\/p>\n<p>Verf\u00fcgten wir 1991 noch \u00fcber knapp 300 Kampfflugzeuge, sind es derzeit noch 31, wobei deren Ersatzbeschaffung noch nicht in trockenen T\u00fcchern ist. Die Artillerie wurde auf knapp einen Sechstel ihres Bestandes von 1991 geschrumpft. Das gleiche Bild zeigt sich bei den Kampfpanzern: In der Armee 95 hatten wir \u00fcber 700, heute sind es noch rund 130. Auch Hunderte von Bataillonen, Abteilungen und Geschwa\u00addern fielen dem Rotstift zum Opfer. Waren es in der Armee 61 bis 1991 noch 742 sind es nun noch 109. Gestiegen ist daf\u00fcr die Zahl der hohen Stabsoffiziere\u2026<\/p>\n<p>Logische Folge dieses Abbaus an Schlagkraft ist der Verlust der abschreckenden Wirkung \u2013 einem Kernelement der Verteidigung. Wir erleben in diesen Tagen im Zu\u00adsammenhang mit dem \u00dcberfall auf die Ukraine, was es bedeutet, wenn die eine Seite die andere f\u00fcr schwach h\u00e4lt. Es ist wie beim Schach: Man muss immer auch die Op\u00adtionen und Absichten des Gegners in Betracht ziehen.<\/p>\n<p>Die Nato ist ein Verteidigungsb\u00fcndnis, deren Mitglieder sich im Falle eines Angriffs zur gegenseitigen Unterst\u00fctzung verpflichteten. Wer einen Nato-Staat angreift, greift die Nato an und hat entsprechende Konsequenzen zu gew\u00e4rtigen. Das bestimmt Artikel 5 des Nato-Vertrags. Der so genannte \u00abB\u00fcndnisfall\u00bb ist also vertraglich geregelt.<\/p>\n<p>Wo kein Nato-Mitgliedsstaat betroffen ist, kommt hingegen die uralte Interessenpolitik zum Tragen. \u00abMourir pour Dantzig?\u00bb, fragten sich die Franzosen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, was nicht gerade von Begeisterung zeugt, einer v\u00f6lkerrechtlichen Zusage nachzukommen. Aber so ist nun einmal die Realit\u00e4t. Wer sich nicht an die Regeln h\u00e4lt, hat bei einer Auseinandersetzung einen taktischen Vorteil.<\/p>\n<p>Die Nato hat zwar die milit\u00e4rischen M\u00f6glichkeiten, der russischen Armee entgegenzutreten, aber der Preis daf\u00fcr w\u00e4re eine gef\u00e4hrliche Eskalation, was sich unter Atomm\u00e4chten niemand w\u00fcnschen kann. Die Nato d\u00fcrfte darum gut beraten sein, sich nicht f\u00fcr ein Nicht-Mitglied \u00fcber die eigene Charta hinwegzusetzen, so frustrierend das auch sein mag. Allerdings birgt das die Gefahr, dass durch diese Beschr\u00e4nkung auf reine Verteidigung, auch andere Staaten den Drang versp\u00fcren, sich fremde Territorien einzuverleiben. Solange sie dabei die Nato unber\u00fchrt lassen, haben sie nichts zu bef\u00fcrchten, und in der Uno verf\u00fcgen sie oder ihre Verb\u00fcndeten \u00fcber das Vetorecht.<\/p>\n<p>Am 24. Februar 2022 \u2013 also am Tag des russischen \u00dcberfalls auf die Ukraine \u2013 publizierte die Nato auf YouTube und anderen Kan\u00e4len ein Werbevideo mit dem Titel <a href=\"https:\/\/youtu.be\/CXY7_IlgIWM\">\u00abNATO: Diversity is our strength\u00bb<\/a>. Darin wird gezeigt, wie offen man ist gegen\u00fcber s\u00e4mtlichen Hautfarben und jeder vorstellbaren sexuellen Orientierung. Nur, was das mit Verteidigung zu tun hat, wird nicht erkl\u00e4rt. Hautfarbe und sexuelle Orientierung sind vollkommen irrelevant. Das Einzige, was im Ernstfall z\u00e4hlt, ist, dass man vom Gegner ernst genommen wird, und dass man, sollte es zum bewaffneten Konflikt kommen, diesen zu seinen Gunsten entscheidet. Was das Erstere angeht, hat die Nato versagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022713\"><\/a><strong>5.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>\u00abSi vis pacem para bellum\u00bb \u2013 Missachtung eines ethischen Prinzips<\/strong><\/h1>\n<p>Zu den str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigten Lehren geh\u00f6rt auch die alte Weisheit, wonach sich auf den Krieg vorbereiten soll, wer Frieden will. Das entsprechende lateinische Sprichwort \u00abSi vis pacem para bellum\u00bb geht auf eine zentrale ethische Frage der Menschheit zur\u00fcck. In einem fiktiven Gespr\u00e4ch \u00fcber Staatstheorie l\u00e4sst Platon drei alte M\u00e4nner (!) dar\u00fcber diskutieren, dass ein Leben in Gl\u00fcckseligkeit m\u00f6glich sei, wenn man selbst Dritten gegen\u00fcber kein Unrecht begehe und umgekehrt kein Unrecht von dritter Seite zu erleiden habe. W\u00e4hrend jedermann das eigene Verhalten beeinflussen kann und dementsprechend daf\u00fcr verantwortlich ist, ist jenes der Mitmenschen dem eigenen Willen naturgem\u00e4ss entzogen. Es braucht darum ein Dispositiv, um andere von b\u00f6sem Tun abzuhalten.<\/p>\n<p>Nach diesem Prinzip funktioniert auch unser Strafrecht. Es belohnt nicht den, der sich an die Regeln h\u00e4lt, sondern bedroht den mit Strafe, der gegen die Normen verst\u00f6sst.