Teilen

CC-Talk vom 4. November 2010

[flv:http://www.politik.ch/fs/videos/cc_talk/101104_politalk.flv 480 310]
Gesundheitskosten ausser Rand und Band

Die Gesundheitsausgaben in der Schweiz sind mit über 50 Milliarden Franken mehr als doppelt so hoch, wie der gesamte Bau der Neat kostet. Auch nächstes Jahr werden die Krankenkassenprämien um weitere 6,5% steigen. Wir kann diese Kostenexplosion unter Kontrolle gebracht werden? Wer sind die Kostentreiber? Die Pharmaindustrie, die Spitäler, die High-Tech-Medizin, teure Spezialärzte, die Krankenkassen oder die Patienten selbst? Darüber diskutieren Christoph Romer und Claudio Zanetti mit zwei Gesundheitspolitikern: Ruth Humbel, CVP Nationalrätin AG und Alex Kuprecht, SVP-Ständerat SZ.

CC-Talk vom 28. Oktober 2010

[flv:http://www.politik.ch/fs/videos/cc_talk/101028_politalk.flv 480 310]
SP-Steuerinitiative

Ist unser Steuersystem ungerecht? Zahlen die Superreichen zu wenig Steuern? Die SP meint ja und hat daher ihre sogenannte Steuergerechtigkeitsinitiative lanciert, über welche das Volk am 28. November abstimmt. Sollte die Initiative angenommen werden, würden den Kantonen Minimalsteuersätze für Reiche vorgeschrieben. Damit würde der Steuerwettbewerb weitgehend ausgeschaltet. Die Gegner der Initiative befürchten dadurch unter anderem ein Abwandern von reichen Ausländern aus der Schweiz, was zu höheren Steuern für alle führen könnte. Steuerinitiative – ja oder nein? Darüber diskutieren Christoph Romer und Claudio Zanetti mit folgenden Gästen: Cédric Wermuth (Präsident JUSO, Vizepräsident SP-Schweiz) und Alfred Heer (Nationalrat und Präsident der SVP des Kantons Zürich, sowie Präsident des Bundes der Steuerzahler).

CC-Talk vom 21. Oktober 2010

[flv:http://www.politik.ch/fs/videos/cc_talk/101021_politalk.flv 480 310]
Ausschaffungsinitiative – der Gegenvorschlag

Am 28. November stimmt das Schweizer Stimmvolk über die SVP-Ausschaffungsinitiative und den Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament ab. Sollen schwerkriminelle Ausländer ausnahmslos ausgeschafft werden oder muss nicht viel eher bei der Ausländerintegration angesetzt werden? Ist der Gegenvorschlag ein guter Schweizer Kompromiss oder schafft er neue Probleme? Über diese Fragen diskutieren Christoph Romer und Claudio Zanetti mit dem Berner SVP-Nationalrat Adrian Amstutz und mit der Aargauer CVP-Nationalrätin Esther Egger.

Wo er Recht hat, hat er Recht

Bundesrat Moritz Leuenberger hält nichts von einer Systemreform. Die Schweiz sei politisch bereits gut gerüstet – das System effizient und schnell.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Er hat Recht. Zwar verletzt Leuenberger mit dieser Stellungnahme das Kollegialitätsprinzip, aber er hat Recht, und der Bundesrat liegt falsch, wenn er das Amt des Bundespräsidenten auf zwei Jahre ausdehnen will.

Nach schweizerischer Staatskonzeption ist der Bundespräsident ein „primus inter pares“, der Erste unter Gleichen. Und wenn es in den vergangenen Jahren Probleme gab, so waren diese jedesmal darauf zurückzuführen, dass einige vergassen, dass der Bundesrat eine dienende Funktion hat, und sich ins selbst Rampenlicht drängten. Eine Stärkung des Bundespräsidiums würde dieser Unsitte noch Vorschub leisten.

Die FDP schafft in der Europafrage Klarheit – vorübergehend

Wir stehen vor einem Wahljahr. Am 23. Oktober 2011 werden die Eidgenössischen Räte neu bestellt. Und wie es derzeit aussieht werden zwei Themenkomplexe den Wahlkampf dominieren – und entscheiden: „Ausländerkriminalität und Asylrechtsmissbrauch“ sowie „EU-Beitritt“. Bei beidem haben nur zwei politische Lager eine klare Haltung. Die internationalistische Linke will Grenzen niederreissen, Verantwortung kollektivieren und jeden, dem es hier gefällt, mitsamt Familie einreisen lassen. Mörder und Vergewaltiger des Landes zu verweisen, wird als unmenschlich abgelehnt. Wenn einer hier kriminell wird, so liegt das ihrer Meinung nach daran, dass sich die Schweiz zu wenig um Integration bemüht hat. Auf der anderen Seite hält die SVP die Fahne der nationalen Volks-Souveränität hoch. Sie will weder die direkte Demokratie noch die Neutralität preisgeben und der Bevölkerung keine Verdoppelung der Mehrwertsteuer zumuten. Sie ist darum gegen den Beitritt zur EU. Aus den gleichen Motiven leitet die Volkspartei auch ihre Haltung in der Ausländer- und Asylpolitik ab: „Hier gelten unsere Regeln! Wer hier leben will, hat sich diesen anzupassen!“

