{"id":75,"date":"2009-09-17T13:19:35","date_gmt":"2009-09-17T11:19:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.zanetti.ch\/?p=75"},"modified":"2009-10-08T15:30:06","modified_gmt":"2009-10-08T13:30:06","slug":"adolf-m-macht-sich-sorgen-um-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=75","title":{"rendered":"Adolf M. macht sich Sorgen um die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Man kann es kaum glauben. Mit seinem neusten Coup ist Adolf Muschg punkto Dreistigkeit in neue Dimensionen vorgestossen. Ausgerechnet er, der beim Anblick von Geranien vor einem Chalet an Auschwitz denken muss. Ausgerechnet er, der \u201eNeutralit\u00e4t\u201c f\u00fcr einen \u201eunanst\u00e4ndigen Furz\u201c h\u00e4lt, beklagt, in der heute erschienen Ausgabe der \u201eZeit\u201c, das der Schweiz ist die Selbstachtung abhanden gekommen sei. Zwar kann man sich tats\u00e4chlich fragen, wie es um die Selbstachtung eines Landes bestellt ist, das einem Nestbeschmutzer wie Muschg einen Lohn bezahlt, doch das ist nicht das, was der G\u00fcnter Grass im Taschenformat meint.<\/p>\n<p>In seiner Analyse zum aktuellen Zustand der Schweiz kommt Muschg zum Schluss: Der Schweiz ist die Selbstachtung abhandengekommen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr formuliert er so: &#8222;Eigentlich befindet sich die Schweiz schon seit dem Bergier-Bericht, sp\u00e4testens seit dem Grounding der Swissair in einem kollektiven Dauerschock, an dem vielleicht das Typische, aber auch das Bedenklichste seine Verleugnung ist. Wenigstens hat die Schweiz das Problem nicht mehr, vor dem sie Keller 1862 noch glaubte warnen zu m\u00fcssen: sich auf dem Lorbeer auszuruhen, den ihr andere spenden.Muschg weiter: &#8222;Die immer noch reiche Schweiz erlebt etwas, was sie sich nicht leisten kann: Isolation. Die Rechthaberei der Gl\u00fccklichen, an denen Krieg und Elend ohne eigenes Verdienst vor\u00fcbergegangen sind, schl\u00e4gt auf sie selbst zur\u00fcck. Ob es uns passt oder nicht: Jetzt sind wir dabei &#8211; nur nicht in bester Form und unverhofft einsam. In unserem Selbstverst\u00e4ndnis hat sich eine L\u00fccke ge\u00f6ffnet, durch welche eine unverstandene Welt verd\u00e4chtig m\u00fchelos einbricht, ohne einer soliden Selbstachtung zu begegnen. Die alten Grenzbefestigungen waren schon lange br\u00fcchiger, als ihre Verteidiger wissen wollten. Dass das Land sich 1992 gegen die EU so dicht wie m\u00f6glich gemacht hat, war ein Fehler &#8211; was in der Politik bekanntlich schlimmer ist als ein Verbrechen. Ein paar Dutzend bilaterale Vertr\u00e4ge sind, bei aller n\u00f6tigen Pfiffigkeit, kein Ersatz f\u00fcr ehrliche Teilnahme und ehrenhafte Beteiligung.&#8220;<\/p>\n<p>Was Muschg da von sich gibt, ist ganz einfach d\u00e4mlich. Zwar haben auch Professoren das Recht, Unsinn zu erz\u00e4hlen, doch sollte es bei ihnen nicht gleich f\u00fcr jeden Zeitungsleser offensichtlich sein. Es ist ganz einfach Quatsch und schadet dem Land, zu behaupten, die Schweiz sei isoliert. Wir waren aussenpolitisch noch nie so pr\u00e4sent wie heute, und wenn es tats\u00e4chlich irgendwo Probleme gibt, so sind die genau auf diesen konzeptlosen Aktivismus einiger Egozentriker zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Auf Hilfe von \u201eVerb\u00fcndeten zu hoffen, ist naiv. Auch \u201eSicherheit durch Kooperation\u201c hat sich l\u00e4ngst als Illusion erwiesen. L\u00e4nder sind nicht weniger egoistisch als Individuen. EU-Mitglied \u00d6sterreich musste soeben auf Druck seiner Verb\u00fcndeten das Bankgeheimnis preisgeben, und EU-Mitglied England hat einen Lockerbie-Attent\u00e4ter nach Libyen entlassen, wo er von einer jubelnden Menschenmenge empfangen wurde. Niemand hat England geholfen. Im Gegenteil, die Briten rechtfertigten ihren Schritt sogar nicht mit Verweis auf den Druck, dem sich die Schweiz momentan ausgesetzt sieht. Und schliesslich Frankreich, ebenfalls EU-Mitglied: Auch unsere Nachbarn im Westen konnten bei der Befreiung nicht auf effiziente Hilfe von Partnern z\u00e4hlen. Deren Gerede machte auf Gaddafi nicht den Geringsten Eindruck. Ihn interessierten der Schuldenerlass in der H\u00f6he von 54 Mio. US-Dollar (L\u00f6segeld) und das in Aussicht gestellte \u201ediplomatische Entgegenkommen\u201c Frankreichs. Das war es, was ihn zur Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern bewog \u2013 nicht die Solidarit\u00e4t der Europ\u00e4er.<\/p>\n<p>Herr Muschg, seien Sie so gut: Lesen Sie das n\u00e4chste Mal Zeitung, bevor Sie in der Zeitung schreiben.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann es kaum glauben. Mit seinem neusten Coup ist Adolf Muschg punkto Dreistigkeit in neue Dimensionen vorgestossen. Ausgerechnet er, der beim Anblick von Geranien vor einem Chalet an Auschwitz denken muss. 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