{"id":57,"date":"2009-08-10T14:46:33","date_gmt":"2009-08-10T12:46:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.zanetti.ch\/?p=57"},"modified":"2009-09-22T11:31:39","modified_gmt":"2009-09-22T09:31:39","slug":"eu-beitritt-lasst-uns-daruber-streiten-%e2%80%93-und-abstimmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=57","title":{"rendered":"EU-Beitritt? Lasst uns dar\u00fcber streiten \u2013 und abstimmen!"},"content":{"rendered":"<p>Der \u201eClub Helv\u00e9tique\u201c\u2026 Wie bitte, Sie kennen den \u201eClub Helv\u00e9tique\u201c nicht? \u2013 Das ist eine Clique linksintellektueller Euroturbos, die bisher vor allem durch Intrigen und Verunglimpfungen im Vorfeld von Bundesratswahlen aufgefallen ist. Dieser Verein hat sich also zum letzten 1. August zu Wort gemeldet und ein \u201eEuropa-Manifest\u201c publiziert, auf das keiner gewartet hat. Selbst die Autoren scheinen ihrem Traktat kein grosses Gewicht beizumessen. Erst mit mehrt\u00e4giger Versp\u00e4tung ist das Papier vom Internet abrufbar. Entsprechend bescheiden blieb das Medienecho. Einzig die Westschweizer Tageszeitung \u201eLe Temps\u201c brachte die Sache gross heraus. Eine Redaktorin des unabh\u00e4ngigen Qualit\u00e4tsblatts ist Mitunterzeichnerin.<\/p>\n<p>Nicht ein einziger origineller oder gar provokativer Gedanke findet sich in dem Papier. Ein Manko, das die zahllosen Gemeinpl\u00e4tze nicht aufzuwiegen verm\u00f6gen. \u00dcberraschend ist lediglich, dass Professoren von Schweizer Hochschulen f\u00fcr einen dermassen seichten Text verantwortlich zeichnen. Schon die ersten beiden S\u00e4tze, die an einen Werbeslogan f\u00fcr ein Putzmittel erinnern, k\u00f6nnten platter nicht sein: \u201eAlle reden von den Bilateralen. Wir reden vom EU-Beitritt.\u201c Gleich zu Beginn die erste Nebelpetarde. Die M\u00e4nner und Frauen vom \u201eClub Helv\u00e9tique\u201c haben nicht einmal genug F\u00fcdli, um offen zu sagen, dass sie f\u00fcr den EU-Beitritt sind. Ihre Behauptung, es gehe ihnen darum, lediglich eine Debatte anzustossen, ist Augenwischerei. Eine Beleidigung f\u00fcr jeden denkenden Zeitgenossen.<\/p>\n<p>Es stimmt: Sie reden tats\u00e4chlich gerne im \u201eClub Helv\u00e9tique\u201c. Einer gibt sogar an, er sei Mitglied geworden, weil er den \u201erationalen Gedankenaustausch unter intelligenten Zeitgenossen\u201c suche. Intelligent bedeutet in diesem Kreis allerdings \u201egleich gesinnt\u201c, um nicht zu sagen: gleichgeschaltet. Ausserhalb ihres Elfenbeinturms scheuen die Mitglieder des elit\u00e4ren Clubs den offenen politischen Disput wie der Teufel das Weihwasser. So hat beispielsweise die Aversion gegen die st\u00e4rkste demokratische Kraft des Landes mittlerweile pathologische Formen angenommen. Das \u201eEuropa-Manifest\u201c vermag die Zweifel an der Redlichkeit seiner Autoren nicht zu zerstreuen. Wer so um den heissen Brei herumredet, muss erst beweisen, dass er wirklich gewillt ist, eine Debatte \u00fcber die Zukunft unseres Landes offen und, wo n\u00f6tig, hart zu f\u00fchren. Jemanden, der anderer Meinung ist, des Rechtspopulismus oder gar der Fremdenfeindlichkeit zu bezichtigen, erschwert die angeblich gew\u00fcnschte Debatte.<\/p>\n<p>Diskutieren wir! Ihr wollt, so schreibt Ihr liebe Helvetiker, der \u201eErosion der nationalen Demokratien\u201c entgegentreten. Doch, warum sollen wir unsere direkte Demokratie zur Folklore verkommen lassen, um eine \u201eeurop\u00e4ische Demokratie\u201c aufzubauen, die keiner der \u201ein Europa\u201c Herrschenden will? Eure Verlautbarungen zum V\u00f6lkerrecht zeigen nur allzu klar, wohin die Reise gehen soll. Warum redet Ihr eigentlich nirgends von den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern und deren Rechten? Misst sich die Qualit\u00e4t eines Gemeinwesens nicht mehr am Wohle der Schwachen, wie es in unserer Bundesverfassung heisst? Warum sucht man in Eurem Manifest die Begriff \u201eFreiheit\u201c und \u201eNeutralit\u00e4t\u201c vergeblich? Warum sollen wir in ein System wechseln, dass zwar Mindeststeuern, aber keinen Schutz vor zu hohen Steuern kennt? Ist es nicht besser, in Bern Probleme zu l\u00f6sen, als in Br\u00fcssel dar\u00fcber zu reden? Und warum soll Mitbestimmung besser sein als Selbstbestimmung. Und f\u00fcr wen ist es besser?<\/p>\n<p>Es gibt in der Tat viele Fragen, \u00fcber die es sich zu streiten lohnt. Also streiten wir! Und dann stimmen wir ab. Aber dann gebt Ihr bitte Ruhe. Versprochen?<\/p>\n<p>_____<\/p>\n<p>Erschienen in der Berner Zeitung vom\u00a0 8. August 2009<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u201eClub Helv\u00e9tique\u201c\u2026 Wie bitte, Sie kennen den \u201eClub Helv\u00e9tique\u201c nicht? \u2013 Das ist eine Clique linksintellektueller Euroturbos, die bisher vor allem durch Intrigen und Verunglimpfungen im Vorfeld von Bundesratswahlen aufgefallen ist. Dieser Verein hat sich also zum letzten 1. August zu Wort gemeldet und ein \u201eEuropa-Manifest\u201c publiziert, auf das keiner gewartet hat. Selbst die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=57\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">EU-Beitritt? 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