{"id":83,"date":"2009-10-02T14:38:10","date_gmt":"2009-10-02T12:38:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.zanetti.ch\/?p=83"},"modified":"2009-10-04T20:30:13","modified_gmt":"2009-10-04T18:30:13","slug":"die-kulturfritzendammerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=83","title":{"rendered":"Die Kulturfritzend\u00e4mmerung"},"content":{"rendered":"<p>Die Verhaftung des polnisch-franz\u00f6sischen Filmemachers Roman Polanski in der Schweiz hat eines offensichtlich gemacht: Den totalen intellektuellen und moralischen Bankrott unserer linken Kulturschickeria.<\/p>\n<p>Geradezu schmerzhaft d\u00fcmmlich war, was der masslos \u00fcbersch\u00e4tzte Rolf Lyssy und sein aus Nizza zugeschalteter Sekundant Hans Schenker im der <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.telezueri.ch\/index.php?id=32216&amp;movie=fileadmin\/programmraster\/TalkTaeglich\/2009\/09\/28\/stream\/TalkTaeglich090928.flv&amp;showformatuid=10\">Sendung TalkT\u00e4glich vom 28. September 2009<\/a> auf TeleZ\u00fcri von sich gaben.<\/p>\n<p>Lyssy, der noch immer von seinem Film \u201edie Schweizermacher\u201c zehrt, liess seiner Emp\u00f6rung freien Lauf. Es gehe nicht an, den Regisseur zu verhaften, man d\u00fcrfe sich nicht hinter Paragraphen verstecken. Polanski sei schliesslich nicht irgendwer. Pardon? Sind unsere Kulturfritzen nicht mit dem Argument gegen die Einb\u00fcrgerungsinitiative der SVP angerannt, weil sogar die Demokratie dem Rechtsstaat untergeordnet sei? Und gilt Rechtsgleichheit nur, wenn es Lyssy und seinen linken Freunden passt?<\/p>\n<p>Dann konstruierte Lyssy einen Bezug zur Todesstrafe und bezeichnete das amerikanische Justizsystem pauschal als \u201eh\u00f6chst fragw\u00fcrdig\u201c. Ein Rating, das er nur wenig sp\u00e4ter auf\u201c \u201enicht \u00fcber jeden Verdacht erhaben\u201c zur\u00fcckstufte.<\/p>\n<p>Als sorgte er sich tats\u00e4chlich um die Schweiz, f\u00fchrte Lyssy weiter aus, mit der Verhaftung Polanskis sei ein \u201euns\u00e4glicher Imageschaden\u201c entstanden. Freilich wurde mit keinem Wort substantiiert, worin denn dieser bestehe. Auch der Frage, weshalb es dem Ruf eines Landes abtr\u00e4glich sein soll, wenn es sich an Gesetze und internationale Vereinbarungen h\u00e4lt, wurde nicht nachgegangen.<\/p>\n<p>Schliesslich insinuierte Lyssy, es sei Polanski eine Falle gestellt worden. Auch dies eine unreflektierte Behauptung, die umgehend durch einen anderen Unfug \u201ekorrigiert wurde. Es stimme schon, dass alles legal abgelaufen sei, doch sei halt eine andere Haltung gefordert. Auf die Vorz\u00fcge und allf\u00e4lligen Nachteile einer auf Willk\u00fcr basierenden Justiz wurde freilich nicht n\u00e4her eingegangen. Stattdessen wurde auf das zuvor kritisierte amerikanische System verwiesen, in dem es m\u00f6glich ist, dass ein abtretender Pr\u00e4sident als letzte Amtshandlung verurteilte Kriminelle begnadigt. Ein besonderes Flair scheint der linke Lyssy f\u00fcr Marc Rich zu haben, den er in diesem Zusammenhang besonders erw\u00e4hnte. Hat sich nicht auch Sozialdemokrat Josef Estermann als Z\u00fcrcher Stadtpr\u00e4sident f\u00fcr Richs Begnadigung eingesetzt?<\/p>\n<p><strong>Geplapper aus Nizza<\/strong><br \/>\nDie Aufgabe, an die Grenze des punkto Torheit Ertr\u00e4glichen vorzudringen, \u00fcbernahm Schauspieler Hans Schenker, der gerade in Nizza \u00fcber die Schrecken des Kapitalismus sinniert. Er sei \u201eemp\u00f6rt und schockiert\u201c \u00fcber den Umgang mit einem \u201eso genannten Verbrecher\u201c. Seiner Ansicht nach ist die \u2013 von Polanski nie bestrittene \u2013 Vergewaltigung (oral, anal und vaginal) einer 13 J\u00e4hrigen, die zuvor durch die Abgabe von Alkohol und Medikamenten widerstandslos gemacht wurde, also kein Verbrechen.