{"id":495351,"date":"2025-09-26T08:45:30","date_gmt":"2025-09-26T06:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=495351"},"modified":"2025-09-26T08:45:30","modified_gmt":"2025-09-26T06:45:30","slug":"nachruf-auf-alfred-heer-dem-die-svp-viel-zu-verdanken-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=495351","title":{"rendered":"Nachruf auf Alfred Heer, dem die SVP viel zu verdanken hat"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_495352\" aria-describedby=\"caption-attachment-495352\" style=\"width: 213px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008-scaled.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-495352\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008.jpg?resize=213%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008-scaled.jpg?resize=213%2C300&amp;ssl=1 213w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008-scaled.jpg?resize=727%2C1024&amp;ssl=1 727w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008-scaled.jpg?resize=768%2C1082&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008-scaled.jpg?resize=1090%2C1536&amp;ssl=1 1090w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008-scaled.jpg?resize=1453%2C2048&amp;ssl=1 1453w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008-scaled.jpg?w=1817&amp;ssl=1 1817w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zanetti.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Alfred_Heer_Nationalrat_2008-scaled.jpg?w=948&amp;ssl=1 948w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-495352\" class=\"wp-caption-text\">Alfred Heer, SVP-ZH, Nationalrat, fotografiert im Dezember 2007.<br \/>\u00a9Monika Flueckiger<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es war im \u00abHaus der Freiheit\u00bb bei Toni Brunner. Der Pr\u00e4sident der SVP des Kantons Z\u00fcrich Domenik Ledergerber trat nach einem Telefonat an uns, eine Gruppe alter SVPler, die sich regelm\u00e4ssig zu einem Essen und zum Gedankenaustausch trifft, heran und informierte uns \u00fcber den Tod unseres lieben Mitstreiters Alfred Heer im Alter von nur 63 Jahren. In der Nacht auf Freitag, 19. September 2025 mitten im pulsierenden Herzen des Z\u00fcrcher Ausgehviertels, das er so liebte, hat ihn ein pl\u00f6tzlicher medizinischer Notfall ereilt. Heer hinterl\u00e4sst eine erwachsene Tochter. Ihr, seinen beiden Br\u00fcdern und den weiteren Angeh\u00f6rigen dr\u00fccke ich an dieser Stelle mein tief empfundenes Beileid aus.<\/p>\n<p>Die Nachricht traf uns, die wir eben noch unter B\u00e4umen, die uns vor der gleissenden Herbstsonne sch\u00fctzten, Wein aus dem Hause \u00abParmelin\u00bb genossen, wie ein Schlag. Rasch machten Erinnerungen und Anekdoten im Zusammenhang mit Fredi die Runde. Allen war klar: Wir haben einen grossen Verlust zu beklagen.<\/p>\n<p>Zwar wussten wir um Heers gesundheitliche Probleme, die er jedoch gerne herunterspielte, und denen er mit intensiven sportlichen Aktivit\u00e4ten zu begegnen suchte. Alfred redete nicht gerne \u00fcber sich und \u00fcber seine Sorgen. Umso gr\u00f6sser war sein offenes Ohr f\u00fcr Bed\u00fcrfnisse und \u00c4ngste seiner Mitmenschen. Er war gewiss kein Sozialist, auch kein Sozialdemokrat. Er war stattdessen sozial. Er verstand es als seine Aufgabe, der Gemeinschaft zu dienen. Reine Umverteilung und der Aufbau einer Sozialindustrie waren ihm ein Gr\u00e4uel.<\/p>\n<p>Bei einem anderen Essen, das vor fast 30 Jahren in meinem Elternhaus stattfand, eroberte Alfred Heer das Herz meines Vaters mit der Bemerkung, er sei \u00abim Schatten des G\u00fcterbahnhofs aufgewachsen\u00bb. Mein Vater, der ihn fortan \u00fcberaus sch\u00e4tzte, erkannte sofort, aus welch gutem Holz Alfred Heer geschnitzt war. Dieses wirkte nur auf den ersten Blick ungehobelt. Im Gespr\u00e4ch wurde rasch klar, dass Alfred Heer aus dem Vollen sch\u00f6pfte. Er sprach mehrere Sprachen und kannte die Welt und die H\u00e4rten des Wirtschaftslebens als Unternehmer. Gerne erz\u00e4hlte er von seinen zahlreichen Abenteuern. Nie stellte er sich dabei in den Vordergrund. Ihm ging es stets um die Sache.