<\/p>\n<p>\u00abSi vis pacem para bellum\u00bb entspricht also nicht nur einem ethischen Prinzip, es legitimiert jede Armee, die auf Verteidigung ausgerichtet ist.<\/p>\n<p>Man kann sich das heute zwar kaum mehr vorstellen, aber wir hatten tats\u00e4chlich einmal einen \u2013 freisinnigen \u2013 Bundesrat mit Namen Herman Obrecht, der sich am 16. M\u00e4rz 1939 mit folgenden Worten an die Mitglieder der Neuen Helvetischen Gesellschaft richtete: \u201eDas Ausland muss es wissen: Wer uns ehrt und in Ruhe l\u00e4sst, ist unser Freund. Wer dagegen unsere Unabh\u00e4ngigkeit und unsere politische Unversehrtheit angreifen sollte, dem wartet der Krieg. Wir Schweizer werden nicht zuerst ins Ausland wallfahrten gehen.\u201c<\/p>\n<p>Heute m\u00fcssen wir froh sein, wenn die Mitglieder unserer Landesregierung zwischen ihren Wallfahrten wenigstens Pausen einlegen und in Bern ihrer Arbeit nachgehen. An dieser Stelle wird von unserer Intelligenzija jeweils eingewendet, die Welt sei eben heute viel komplexer. Ach, wirklich? Welche Aufgabe k\u00f6nnte denn schwieriger sein als jene, das Land aus Kriegen herauszuhalten?<\/p>\n<p><strong>Verteidigung. Punkt! \u2013 Keine Schweizer Soldaten im Ausland!<\/strong><\/p>\n<p>Wie dem auch sei, Obrechts Diktum ist eine Doktrin, eine leicht verst\u00e4ndliche Leitlinie, die unserem Land zu Frieden und Wohlstand gereichte. Niemand kann aus ethisch-moralischer Warte etwas dagegen vorbringen. Die Sache hat nur einen Haken: Sie steht und f\u00e4llt mit der Glaubw\u00fcrdigkeit der Verteidigung. Sobald damit begonnen wird, Truppen \u2013 selbst mit den besten Absichten \u2013 zu Eins\u00e4tzen im Ausland zu entsenden, ist es mit der Klarheit des Auftrags vorbei. Dabei ist v\u00f6llig unerheblich, ob solcher Dienst freiwillig oder Pflichtweise erfolgt. In Gegenteil, damit werden Weichen Richtung Zweiklassen-Armee gestellt, und bereits die Unterscheidung f\u00f6rdert eine intellektuelle Verrenkung zutage, die dem Gesamtauftrag zur Landesverteidigung nur abtr\u00e4glich sein kann.<\/p>\n<p>Die Schweiz soll ihr Territorium und die Rechte und Freiheiten des Schweizer Volks verteidigen und sich nicht in fremde H\u00e4ndel mischen.<\/p>\n<p>Wir sind in diesen Tagen Zeugen, wie sich die Verteidiger der Ukraine genau jener Mittel bedienen, die auch zum Verteidigungsdispositiv der Schweiz geh\u00f6rten: Sie zerst\u00f6ren die Infrastruktur, die dem Feind n\u00fctzlich sein k\u00f6nnte. Sie sprengen Br\u00fccken und Tunnels, \u00fcberschwemmen Felder und unterbrechen Verbindungen.<\/p>\n<p>Auf genau solche Massnahmen war die Schweiz vorbereitet. An neuralgischen Punkten waren Sprengladungen f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle bereits angebracht. Zudem verf\u00fcgten wir \u00fcber umfangreiche Bunkeranlagen. Alles wurde stillgelegt und zur\u00fcckgebaut, nur um dem Ausland zu gefallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abwegiges &#8222;Aufwuchs-Konzept&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Armee-Reform XXI entstand \u2013 nicht zuletzt unter dem Spardruck, dem allerdings nur das Milit\u00e4r ausgesetzt war \u2013 das &#8222;Aufwuchs-Konzept&#8220;: F\u00fcr gewisse Verteidigungsbereiche sollen jeweils nur Teile der Armee ausgebildet und ausger\u00fcstet werden. Bei sich abzeichnender Bedrohung m\u00fcsste die Armee insgesamt in das zuvor nur von einem kleinen Kern beherrschte K\u00f6nnen &#8222;aufwachsen&#8220;.<\/p>\n<p>Die Antworten des Bundesrats auf eine parlamentarische Interpellation (09.3598 \u2013 Schl\u00fcer) zeugen von einer erschreckenden Naivit\u00e4t. Beispielhaft dazu Frage 7:<\/p>\n<p>\u00abNachdem vonseiten der Armee der Zeitbedarf f\u00fcr den Aufwuchs bereits auf acht bis zehn Jahre, der Finanzbedarf auf bis zu 40 Milliarden Franken eingesch\u00e4tzt worden ist: Wie sieht der Bundesrat heute die zeitlichen und finanziellen Perspektiven bez\u00fcglich des Armee-Aufwuchses?\u00bb<\/p>\n<p>Antwort: \u00abSollte ein Aufwuchs der Armee einmal erforderlich sein, so wird die Art der konkret sich abzeichnenden Bedrohung entscheidend sein f\u00fcr Art, Umfang, Kosten und Dauer der zu treffenden Aufwuchsmassnahmen.\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022714\"><\/a><strong>6.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Verlust der Ernsthaftigkeit, Wunschdenken und Vernachl\u00e4ssigung der Lehren der Geschichte<\/strong><\/h1>\n<p>So frustrierend es sein mag: Manche Dinge \u00e4ndern sich nicht, auch wenn Politiker gerne so tun, als k\u00e4me mit ihnen eine neue Zeit. Aus der Psychologie wissen wir, dass Menschen nach Macht \u00fcber andere Menschen streben. Nach Alfred Adler ist Machtstreben sogar einer der Hauptantriebe menschlichen Verhaltens. Und wenn Menschen erst \u00fcber Macht verf\u00fcgen, so werden sie, wie Lord Acton feststellte, korrupt, und zwar im gleichen Masse, wie ihre Machtf\u00fclle w\u00e4chst.