<\/p>\n<p>Da Schenker offensichtlich nicht in der Lage ist, einen eigenen intelligenten Gedanken zu formulieren, zitierte er wiederholt aus der links-liberalen S\u00fcddeutschen Zeitung, in der ein nicht weiter substantiierter Zusammenhang zwischen der Verhaftung Polanskis und dem Steuerstreit mit den USA behauptet wird. Dann zeigte Schenker, dass er nicht einmal richtig zitieren kann: De Gaulle hat nicht gesagt: \u201eK\u00fcnstler geh\u00f6ren nicht ins Gef\u00e4ngnis\u201c, sondern \u201eOn n&#8216; arrete pas Voltaire&#8220;. Und das geschah nicht in Bezug auf Jean Genet, sondern auf Jean-Paul Sartre, der wegen Verteilens maoistischer Flugbl\u00e4tter festgenommen wurde. Abgesehen davon, ist de Gaulle nicht gerade ein leuchtendes Beispiel f\u00fcr einen Staatsmann, der sich gross um Rechtstaatlichkeit und Gewaltentrennung scherte.<\/p>\n<p>Als w\u00e4re im der Champagner im sp\u00e4tsommerlichen Nizza zu Kopf gestiegen, teilte Schenker nach allen Seiten aus. Es seien Denunzianten am Werk. Wo denn? Der Auftritt Polanskis am Z\u00fcrcher Filmfestival war gross angek\u00fcndigt. Es sei diffamiert worden. Wer denn? Polanski? Oder nicht vielmehr die Schweizer Polizei und Justiz durch Leute wie Schenker? Dann wurde der Schweiz Liebedienerei \u2013 ein Begriff, an dem Schenker grossen Gefallen gefunden hat \u2013 unterstellt, und Toni Brunner wurde kurzerhand zum verl\u00e4ngerten Arm der US-Justiz erkl\u00e4rt. Wie dumm geht\u2019s eigentlich noch?<\/p>\n<p>Ausgerechnet Schenker als Vertreter des Kulturteigs, der alles und jeden, der ihnen die Subventionen nicht nachwirft kritisiert, und nichts lieber tut als zu moralisieren, erkl\u00e4rte schliesslich, man habe \u201egenug von der moralisch Keule\u201c. Ja wer schwingt diese denn?<\/p>\n<p>Und als wollte Schenker wirklich auch dem Hintersten und Letzten beweisen, dass er nicht \u00fcber das Niveau der Sponti-Spr\u00fcche der 70er- und 80er-Jahre hinausgekommen ist, hob er zu folgendem Schlusswort an: \u201eDie Justiz macht keine Fehler \u2013 sie ist der Fehler!\u201c Was ist das anderes als eine Absage an den Rechtsstaat und die Ausrufung der Anarchie?<\/p>\n<p><strong>Linke weltweit am Ende<\/strong><br \/>\nErfreulich ist, dass sich diese Zerfallserscheinungen nicht auf die Schweiz beschr\u00e4nken. Auch im Ausland ist der intellektuelle Bankrott der linken Kulturfritzen offensichtlich. Auch die Schauspielerin Whoopi Goldberg f\u00fchlte sich berufen, sich zur Verhaftung Polanskis zu \u00e4ussern. Nun ist klar, dass sie ausser den Qualifikationen \u201eFrau\u201c, \u201eschwarz\u201c und \u201elinks\u201c nicht viel zu bieten hat. Wer als angebliche K\u00e4mpferin f\u00fcr die Rechte der Frauen Polanski mit dem Argument verteidigt, es sei ja gar \u201ekeine richtige Vergewaltigung\u201c gewesen, hat jegliche Glaubw\u00fcrdigkeit verspielt.<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich ihr Kollege Woody Allen, der das Vorgehen der Schweiz ebenfalls kritisierte. Auch er hatte ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter am Hals. Ein anderer w\u00fcrde in einer solchen Situation schweigen.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=zac1967\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Twittern<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verhaftung des polnisch-franz\u00f6sischen Filmemachers Roman Polanski in der Schweiz hat eines offensichtlich gemacht: Den totalen intellektuellen und moralischen Bankrott unserer linken Kulturschickeria. Geradezu schmerzhaft d\u00fcmmlich war, was der masslos \u00fcbersch\u00e4tzte Rolf Lyssy und sein aus Nizza zugeschalteter Sekundant Hans Schenker im der Sendung TalkT\u00e4glich vom 28. September 2009 auf TeleZ\u00fcri von sich gaben. Lyssy, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.zanetti.ch\/?p=83\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die Kulturfritzend\u00e4mmerung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[7,9,5],"tags":[],"class_list":["post-83","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medien","category-rechtsstaat","category-staat-und-demokratie"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p6ORi5-1l","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zanetti.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}