<\/p>\n<p>Alfred Heer war ein Mensch, der sich nicht nur mit den Fragen unseres irdischen Daseins besch\u00e4ftigte. Er wollte auch wissen, woher wir kommen, und wohin wir gehen. Religion \u2013 nicht Fr\u00f6mmlerei \u2013 hatte einen bedeutenden Platz in seinem Leben. Sein reformierter Glaube war ihm wichtig, und bei der Auseinandersetzung mit dessen Wurzeln besch\u00e4ftigte er sich auch intensiv mit dem Judentum. Er kannte die Thora, lernte Hebr\u00e4isch bis zur Konversationsf\u00e4higkeit und war ein echter Freund Israels.<\/p>\n<p>Alfred Heer war der Typ Mensch, der einem zuh\u00f6rte, wirklich zuh\u00f6rte, und der mit einem einzigen \u2013 manchmal br\u00fcskierenden \u2013 Satz die Welt klarer machte. Sein Charisma, seine Offenheit, sein Mut, klare Kanten zu zeigen \u2013 das machte ihn unvergesslich. Fredi stand immer f\u00fcr das Gemeinwohl ein, ob in der Debatte um Migration, Wirtschaft oder Unabh\u00e4ngigkeit. Er war kein Karrierist, sondern ein \u00dcberzeugungst\u00e4ter, der mit Ehrlichkeit und Humor die Politik menschlicher machte.<\/p>\n<p>Gleichwohl war Alfred Heer das, was wir bei der SVP einen \u00abKrieger\u00bb nennen. Seine Verdienste f\u00fcr die Z\u00fcrcher SVP sind kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen. Er und seine Mitstreiter, von denen ich an dieser Stelle Mauro Tuena hervorheben m\u00f6chte, nahmen es auf sich, f\u00fcr den Rest der Partei die harte Grenadiersarbeit zu erledigen und ihre K\u00f6pfe hinzuhalten. Wenn sich die Qualit\u00e4tsjournaille oder politische Gegner \u00fcber den schlechten Stil der Z\u00fcrcher SVP ereiferten, zielten sie auf Christoph Blocher und Alfred Heer, die allerdings keinen schlechten, sondern einen notwendigen Stil pflegten. Das kompromisslose Einstehen f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der Schweiz sowie f\u00fcr tiefe Steuern und der Kampf gegen den Asylrechtsmissbrauch erwies sich als richtig und erfolgreich. Manch ein Nationalrat verdankt seinen Sitz in Tat und Wahrheit Alfred Heer.<\/p>\n<p>Dass Alfred Heer \u00fcber ausserordentliche Talente verf\u00fcgte, war mir seit unserem ersten Zusammentreffen klar. So bewunderte ich beispielsweise sein unglaubliches Gesp\u00fcr f\u00fcr Stimmungen, das mir manchmal an Zauberei zu grenzen schien. Als Neokantonsrat erlebte ich ihn als Pr\u00e4sident der WAK, wo er durch Dossierkenntnis und gute F\u00fchrung zu gl\u00e4nzen vermochte. In der Strategiekommission der Kantonsratsfraktion, die jede Woche fr\u00fchmorgens im B\u00fcro von Rudolf Ackeret stattfanden, \u00fcberzeugte er sowohl durch seine Konzepte wie auch durch seinen Schalk. Unter seiner F\u00fchrung als Fraktions- und Kantonalparteipr\u00e4sident gelange es sogar, die Steuern substanziell zu senken. Heute erf\u00fcllt es mich mit Stolz, dass uns die NZZ einmal als das \u00abDuo infernale der Z\u00fcrcher SVP\u00bb bezeichnete.<\/p>\n<p>Seit 2011 war Alfred Heer auch Mitglied der Schweizer Delegation im Europarat, die er bald auch anf\u00fchrte. Er war ein Diplomat mit schweizerischem Kern, der Br\u00fccken baute, ohne je seine Prinzipien zu verraten. Auch jenseits der B\u00fchne, jenseits der Kanzeln und Konferenzs\u00e4le zeigten seine F\u00e4higkeiten Wirkung, so etwa bei der Absetzung des korrupten Ratspr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Zum letzten Mal sah ich Alfred Heer an der diesj\u00e4hrigen Bundesfeier, an der er die Gossauer Bev\u00f6lkerung zur aktiven Teilnahme an politischen Entscheidungsprozessen aufrief. Sein Auftritt wurde als ebenso vers\u00f6hnlich wie ehrlich bewertet, was mir auch von einigen Linken best\u00e4tigt wurde.<\/p>\n<p>Alfred Heer war nicht nur eine bekannte und pr\u00e4gende Figur der Schweizer Politik, sondern in erster Linie ein aufrechter, authentischer und leidenschaftlicher Mensch, der stets mit ganzem Herzen f\u00fcr das k\u00e4mpfte, woran er glaubte. Seine gradlinige Art, sein unerm\u00fcdlicher Einsatz f\u00fcr seine \u00dcberzeugungen und seine Verbundenheit mit dem Volk haben ihn weit \u00fcber die Grenzen seiner Partei und seines Kantons hinaus respektiert und gesch\u00e4tzt gemacht. Die Reaktionen auf seinen Tod beweisen denn auch, wie oberfl\u00e4chlich das Bild war, das die Qualit\u00e4tsjournaille jahrelang von ihm zeichnete.<\/p>\n<p>Alfred Heer war ein Mensch. Sein Andenken gereiche uns zum Segen.<\/p>\n<p>Ruhe in Frieden, lieber Freund.<\/p>\n<p>Claudio Zanetti<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war im \u00abHaus der Freiheit\u00bb bei Toni Brunner. 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