<\/p>\n<p><strong>Fehlender Respekt vor dem Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Als die umfassendste Form der Machtaus\u00fcbung ist Krieg eine ernsthafte Sache. Es geht um Leben und Tod. Das Dienstreglement der Schweizer Armee definiert als Ziel der milit\u00e4rischen Ausbildung und Erziehung \u00abdie F\u00e4higkeit zur Auftragserf\u00fcllung im Krieg und in anderen Krisensituationen, auch unter Einsatz des Lebens.\u00bb<\/p>\n<p>Von zum Aktivdienst aufgebotenen Truppen wird verlangt, dass sie schw\u00f6ren\/geloben:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00abder Schweizerischen Eidgenossenschaft mit ganzer Kraft zu dienen;<\/li>\n<li>Recht und Freiheit des Schweizervolkes tapfer zu verteidigen;<\/li>\n<li>meine Pflichten auch unter Einsatz des Lebens zu erf\u00fcllen;<\/li>\n<li>der eigenen Truppe treu zu bleiben und in Kameradschaft zusammenzuhalten;<\/li>\n<li>die Regeln des Kriegsv\u00f6lkerrechts einzuhalten.\u00bb<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine (politische) Armeef\u00fchrung, die sich mehr um den Anteil der Frauen in den R\u00e4ngen und um deren Unterhosen k\u00fcmmert und alles unterl\u00e4sst, was die armeefeindliche Linke provozieren k\u00f6nnte, l\u00e4sst es an der gebotenen Ernsthaftigkeit fehlen. Das gilt nicht nur f\u00fcr den Ernstfall. Auch in der Rekrutenschule und in jedem gew\u00f6hnlichen Wiederholungskurs, m\u00fcssen die Wehrpflichtigen sp\u00fcren, dass sie nicht einfach zum Zeitvertreib aus ihrem Zivilleben gerissen wurden.<\/p>\n<p>Es ist leicht, im Rahmen internationaler Konferenzen von Solidarit\u00e4t und der \u00dcbernahme von Verantwortung zu sprechen. Am Ende geht es um die Frage, welchen Preis, oder deutlicher, welchen Blutzoll, man zu bezahlen bereit ist.<\/p>\n<p>Bisher redeten die Apologeten von Auslandeins\u00e4tzen der Schweizer Armee diese mit dem Argument sch\u00f6n, es seien daf\u00fcr nur Freiwillige vorgesehen. Das ist eine Schlaumeierei und Augenwischerei, denn bereits f\u00fcr die Zulassung zum Instruktionsdienst braucht es eine entsprechende Freiwilligkeitserkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>In der Spirale des Krieges vergisst eine Regierung rasch, dass ihre vornehmste Aufgabe im Schutz der eigenen Bev\u00f6lkerung besteht. Diese Pflicht besteht seit Jahrtausenden. Im Feudalwesen des Mittelalters wurde sie sogar durch Eid bekr\u00e4ftigt. Die Untergebenen verpflichteten sich zum Fron- und Milit\u00e4rdienst, w\u00e4hren der Landesherr umgekehrt f\u00fcr Sicherheit zu sorgen hatte. Eine allgemeine Milit\u00e4rdienstpflicht gab es hingegen nicht.<\/p>\n<p>Was, wenn pl\u00f6tzlich nicht mehr gen\u00fcgend Freiwillige zur Stelle sind? Es ist nicht anzunehmen, dass unsere Aussenpolitiker in einem solchen Fall erkl\u00e4ren werden, Solidarit\u00e4t und Verantwortungsbereitschaft der Eidgenossenschaft seien nun ausgesch\u00f6pft, und die anderen sollen nun halt schauen, wie sie zurechtkommen. Stattdessen wird einmal mehr das ebenso unsinnige wie politisch erfolgreiche Argument, wer A gesagt habe, m\u00fcsse auch B sagen, obsiegen.<\/p>\n<p>Damit \u00fcberschreitet der Staat unzul\u00e4ssigerweise eine ethische Linie. Es geh\u00f6rt nicht zu den Pflichten eines Schweizer B\u00fcrgers oder einer Schweizer B\u00fcrgerin, sich in fremde H\u00e4ndel einzumischen. Und schon gar nicht hat eine Schweizer Regierung das Recht, im Rahmen von Auslandabenteuern Pflichterf\u00fcllung unter Einsatz des Lebens einzufordern.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rdienstpflicht ist bereits in Friedenszeiten ein schwerwiegender Eingriff in die Pers\u00f6nliche Freiheit der Menschen. Ethisch zu rechtfertigen ist dieser nur, wenn es um den Schutz, also um die reine Verteidigung, der Rechte und Freiheiten des Schweizer Volks geht.<\/p>\n<p><strong>\u00abZeitgem\u00e4ss\u00bb ist keine taugliche Kategorie<\/strong><\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6ssten Torheiten derer sich politische Verantwortungstr\u00e4ger schuldig machen k\u00f6nnen, ist das Leugnen der Tatsache, dass sich die Natur des Menschen nicht \u00e4ndern l\u00e4sst und gewisse Dinge darum als konstant zu betrachten sind. Insbesondere Politiker, die sich selbst als \u00abl\u00f6sungsorientiert\u00bb bezeichnen, scheuen h\u00e4ufig bereits die Anerkennung und die Auseinandersetzung mit unliebsamen Tatsachen. Ihnen geht es angeblich nur um die Verwirklichung hehrer Ziele. Damit suggerieren sie nat\u00fcrlich auch, sie verf\u00fcgten \u00fcber die F\u00e4higkeit die Geschichte zu gestalten. Manche gehen sogar so weit, ganz offiziell einen \u00abneuen Menschen\u00bb schaffen zu wollen. S\u00e4mtliche entsprechende Unterfangen endeten blutig.