Kontroverse zum Burka-Verbot

Soll die Burka verboten werden?

PRO

Orlando Wyss wohnt in Dübendorf und nimmt für die SVP Einsitz im Kantonsrat.

Die Diskussion um das Burka-Verbot ist lanciert, spätestens seit sich Regierungspräsident Mario Fehr als SP-Regierungsrat dafür ausgesprochen hat. Das ist gut so, denn es gibt bei liberalen und bürgerlichen Politikern solche, die sich dagegen aussprechen. Sie argumentieren, dass man keine Kleidervorschriften erlassen solle. Und hier irren sich diese sogenannten Liberalen gewaltig.

Es geht beim Burka-Verbot nicht um Kleidervorschriften, sondern um die Grundwerte unserer liberalen Gesellschaft. Wir sind es gewohnt, dass wir unserem Gegenüber ins Gesicht und in die Augen schauen können. Wir sind eine offene Gesellschaft, in der man wissen will und auch soll, wer einem gegenübersteht. Es gibt keinen Grund, den ich akzeptiere, wieso jemand verhüllt durch die Strassen gehen soll. Die einzige Ausnahme bildet die Fasnacht, die aber traditionelle Wurzeln hat und auf wenige Tage beschränkt ist. Wie ein Kohlensack durch die Strassen zu wandeln und diese Abartigkeit noch religiös zu begründen ist in unserem Land ein No-Go.

Jede Religion hat sich in der Schweiz an die Verfassung zu halten und steht nicht über dem geltenden Recht. Fundamentalisten jeglicher Religionen sind konsequent in die Schranken zu weisen. Es ist ja nicht eine Vorschrift des Korans, dass Frauen ganz verhüllt in der Öffentlichkeit auftreten müssen. Es sind männliche Extremisten des Islams, welche mit ihrem nicht akzeptierbaren Verhältnis zum weiblichen Geschlecht dieses zu Menschen zweiter Klasse machen. Und dies akzeptieren wir in der Schweiz nicht. Darum muss und wird auch dem Burka-Verbot in der Schweiz zugestimmt werden.

CONTRA

Claudio Zanetti wohnt in Gossau und nimmt für die SVP Einsitz im Nationalrat.

Es ist nicht leicht mit der Freiheit. Vor allem nicht mit derjenigen der anderen. Dass Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden ist, sagt sich so leicht. Doch es braucht grosse innere Kraft, um dafür einzustehen, dass jemand sagen kann, was man nicht hören will.

Eine Burka sei mehr als ein Kleidungsstück, ist zu lesen und zu hören. Sie sei Ausdruck eines politischen Programms. Das stimmt. Doch dann muss ihr Tragen in der Öffentlichkeit erst recht erlaubt sein. Ich mag die ständigen Demonstrationen in der Stadt Zürich auch nicht. Ich finde sie laut und lästig. Aber sie zu ertragen, ist der Preis, den ich für meine Freiheit gerne zahle. Mit läppischen Machtdemonstrationen ist der Kampf gegen die schleichende Islamisierung nicht zu gewinnen. Erst recht nicht, solange wir Richter beschäftigen, die Scharia-Recht als gleichwertig anerkennen, in Stellvertretung geschlossene Ehen mit Minderjährigen anerkennen und daraus ein Recht auf Familiennachzug ableiten.

Die Gesinnung der Menschen, die hierherkommen, sollte uns wichtiger sein als die Kleider, die sie tragen. Was sie glauben, hat uns nicht zu kümmern. Dafür umso mehr ihre Bereitschaft, unsere freiheitliche Rechtsordnung uneingeschränkt zu akzeptieren. Niemandem kommt aufgrund seiner Religion eine Sonderstellung zu.

Wir hingegen sollten uns wieder auf die Werte unserer westlichen Zivilisation besinnen, die unter anderem den Rechtsstaat und grossartige kulturelle Werke hervorbrachte. Kein anderes System gewährt dem Einzelnen in seinem Streben nach Glück so grossen Freiraum. Das wird am Ende überzeugen.

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Erschienen im Zürcher Oberländer vom 31. August 2016.

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