Dazwischen findet sich „die Mitte“, die krampfhaft nach einem ominösen „dritten Weg“ sucht und sich nur mittels Fusionen und der Bildung von Fraktionsgemeinschaften über Wasser zu halten vermag. Vermutlich ist das der Grund dafür, dass ihre Positionen so wässrig sind. „Die Mitte“ will es allen recht machen. Genau wie im Berner „Burebüebli: „Mau ufe, mau abe, mau linggs, mau rächts, mau füre, mau hingere, mau linggs, mau rächts…“ Wer nach 162 (FDP), bzw. 119 (CVP) Jahren noch nicht begriffen hat, dass man die auf dem Abstimmungszettel gestellte Frage mit „ja“ oder „nein“ beantworten muss, hat unter den gegebenen Voraussetzungen natürlich ein Problem. Das hat mittlerweile auch Fulvio Pelli erkannt, unter dessen Präsidentschaft die zur „FDP.Die Liberalen“ fusionierten Freisinnigen den niedrigsten Wähleranteil in ihrer Geschichte erreicht haben.

Die Freisinnigen treffen sich heute in Herisau zur Delegiertenversammlung. Es gilt, ein Positionspapier zu verabschieden, das den sexy Titel trägt: „Die Schweiz in einer globalisierten Welt – Selbstbewusste Aussenpolitik, Freihandel und aktive Vermittlung zwischen Konfliktparteien.“ Den Konflikt mit Christian Levrat hat Pelli – ohne Vermittlung Toni Brunners – bereits beendet. Jetzt will er auch noch den parteiinternen „Europa-Graben“ zuschütten. EWR- und EU-Beitritt sollen kein Ziel mehr sein. Doch Pelli wäre nicht Pelli, und die FDP.Die Liberalen nicht die FDP.Die Liberalen, wenn sie das auch so klar sagen und beschliessen würden. Wörtlich heisst es im Positionspapier: „Weder eine „Abschottung in einem Alleingang“, noch ein EU- oder EWR-Beitritt sind aktuelle Optionen.“ – Das mit dem „Alleingang“ ist Unfug. Niemand will das. Genauso so obsolet wäre die Aussage: „Die Verlegung des Bundeshauses nach Dagmarsellen ist keine Option.“ Viel wichtiger ist allerdings das Wörtchen „aktuell“, das die vermeintlich angestrebte Klarheit zunichte macht. Was heisst aktuell? Heute? Nächste Woche? Oder heisst es „bis zum 23. Oktober 2010“? Wird man nach den Wahlen für den EU-Beitritt sein, weil man ja nur „aktuell“ dagegen ist? Waren es nicht auch zwei freisinnige Bundesräte, die das Bankkundengeheimnis für „nicht verhandelbar“ erklärten?

Mit der so „geklärten“ Europa-Position werden auch die freisinnigen Euro-Turbos problemlos leben können. Unter Verweis auf veränderte Umstände werden sie frei nach Ulrich von Rudenz aus Schillers „Wilhelm Tell“ weiterhin behaupten, es sei vergebens, der EU zu widerstreben, die Welt gehöre nun einmal ihr. Und sie werden fragen, ob wir uns tatsächlich „eigensinnig steifen und verstocken, die Länderkette ihr unterbrechen, die sie gewaltig rings um uns gezogen“. Nichts Neues unter der Sonne.

Die freisinnige Familie wird also in Minne auseinandergehen, und niemand wird bemängeln, dass die Sache mit der Nato-Mitgliedschaft, die in der „Vision 2007“ in internationalistischem Übermut gefordert wurde, im neusten Wurf mit keiner Silbe erwähnt wird. Von einer wirklichen Klärung der aussenpolitischen Position kann also keine Rede sein. Es werden einmal mehr die Wählerinnen und Wähler sein, die Klarheit schaffen müssen. In einem Jahr haben sie dazu Gelegenheit.
______

Erschienen in der Berner Zeitung vom 16. Oktober 2010.