<\/p>\n<p><strong>Verdrehung der Sprache<\/strong><\/p>\n<p>Versuche, die Realit\u00e4t den jeweiligen W\u00fcnschen und Vorstellungen anzupassen, beginnen mit der Ver\u00e4nderung und der Beeinflussung des Sprachgebrauchs. Schon immer war Propaganda ein Teil der Kriegsf\u00fchrung. Caesar schrieb seine Berichte genauso in Propagandaabsicht wie Napoleon, der seine Bulletins pers\u00f6nlich redigierte. Und mit Aufkommen der Fotografie und sp\u00e4ter mit elektronischen Medien wurden die M\u00f6glichkeiten grenzenlos.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist beispielsweise, wie es der armeekritischen Linken gelungen ist, selbst den Ausgang des Kalten Kriegs ins komplette Gegenteil umzukehren. Mit einem Spin, der aus PR-Sicht Bewunderung abverlangt, ist es ihr gelungen den Begriff \u00abKalter Krieger\u00bb negativ zu konnotieren. Die schlichte Tatsache, dass es die \u00abkalten Krieger\u00bb waren, die den Kalten Krieg eindeutig gewannen, wird vollst\u00e4ndig ausgeblendet. Stattdessen wird die Karikatur fanatischer Milit\u00e4rs gezeichnet, die auf l\u00e4ngst \u00fcberholte Mittel und Methoden schw\u00f6ren.<\/p>\n<p>Propaganda muss nicht zwingend kriegstreiberisch sein. Sie zielt ganz allgemein darauf ab, beim Rezipienten einen falschen Eindruck von der Wirklichkeit zu erzeugen. Es k\u00f6nnen sogar vermeintlich gute Absichten dahinterstecken.<\/p>\n<p>Bekannt sind die Slogans aus Orwells \u00ab1984\u00bb: \u00abKrieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist St\u00e4rke!\u00bb. Hier werden Begriffe mit ihrem genauen Gegenteil gleichgesetzt.<\/p>\n<p>Auch ohne \u00abgrossen Bruder\u00bb und ein \u00abWahrheitsministerium\u00bb sind wir nicht weit von solchen Sprachverdrehungen entfernt. Ministerien, die f\u00fcr Krieg zust\u00e4ndig sind, heissen nicht \u00abKriegsministerium\u00bb, sondern \u00abVerteidigungsministerium\u00bb. Auch in der Schweiz wurde das \u00abMilit\u00e4r\u00bb aus dem Namen entfernt und daf\u00fcr durch \u00abBev\u00f6lkerungsschutz und Sport\u00bb erg\u00e4nzt. Dahinter stehen Absichten: Es soll verschleiert werden, dass es um Krieg, und damit ums T\u00f6ten geht.<\/p>\n<p>Krieg wird vor diesem Hintergrund euphemistisch als \u00abpeace enforcement\u00bb oder \u00abpeace keeping\u00bb bezeichnet. Das erm\u00f6glicht es Schweizer Politikern, die der Neutralit\u00e4t \u00fcberdr\u00fcssig sind, das eine zu begr\u00fcssen und das andere auszuschliessen, obwohl diese Trennung in der Realit\u00e4t kaum m\u00f6glich ist. In der Medieninformation des VBS zum \u00abKadertag f\u00fcr flexiblere Armee\u00bb vom 15. Februar 2000 liest sich das wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u00abZum Reformprozess Armee XXI sagte VBS-Chef Adolf Ogi: &#8222;Wir m\u00fcssen eine Armee planen, die politisch machbar und durchsetzbar ist.&#8220; Deshalb habe er klare Leitplanken gesetzt: So stehe die Neutralit\u00e4t nicht zur Diskussion, ebenso wenig ein B\u00fcndnisbeitritt zu NATO und WEU. Bei der Friedensunterst\u00fctzung komme Peace Enforcement keinesfalls in Frage.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Die Wortwahl ist so entlarvend, wie sie zu verschleiern versucht. Es beginnt beim Motto der Tagung: \u00abF\u00fcr eine flexiblere Armee\u00bb. Muss eine Armee flexibel sein oder in der Lage, ihren Auftrag zu erf\u00fcllen? Aber, wer kann schon gegen Flexibilit\u00e4t sein? Die gleichen Leute,, die solche leeren Begriffe verwenden, reden \u00fcbrigens auch einer \u00abdynamischen Rechts\u00fcbernahme\u00bb das Wort.<\/p>\n<p>Dann distanziert sich der VBS-Chef vom Projekt, indem er seinem Publikum zu verstehen gibt, dass er pers\u00f6nlich eigentlich noch viel weiter gehen m\u00f6chte, dies aber nicht f\u00fcr machbar und durchsetzbar h\u00e4lt. Seine \u00abLeitplanken sollen als Kompromiss verstanden werden, als w\u00e4re die Sicherheit des Landes verhandelbar.<\/p>\n<p>Dann wird behauptet, die Neutralit\u00e4t stehe nicht zur Diskussion, ebenso wenig ein B\u00fcndnisbeitritt zu NATO und WEU. Das ist Augenwischerei, denn bis zum Vollbeitritt zur Nato ist praktisch alles m\u00f6glich. So ist die ganze Armeef\u00fchrung auf Nato-Strukturen ausgerichtet, laufend werden Truppen und St\u00e4be von ausl\u00e4ndischen Delegationen inspiziert und als franz\u00f6sische Panzertruppen auf der Wichlenalp Schiess\u00fcbungen durchf\u00fchrten verweigerten sie sogar die Auskunft \u00fcber die dabei verwendete Munition.<\/p>\n<p>Auch der Hinweis, dass bei der Friedensunterst\u00fctzung \u00abPeace Enforcement\u00bb keinesfalls in Frage komme, ist unsinnig. \u00abFriedensunterst\u00fctzung\u00bb heisst nichts anderes als ein bewaffneter milit\u00e4rischer, also kriegerischer Einsatz. Dass ein solcher rasch in ein Gefecht umschlagen kann, liegt in der Natur der Sache.