{"id":73,"date":"2009-09-15T09:20:08","date_gmt":"2009-09-15T07:20:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.zanetti.ch\/?p=73"},"modified":"2009-10-08T15:34:41","modified_gmt":"2009-10-08T13:34:41","slug":"stutzen-der-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=73","title":{"rendered":"St\u00fctzen der Macht"},"content":{"rendered":"<p>Medienschaffende bezeichnen sich gerne als H\u00fcter der Demokratie, als Kontrolleure von Justiz, Regierung und Verwaltung. Das ist Theorie. In der Praxis leben die Medien mit den von ihnen zu kontrollierenden Institutionen l\u00e4ngst in einer Symbiose.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit zu kritischem Denken scheint abhanden gekommen zu sein. Selbst Medienkonferenzen der Obrigkeit, an denen keine Fragen gestellt werden d\u00fcrfen, und stattdessen ex cathedra verk\u00fcndet wird, was als g\u00fcltig zu betrachten ist, werden brav hingenommen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Was im Bund seit l\u00e4ngerem f\u00fcr Wohlgef\u00fchl unter den Magistraten sorgt, wird auch im Kanton Z\u00fcrich zur Tradition. Auch hier lassen sich Journalisten Unglaubliches gefallen \u2013 so lange es aus dem Kaspar Escher-Haus kommt. Massgeblich ist, was die Regierung will. Ihr will man gefallen. Ein Beispiel: Da wird f\u00fcr viel Geld ein 210-seitiger Bericht \u00fcber die Situation der Muslime im Kanton Z\u00fcrich verfasst. Man kann davon ausgehen, dass ein solcher bei unserer Bev\u00f6lkerung auf ein gewisses Interesse stossen d\u00fcrfte. Der Regierung ist der Bericht allerdings \u2013 verst\u00e4ndlicherweise \u2013 <span>\u00a0<\/span>etwas peinlich. Sie hat ihn nur erstellen lassen, weil sie durch einen parlamentarischen Vorstoss dazu verpflichtet worden ist. Es ging also darum, die Sache m\u00f6glichst ohne \u00f6ffentliches Aufsehen \u00fcber die B\u00fchne zu bringen. Was tut man in einer solchen Situation? Man legt den Termin der Medienkonferenz auf den Nachmittag eines Tages, an dem eine seit Monaten angek\u00fcndigte Bundesratswahl stattfindet. Damit wird die Recherchearbeit der Journalisten massiv erschwert, was besonders bei einem so umfangreichen und wichtigen Bericht von Belang ist. Und zweitens ist klar, dass die Bundesratswahlen alles andere dominieren werden. Entweder war es ein absoluter Dilettant, der den Termin f\u00fcr die Medienkonferenz festgelegt hat, der unverz\u00fcglich entlassen geh\u00f6rt, oder der Termin wurde ganz bewusst so gesetzt. Das w\u00e4re eine gezielte Manipulation, und m\u00fcsste ebenfalls Konsequenzen haben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die Medien ihrerseits scheint das nicht zu interessieren. Sie tun brav, was die Regierung von ihnen erwartet \u2013 und berichten auch \u00fcber die Ratsdebatte bloss in einer Randnotiz. So haben weder die Regierung noch die Muslime einen Grund, sich zu \u00e4rgern.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medienschaffende bezeichnen sich gerne als H\u00fcter der Demokratie, als Kontrolleure von Justiz, Regierung und Verwaltung. Das ist Theorie. In der Praxis leben die Medien mit den von ihnen zu kontrollierenden Institutionen l\u00e4ngst in einer Symbiose. \u00a0 Die F\u00e4higkeit zu kritischem Denken scheint abhanden gekommen zu sein. 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