CC-Talk vom 14. Oktober 2010

[flv:http://www.politik.ch/fs/videos/cc_talk/101014_politalk.flv 480 310]
Direkte Demokratie unter Druck?

Im November 2009 hat das Schweizer Stimmvolk ein Verbot zum Bau von Minaretten in die Bundesverfassung geschrieben. Nun relativieren Regierung und Gerichte dieses Verbot auf Grund von internationalen Verträgen und anderen juristischen Argumenten. Machen in einer direkten Demokratie Volksabstimmungen überhaupt noch Sinn, wenn sie nachträglich nicht umgesetzt werden? Wird die direkte Demokratie auf diese Weise durch die Hintertür verabschiedet? Darüber diskutieren Christoph Romer und Claudio Zanetti mit folgenden Gästen: Ulrich Schlüer (SVP-Nationalrat) und Beat Walti (Präsident der FDP des Kantons Zürich).

CC-Talk vom 7. Oktober 2010

[flv:http://www.politik.ch/fs/videos/cc_talk/101007_politalk.flv 480 310]
SRG Monopol und Zwangsgebühren

Alle Schweizer Haushalte und Betriebe sollen künftig Radio- und Fernsehgebühren zahlen, unabhängig davon, ob überhaupt ein Radio oder Fernseher vorhanden ist. Führt dies zu mehr Gerechtigkeit und tieferen Einzelgebühren oder wird damit auf dem kalten Weg eine neue Steuer eingeführt? Schadet das Quasi-SRG-Monopol unserer Demokratie? Darüber diskutieren Christoph Romer und Claudio Zanetti mit folgenden Gästen: Natalie Rickli (SVP Nationalrätin, Vizepräsidentin Aktion Medienfreiheit) und Anton Schaller (Kommunikationsberater und ehemaliger Journalist des Schweizer Fernsehens).

CC-Talk vom 30. September 2010

[flv:http://www.politik.ch/fs/videos/cc_talk/100923_politalk.flv 480 310]
Frauen an die Macht…

Seit den jüngsten Bundesratswahlen ist die Schweizer Regierung erstmals mehrheitlich weiblich. Ist unser Land damit in Frauenhand? Wohl kaum: In den Topkadern der Privatwirtschaft oder in den Kantonsregierungen sind die Frauen nach wie vor rar. Was sind die Gründe? Liegt es an den Frauen selbst oder werden die Frauen nach wie vor diskriminiert? Ist eine aktive Frauenförderung 40 Jahre nach der Emanzipationsbewegung noch sinnvoll und nötig? Was ändert sich, wenn vermehrt Frauen ans „Ruder“ kommen? Darüber diskutieren Christoph Romer und Claudio Zanetti mit folgenden Gästen: Doris Fiala, FDP Nationalrätin und Kathrin Arioli, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich.

CC-Talk vom 23. September 2010

[flv:http://www.politik.ch/fs/videos/cc_talk/100923_politalk.flv 480 310]
Vergammelt unsere Bundesstadt?

Dieses Wochenende stimmt das Berner Stimmvolk über das Weiterbestehen des alternativen Kulturzentrums Reitschule ab. Die Reitschule gilt auch als Treffpunkt der autonomen Szene, welche immer wieder gewalttätige Demonstrationen durchführte. Soll der Staat solche Kulturzentren finanziell unterstützen? Sind solche Einrichtungen ein Schandfleck für eine Stadt oder ein Zeichen von Toleranz und Kreativität. Ist Bern eine Bundesstadt auf welche die Eidgenossenschaft stolz sein kann. Darüber diskutieren Christoph Romer und Claudio Zanetti mit folgenden Gästen: Erich Hess, Berner SVP-Grossrat, welcher die Initiative zur Schliessung der Reitschule lanciert hat und Aline Trede, Berner Stadträtin der jungen Grünen, welche für eine Weiterführung der Reitschule ist.

Wer Argumente hat, braucht das freie Wort nicht zu fürchten

Meinungsäusserungsfreiheit ist der Dorn in der Seite der Mächtigen. Darum ist sie so wichtig, ja unverzichtbarer Bestandteil jeder freiheitlichen Gesellschaftsordnung. Wo Meinungsäusserungsfreiheit herrscht, müssen die Regierenden ihre Entscheide begründen. Wo sie fehlt, macht sich Einfalt breit.Für den Mächtigen ist das Recht des kleinen Mannes, jederzeit ohne Furcht vor staatlicher Repression frei seine Meinung äussern zu dürfen, natürlich lästig. Das war schon immer so. Päpste setzten unliebsame Schriften auf den Index und schickten brillante Denker wie Giordano Bruno auf den Scheiterhaufen. Auch den französischen Königen fehlten die Argumente für die unterschiedliche rechtliche Behandlung der verschiedenen Stände. Man behalf sich mit Zensur und brutaler Verfolgung der Kritiker. In der Sowjetunion sorgte der berüchtigte Paragraf 58 („konterrevolutionäre Tätigkeiten“ und „antisowjetische Agitation“) für Disziplin. Und falls ein Proletarier an der „Diktatur des Proletariats“ Kritik übte, warteten Gulag oder Lubjanka auf ihn. Und auch bei der Gestapo scherte man sich nicht um die Meinungsfreiheit, als die Mitglieder der „Weissen Rose“ Flugblätter gegen das Nazi-Regime verteilten. Für sie stand das Fallbeil parat.