<\/p>\n<p>Wie sollten sich Schweizer Soldaten in einer solchen Situation verhalten? Davonlaufen oder kapitulieren, weil der Bundesrat nicht die Kraft hat, Krieg als Krieg und die Preisgabe der Neutralit\u00e4t als Preisgabe der Neutralit\u00e4t zu bezeichnen?<\/p>\n<p><strong>Ein CEO als Sicherheitsproduzent?<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Armeef\u00fchrung scheint bisweilen zu vergessen, dass sie einen ernsthaften Auftrag zu erf\u00fcllen hat. Immer wieder wird hingenommen, dass die Armee \u2013 und damit B\u00fcrger in Uniform! \u2013 als \u00abDienstleister\u00bb missbraucht werden. Nachdem der Armee im Rahmen der letzten Expo eine Leistungsschau verwehrt wurde, zeigte man sich erfreut dar\u00fcber, wenigstens als Verkehrskadetten oder bei der Abfallbeseitigung in Erscheinung treten zu d\u00fcrfen. Der Einsatz von Soldaten an Sportanl\u00e4ssen ist bereits Routine.<\/p>\n<p>In diese Bild passt die Aussage des ersten Armeechefs, der als Dreisternegeneral von sich sagte, er sei der CEO der Armee, und sein Produkt sei Sicherheit\u2026<\/p>\n<p><strong>Von einem \u00abFriedensprojekt\u00bb umzingelt<\/strong><\/p>\n<p>Eines der wichtigsten Dogmen der Internationalisten ist jenes von der EU als \u00abFriedensprojekt\u00bb, das mit einem Friedensnobelpreis gewissermassen kanonisiert wurde.<\/p>\n<p>Gewiss waren die Gr\u00fcnderv\u00e4ter, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Europ\u00e4ische Gemeinschaft f\u00fcr Kohle und Stahl (Montanunion) ins Leben riefen, aus der \u00fcber die R\u00f6mischen Vertr\u00e4ge, die EWG, die EG und schliesslich die EU hervorgingen, von den besten Absichten getrieben. Es brauchte grossen Mut und den Glauben an ein friedliches Zusammenleben, um nach dem Leid, das Nazi-Deutschland \u00fcber Europa und die Welt brachte einen solchen Neuanfang zu wagen.<\/p>\n<p>So gesehen mag die EU tats\u00e4chlich ein \u00abFriedensprojekt\u00bb sein, doch ist es gerade die damit einhergehende und von Politikern kultivierte \u00dcberh\u00f6hung ins Mystische, die eine kritische Auseinandersetzung erschwert und den Blick auf die Realit\u00e4t vernebelt. Die l\u00e4ngste Friedensperiode in der Geschichte des Kontinents ist weit mehr dem atomaren \u00abGleichgewicht des Schreckens\u00bb zu verdanken als einem Kl\u00fcngel von Funktion\u00e4ren, die sich berufen f\u00fchlen, ohne entsprechende demokratische Legitimation die V\u00f6lker Europas in einen Bundesstaat zu zwingen.<\/p>\n<p>Seit Frankreich und D\u00e4nemark den Maastrichter Vertrag ablehnten und die Politiker Besserung versprachen, ist in der EU nichts besser geworden. Aber an einem \u00abFriedensprojekt\u00bb darf sich nichts verschlechtern, denn das w\u00fcrde ja bedeuten, dass man sich auf Krieg zubewegt. Also wird weiter behauptet, was nicht den Tatsachen entspricht, nur um die Fassade zu wahren.<\/p>\n<p>Die Legende vom \u00abFriedensprojekt\u00bb kam den klammen Mitgliedstaaten entgegen, denn sie er\u00f6ffnete ihnen die M\u00f6glichkeit, die eigenen Verteidigungsausgaben zu senken. Im Ernstfall, so wurde spekuliert, w\u00fcrden die USA bestimmt erneut helfen. Und so unterliessen es auch die meisten Nato-Mitglieder unter ihnen, die vertraglich vereinbarten 2 Prozent ihres BIP f\u00fcr Verteidigungszwecke aufzuwenden. Es war an Donald Trump, sie in der ihm eigenen Klarheit auf Ihr Vers\u00e4umnis aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Auch die Schweiz vernachl\u00e4ssigte ihren Verteidigungsauftrag str\u00e4flich, schliesslich ist sie von einem \u00abFriedensprojekt\u00bb umzingelt.<\/p>\n<p><strong>Vernachl\u00e4ssigung der Erfahrungen und Lehren<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Rausch des Wohlbehagens werden unbequeme Wahrheiten verdr\u00e4ngt. Wie in Homers Erz\u00e4hlung vom trojanischen Pferd, wo Kassandras und Laokoons eindringliche Warnungen in den Wind geschlagen wurden, wird allzu gerne ausgeblendet, was nicht ins Konzept passt.<\/p>\n<p>Wer Krieg f\u00fchrt, will ihn gewinnen. Nach der Wahrheit, die bekanntlich zuerst stirbt, hat auch das Recht im Krieg einen schweren Stand. Nicht umsonst heisst es \u00ab\u00e0 la guerre, comme \u00e0 la guerre!\u00bb. Krieg ist nicht fair. Im Krieg ist mit allem zu rechnen. Umso wichtiger ist es, keinen Zweifel an der eigenen Ernsthaftigkeit aufkommen zu lassen. Wer hingegen glaubt, an so wichtigen Prinzipien, wie der bewaffneten Neutralit\u00e4t, herumrelativieren zu k\u00f6nnen, wird eines Tages mit der brutalen Realit\u00e4t konfrontiert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022715\"><\/a><strong>7.