Heilsame Corona-Krise

Selbst einer so folgenreichen Epidemie, wie der durch das Corona-Virus verursachten, lässt sich Positives abgewinnen: Die Menschen finden zum normalen Denken zurück.

COVID-19 rückt manches wieder gerade. Ein winziges Partikel, nicht einmal Lebewesen, bringt hochtrabende Konzepte gescheiter Menschen und Funktionäre zum Einsturz. In Zeiten der Not besinnen sich die Menschen wieder auf das Bekannte und Bewährte. Von aussen ist keine Hilfe zu erwarten, darum helfen sich die Menschen selbst. In kleinen, überschaubaren Einheiten. Vertrauen haben sie nur in den Nationalstaat. Das Hohelied von Friedensprojekt und Wertegemeinschaft war gestern. Heute gilt wieder Charles de Gaulles Diktum, wonach Staaten keine Freunde, sondern lediglich Interessen haben.

Ein Beweis für diese Aussage, an deren Richtigkeit Realisten nie zweifelten, liefert gerade unser nördliches Nachbarland, das von der Schweiz bestellte und bezahlte Lieferungen mit Sanitätsmaterial an der Grenze für den Eigengebrauch zurückhält. Da ist plötzlich nichts mehr vorhanden von jener Solidarität die Deutschland von den Staaten fordert, die seine Flüchtlinge übernehmen sollen. Die Schweiz hat den deutschen Botschafter vorgeladen und gegen das Ausfuhrverbot protestiert. Immerhin! Was das bringt, bleibt abzuwarten. Denn, wer nimmt schon einen Protestierenden ernst, der nicht nur von seinem Peiniger gesetztes Recht übernehmen und sich dessen Jurisdiktion unterwerfen will, sondern der darüber hinaus auch noch bedingungslos jährliche Zahlungen in Milliardenhöhe in Aussicht stellt? Noch weit dümmer als die Kälber, die ihre Metzger wählen, sind zweifellos jene, die für ihre Schlachtung auch noch bezahlen.

Blattmann doch nicht übergeschnappt?

Selbst bei den eifrigsten Ministranten des Internationalismus macht sich Ernüchterung breit. Vor wenigen Tagen kritisierte der «Tages-Anzeiger» es sei bedenklich, wie schnell das medizinische Material ausgehe. Es brauche grössere Lager. Wie war das noch, als Armeechef André Blattmann vor einigen Jahren anhand seines eigenen Haushalts die Bedeutung eines Notvorrats erläuterte? Man beliess es beim TA nicht etwa dabei, die Entgleisung des Armeeabschaffers Cedric Wermuths (SP), der CdA sei «übergeschnappt», zu kolportieren. Nein, man setzte noch einen drauf, machte sich über die «Katastrophe als Hobby» lustig und fand prompt einen Psychiater, der sich über die Zwanghaftigkeit solchen Verhaltens ausbreitete.

In der «Aargauer Zeitung» war in diesem Zusammenhang zu lesen, Blattmann habe mit seinen Aussagen – «nicht zum ersten Mal» – polarisiert und führte aus, die Reaktionen gingen darum so hoch, weil der Begriff «Notvorrat» an Kalten Krieg und geistige Landesverteidigung erinnere. Bisher hielt ich es immer für ein Zeichen von Intelligenz, sich am Sieger und nicht am Besiegten zu orientieren. Und es waren jedenfalls nicht die SP, die GSoA und die Wermuths, die den Kalten Krieg gewannen. Und, was die geistige Landesverteidigung angeht, stehen diese noch heute konsequent auf der falschen Seite.

Es lebe der Überfluss!

Es gibt kein System, das allen Menschen gibt, was sie gerade brauchen. Jeder Versuch, es auf Erden zu schaffen, scheiterte in der Vergangenheit grandios – häufig zum Preis von Millionen von Toten. Das Leben der Menschen lässt sich nicht zentral planen. Bestenfalls lassen sich die Voraussetzungen schaffen, dass jeder möglichst für sich sorgen und vorsorgen kann. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist Überfluss. Das erkannte der römische Historiker Plinius d.Ä. bereits vor gut 2000 Jahren, als er den Einfluss des Wasserstands des Nils auf die Gesellschaft des alten Ägyptens beschrieb: «Bei 12 Ellen Hunger, bei 13 Genüge, bei 14 Freude, bei 15 Sicherheit und bei 16 Ellen Überfluss.» Und genau dieser Überfluss war nötig zur Schaffung einer gewaltigen Hochkultur, die uns noch heute in Erstaunen und Bewunderung versetzt. Man mag «Food waste» beklagen, das Gegenteil ist wesentlich schlimmer.

Wenn das Selbstverständliche plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist, besinnen sich die Menschen wieder auf das Wesentliche. Bei Politikern und Qualitätsjournalisten mag es etwas länger gehen, aber in der Bevölkerung stellt man sich bereits sehr konkrete Fragen: Wie tief wird die Börse noch fallen? Wie sehr wird die Volkswirtschaft zu leiden haben? Was, wenn auch hierzulande die Schulen geschlossen werden? Wer versorgt die Kinder? Was, wenn die Deutschen nicht mehr nur Schutzmasken zurückbehalten, sondern uns den Strom abstellen, weil sie ihn selbst brauchen? Von Greta und ihren Klimahüpfern spricht derzeit jedenfalls kaum jemand. Das ist schon einmal ein guter Anfang.

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