Eher neu ist, dass Journalisten die Meinungsäusserungsfreiheit infrage stellen, wie dies im Tages-Anzeiger vom vergangenen Montag mit Bezug auf die Islamdebatte geschehen ist. Die dort geforderte Stärkung der Religionsfreiheit läuft zwangsläufig auf eine Zensur hinaus. Doch die Religionsfreiheit schützt nicht Religionen. Sie schützt das Recht jedes Individuums, in religiösen Fragen ohne Furcht vor staatlicher Einflussnahme eine Meinung zu haben, und die eigene Religiosität nach Belieben zu praktizieren. Auch Atheisten, Agnostiker und Religionsgegner können sich auf sie berufen. Sie ist eine Ergänzung, ja sogar Bekräftigung, der Meinungsäusserungsfreiheit und nicht deren Gegenpol. Zensur – und sei sie noch so gut gemeint – lässt sich mit ihr jedenfalls nicht rechtfertigen.

Vor der Einführung der Antirassismus-Strafnorm wurde dem Schweizervolk versichert, die Meinungsäusserungsfreiheit bleibe gewahrt. Nur „ganz schlimme Vergehen“ wie die „systematische Herabsetzung oder Verleumdung der Angehörigen einer Rasse, Ethnie oder Religion“ würden bestraft. Und der „Stammtisch“ gelte nicht als „öffentlich“. Das Bundesgericht strafte diese Beteuerungen Lügen. Wer soll die Grenzen ziehen? Wo sollen diese liegen? Und wer kontrolliert die Kontrolleure? Der Tages-Anzeiger oder Georg Kreis?

Wie leicht ist es in der Theorie, Rosa Luxemburg zu zitieren, die die „Freiheit der Andersdenkenden“ einforderte? Wie rasch ist der Voltaire zugeschriebene Ausspruch wiederholt „Ich lehne Ihre Meinung ab, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“? Die Praxis sieht anders aus: Hiess es zurzeit des Kalten Krieges noch: „Lieber rot als tot“, genügen mittlerweile ein paar beleidigte Muslime, um unsere Intellektuellen kapitulieren zu lassen. An der Universität Yale erschien kürzlich ein wissenschaftliches Werk über den Karikaturenstreit. Aus falscher Rücksicht wurde auf den Abdruck der inkriminierten Karikaturen verzichtet. Die Leute hätten sonst realisieren können, aus welch nichtigem Anlass fanatische Muslime zu Mördern und Brandschatzern werden.

Unweit vom Ground Zero soll ein muslimisches Gebetszentrum errichtet werden. Das ist zwar legal, aber für viele Amerikaner eine Provokation. Und da gibt es eine evangelikale Splittergruppe, die am Jahrestag von „9/11“ Koranausgaben verbrennen wollte. Das ist zwar verwerflich, aber nicht weniger eine Provokation und genau so legal wie der Bau der Moschee. Gleichwohl wird in Intellektuellenkreisen mit zweierlei Ellen gemessen.

Wer Toleranz einfordert und aus diesem Grund den Moscheebau begrüsst, die Koranverbrennung hingegen verurteilt, ergreift Partei. Das ist zwar legitim, doch ist das Argument der Toleranz vollkommen verfehlt. Denn der politische Islam – und nur um diesen geht es – ist der Inbegriff der Intoleranz. Unsere Toleranz interpretiert er zu Recht als Schwäche.Wer in Freiheit leben will, hat sich dafür weder zu schämen noch zu entschuldigen. Im Gegenteil, er muss dafür kämpfen und sich gegen jede Bedrohung zur Wehr setzen. Benjamin Franklin wusste: „Diejenigen, die für ein bisschen vorübergehende Sicherheit grundlegende Freiheiten aufgeben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“ („Those who would give up essential Liberty to purchase a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety). Dem ist nichts hinzuzufügen.

______

Erschienen im Tages-Anzeiger vom 18. September 2010.

Teilen