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Fataler Irrglaube an Hilfe seitens Dritter<\/strong><\/h1>\n<p>\u00abThere&#8217;s no such thing as a free lunch.\u00bb \u2013 W\u00e4hrend der Sinn dieses Satzes den meisten Menschen einleuchtet, glauben in der Politik nach wie vor viele, wo alle von gutem Willen beseelt seien, gebe etwas gratis. Auch in der Schweiz kannte die Begeisterung f\u00fcr das Nato-Programm \u00abPartnerschaft f\u00fcr den Frieden\u00bb (PfP) in gewissen Kreisen keine Grenzen. Bemerkenswert ist, dass die gleichen Kreise, die der Schweiz vorwerfen, sie w\u00fcrde gegen\u00fcber der EU Rosinenpickerei betreiben, PfP als eine Art Speisekarte r\u00fchmen, aus der man sich nach Belieben ein Men\u00fc zusammenstellen d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Wie der franz\u00f6sische General und Staatspr\u00e4sident Charles de Gaulle einst so treffend feststellte, haben Staaten keine Freunde, sondern lediglich Interessen. Es ist wohl nur mit Naivit\u00e4t zu erkl\u00e4ren, dass sich viele Regierende dieser simplen Erkenntnis verschliessen. Vielleicht tun sie es auch deshalb, weil sie die Anerkennung zu aktivem handeln Zwingen w\u00fcrde. So kann man bequem auf das Kollektiv verweisen.<\/p>\n<p>Dass darauf kein Verlass ist, bewies unl\u00e4ngst die Blockierung von Material zum Schutz vor der Corona-Pandemie, das f\u00fcr die Schweiz bestimmt war durch Deutschland und Frankreich. Diese beiden Nachbarl\u00e4nder, die nicht m\u00fcde werden, sich ihrer europ\u00e4ischen Gesinnung zu r\u00fchmen, entpuppten sich als Vertreter knallharter, egoistischer Interessenpolitik. Selbst mehrmalige Interventionen beim zust\u00e4ndigen EU-Handelskommissar und ein Machtwort Br\u00fcssels brachten lange nichts.<\/p>\n<p>Tatsache ist und bleibt, dass sich im Ernstfall jeder selbst der N\u00e4chste ist. Der Kluge bereitet sich vor, der Narr vertraut auf die anderen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022716\"><\/a><strong>8.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Gravierende organisatorische Fehlkonzeption und Zerst\u00f6rung bew\u00e4hrter Strukturen<\/strong><\/h1>\n<p>Besonders schwerwiegende Folgen f\u00fcr die Schweizer Armee hatte die deutliche Annahme des revidierten Bundesgesetzes die Armee und die Milit\u00e4rverwaltung (Milit\u00e4rgesetz, MG) in der Volksabstimmung vom 18. Mai 2003. 76 Prozent der Stimmbev\u00f6lkerung stimmten der Vorlage zu.<\/p>\n<p>FDP (heute: FDP.Die Liberalen) und CVP (heute: Die Mitte) triumphierten gemeinsam mit der Linken \u00fcber die SVP. Ein Muster, das sich noch mehrfach wiederholen sollte, bis sich die Fehlentwicklung nicht l\u00e4nger unter dem Deckel halten liess und mit der WEA-Vorlage (Weiterentwicklung der Armee) die schlimmsten Fehler und Missst\u00e4nde korrigiert wurden. Es blieb allerdings bei Retuschen.<\/p>\n<p>Wie schwerwiegend die Missst\u00e4nde sind, brachten unter anderem die grossangelegten Armee-Stabsrahmen\u00fcbungen \u00abStabilo\u00bb (2007) und \u00abStabilo Due\u00bb (2012) ans Licht. Die Resultate der zweiten \u00dcbung waren so miserabel, dass sie die Armeef\u00fchrung unter Verschluss halten wollte. Die \u00abNZZ am Sonntag\u00bb sprach gar von einem \u00abTotalversagen der Armeef\u00fchrung\u00bb.<\/p>\n<p>In der Folge wurde \u00abdie Kommunikation verbessert\u00bb, das heisst: Es wurden noch mehr \u00abFassadenpolierer\u00bb eingestellt. Das VBS verf\u00fcgt schon l\u00e4ngst \u00fcber den gr\u00f6ssten Kommunikationsapparat s\u00e4mtlicher Departemente. Dies wiederum hatte den unliebsamen Nebeneffekt, der Personifizierung auch in Fragen der Landesverteidigung. Jeder Vorfall an einer Rekrutenschule musste pl\u00f6tzlich von h\u00f6chster Ebene kommentiert werden, was der Sache h\u00e4ufig nicht angemessen ist, und den \u00abChef\u00bb \u00fcberh\u00f6ht, indem er unn\u00f6tigerweise ins Schaufenster ger\u00fcckt wird.<\/p>\n<p><strong>Zerst\u00f6rung einfacher und bew\u00e4hrter Kommandostrukturen<\/strong><\/p>\n<p>Auch der Schaffung des unschweizerischen Amts eines \u00abChef der Armee\u00bb lagen wohl vor allem PR-Erw\u00e4gungen und Nato-Vorgaben zugrunde.<\/p>\n<p>Zuvor war die Armee klar und einfach gegliedert: Es gab drei Feldarmeekorps und ein Gebirgsarmeekorps (mit je drei Divisionen) \u2013 gef\u00fchrt von je einem Korpskommandanten. Diese wurden zusammen mit dem Ausbildungschef und dem Generalstabschef zu allen wesentlichen milit\u00e4rpolitischen Entscheiden beigezogen.<\/p>\n<p>Wenn die Schweizer Armee im Laufe ihrer Geschichte auch einige herausragende und \u00e4usserst f\u00e4hige Generalstabschefs hervorbrachte, waren diese in ihrer streng milit\u00e4rischen Funktion immer \u00abnur\u00bb Repr\u00e4sentanten eines Stabs, der im Kriegsfall dem General zur Verf\u00fcgung stand (\u00abprimus inter pares\u00bb).<\/p>\n<p>Mit dem \u00abChef der Armee\u00bb wurde eine Zwitter-Funktion zwischen Milit\u00e4r und Politik geschaffen. Diese Poleposition wirkt pr\u00e4judiziell, was sich im Ernstfall, wenn es darum geht, dass die Bundesversammlung einen Oberbefehlshaber w\u00e4hlt, als nachteilig erweisen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Sabotage der Mobilmachung<\/strong><\/p>\n<p>Bis zur Armee XXI verf\u00fcgte die Schweizer Armee \u00fcber ein vorbildliches System der Mobilmachung, das in jedem Wiederholungskurs exerziert wurde: Jeder Soldat wusste, wo er \u2013 mit Munition und Sturmgewehr \u2013 einzur\u00fccken hatte. Er kannte das betreffende Geb\u00e4ude und die anwesenden Kameraden. Er wusste, wo sich die Fasstrasse befand, war innert k\u00fcrzester Zeit ausger\u00fcstet und er kannte seinen Auftrag.<\/p>\n<p>Innert 24 Stunden hatte die Schweiz eine halbe Million Soldaten unter den Waffen. Dann kamen die \u00abExperten\u00bb. Nun braucht es Tage und Wochen, bis die Truppe in der Lage ist, den Bewachungsauftrag f\u00fcr kritische Infrastruktur zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Eine Mobilmachung ist heute in erster Linie eine enorme logistische Angelegenheit, bei der nach Murphy schief geht, was schiefgehen kann.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend jede Kompanie fr\u00fcher mit dem eigenen und vertrauten Material, das dezentral gelagert wurde, arbeitete und sich darum im eigenen Interesse um dessen Zustand k\u00fcmmerte, wird heute alles zentral gesteuert. Das f\u00fchrte zu enormen Kosten, denen keine Verbesserung gegen\u00fcbersteht. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Leider sind das nicht die Fragen, die aktuell debattiert werden. Im Zusammenhang mit dem neuen Logistikzentrum der Armee in Burgdorf BE wird nur heftig dar\u00fcber gestritten, ob das Dach mit einer Solaranlage ausgestattet werden oder begr\u00fcnt werden soll. Es besteht ein Zielkonflikt zwischen \u00abKlimaneutralit\u00e4t\u00bb und \u00abBiodiversit\u00e4t\u00bb. Da sind die Bed\u00fcrfnisse des Wehrmannes nachrangig.<\/p>\n<p><strong>Abschaffung des Flughafenregiments<\/strong><\/p>\n<p>Was die erw\u00e4hnte kritische Infrastruktur angeht, verf\u00fcgte die Armee fr\u00fcher \u00fcber speziell ausgebildete Einheiten zum Schutz der Flugh\u00e4fen Z\u00fcrich (Regiment) und Genf (Bataillon.) F\u00fcr jeden Angeh\u00f6rigen lag neben der pers\u00f6nlichen Ausr\u00fcstung zu Hause eine zweite am Einsatzort parat. Im Falle einer Alarmierung \u00fcber Pager wusste jeder, wo er sich umgehend einzufinden hat, und welchen Auftrag er vor Ort zu erf\u00fcllen hat.<\/p>\n<p>Weil es in der Nato keine Regimenter gibt, wurde diese hervorragenden Einheiten abgeschafft. Ein tauglicher Ersatz besteht nicht.<\/p>\n<p><strong>Entfremdung von der vertrauten Region<\/strong><\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6ssten St\u00e4rke einer Milizarmee ist die offensichtliche Verbundenheit mit den zivilen Verh\u00e4ltnissen. Die Soldaten kennen sich, und sie kennen die Regionen, in denen sie Dienst leisten.<\/p>\n<p>Wie wichtig dieser psychologische Faktor ist, musste auch George Washington im amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieg erfahren. Als Kommandant der \u00abContinental Army\u00bb schwebte ihm anf\u00e4nglich eine \u00abEinheitsarmee\u00bb vor, die stramm durchnummeriert keine R\u00fccksicht auf regionale Befindlichkeiten und Besonderheiten nehmen sollte. Das erwies sich als schwerer Fehler, den Washington bald korrigierte. Soldaten sind wesentlich leistungsbereiter, wenn sie im Verband mit den \u00abIhrigen\u00bb k\u00e4mpfen und wenn die Einheit sogar den Namen der Herkunftsregion tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Auch diese Einsicht wurde von den \u00abExperten\u00bb am Reissbrett als \u00abnicht mehr zeitgem\u00e4ss\u00bb eingestuft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022717\"><\/a><strong>9.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Schw\u00e4chung der Miliz<\/strong><\/h1>\n<p>Obwohl die Volksinitiative zur Abschaffung der Wehrpflicht 2013 wuchtig verworfen wurde, haben wir heute faktisch eine Freiwilligenarmee. Nur zaghaften Reformschritten im Zuge der WEA ist es zu verdanken, dass der Anteil der diensttauglichen M\u00e4nner im vergangenen Jahr wieder etwas angestiegen ist. Der Zivildienst ist im Vergleich zum Milit\u00e4rdienst noch immer viel zu attraktiv.<\/p>\n<p>Bezogen auf die Milit\u00e4rdiensttauglichkeit weisen die Kantone unterschiedliche Anteile auf. Diese liegen zwischen 83.8 und 58.8%. W\u00fcrde die Armee gef\u00fchrt und nicht nur verwaltet, w\u00e4re schon lange etwas gegen diesen Missstand unternommen worden. Denn entweder herrscht in gewissen Kantonen der Schlendrian, oder wir sind mit einem enormen volksgesundheitlichen Problem konfrontiert. Da es sich bei den Kantonen mit einer tiefen Tauglichkeitsrate allerdings weitgehend um die gleichen Kantone handelt, die auch \u00fcberdurchschnittlich hohe Gesundheitskosten verursachen, zieht man es in Bundesbern vor, dazu zu schweigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><a name=\"_Toc99022718\"><\/a><strong>10.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Aus den Augen aus dem Sinn<\/strong><\/h1>\n<p>In den 90er-Jahren \u00fcberwies das Berner Stadtparlament einen links-feministischen Vorstoss, wonach Milit\u00e4rfahrzeuge von st\u00e4dtischem Boden zu verbannen seien. Obwohl sich das rechtlich gar nicht durchsetzen liess, war damit ein wichtiges Zeichen gesetzt: Die Bundesstadt mit der \u00abGeneral Guisan-Kaserne\u00bb ist gegen das Milit\u00e4r. Die Saat war gesetzt.<\/p>\n<p>In Z\u00fcrich und anderen St\u00e4dten wurden Armeeangeh\u00f6rigen in Uniform der Zutritt zu Restaurants verwehrt und vornehmlich in der Westschweiz kam es zu t\u00e4tlichen Angriffen auf Soldaten im Ausgang.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckendeckung f\u00fcr die Armee und ihre Angeh\u00f6rigen seitens der Politik war d\u00fcrftig, und die Armeef\u00fchrung begn\u00fcgte sich mit der Empfehlung, Soldaten sollten auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen und Strassen in Gruppen auftreten.<\/p>\n<p>Diese schleichende Kapitulation ging weiter: Es wurde ein Verzicht auf gross angelegte Truppenman\u00f6ver erkl\u00e4rt. An ein Defilee oder auch nur eine Leistungsschau war pl\u00f6tzlich nicht mehr zu denken. Die Armee wurde aus der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Auch scheinb\u00fcrgerliche Kreise empfanden die Armee pl\u00f6tzlich als St\u00f6rfaktor. Aus Tourismusgebieten kam die Forderung, Wiederholungskurse so zu legen, dass Touristen keine Soldaten zu Gesicht bek\u00e4men und Letztere in der Zwischensaison f\u00fcr Umsatz in den Restaurants sorgten.<\/p>\n<p>Gegen den L\u00e4rm der Milit\u00e4rflugzeuge wurde sogar eine Volksinitiative lanciert, die 2008 die Zustimmung von Volk und St\u00e4nden fand. Die Luftwaffe wurde zu einer massiven Einschr\u00e4nkung ihrer Einsatzzeiten gezwungen, was wiederum den Armeekritikern Gelegenheit bot, \u00fcber eine Armee, die nur zu B\u00fcrozeiten einsatzbereit sei, zu spotten. Auch die Reduktion der Zahl der Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze und die geografische Verteilung der verbliebenen Einrichtungen belegt, dass die Verantwortlichen regelm\u00e4ssig den Weg des geringsten Widerstands nahmen.<\/p>\n<p>Schliesslich ist in diesem Zusammenhang der Kulturwandel in den Unternehmen zu erw\u00e4hnen. Vor allem in den grossen internationalen Konzernen mit ausl\u00e4ndischem Management wird der Milizgedanke, der sich hierzulande l\u00e4ngst nicht nur im Milit\u00e4rischen niederschl\u00e4gt, nicht mehr verstanden. Wo reines Kosten-Nutzen-Denken herrscht, haben Werte, wie F\u00fchrungserfahrung, Kameradschaft und Verwurzelung mit der Heimat einen schweren Stand.<\/p>\n<p>_____<\/p>\n<p>Erschienen im <a href=\"http:\/\/www.nebelspalter.ch\">&#8222;Nebelspalter&#8220;<\/a><\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Schweiz hat keine Armee, sie ist eine Armee&#8220;, schrieb der Bundesrat 1988 selbstbewusst in seiner Botschaft zur Armeeabschaffungs-Initiative. Im M\u00e4rz 2022 gibt Armeechef S\u00fcssli zu Protokoll: \u00abMit unseren heutigen Mitteln w\u00e4re nach ein paar Wochen Schluss\u00bb \u2013 Wie ist dieser Niedergang zu erkl\u00e4ren? Hier der ganze Text als PDF: Die zehn gr\u00f6ssten Torheiten auf &hellip; <a href=\"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=495105\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die zehn gr\u00f6ssten Torheiten auf dem Weg zur Kriegsuntauglichkeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-495105","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p6ORi5-24Nz","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/495105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=495105"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/495105\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":495116,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/495105\/revisions\/495116"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=495105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=495105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=495105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}