Unwort hin oder her: Gutmensch bleibt Gutmensch

Das „Unwort des Jahres 2015“ lautet „Gutmensch“. Das findet jedenfalls eine Jury politisierender linker Sprachwissenschaftler aus Darmstadt (nomen est omen.), die es sich zum Ziel gesetzt hat, jährlich ein Unwort zu bestimmen. Was mich angeht, so lautet das einige Unwort das ich kenne „Unwort“. Der Begriff erinnert mich zu sehr an die Nazis, die ebenfalls eine neue Gesellschaft anstrebten und zu diesem Zweck dekretierten, was „undeutsch“ ist. Das und die mir angeborene Abneigung, anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie zu reden und zu denken haben, hindern mich daran, ebenfalls jedes Jahr (warum eigentlich nicht jeden Monat?) ein Unwort in die Welt zu posaunen. Aber wenn ich diese Hemmung nicht hätte, dann wäre mein Favorit eben „Unwort“, sogar noch vor „alternativlos“. Und damit hätte sich die Aktion auch schon selbst erledigt.

Erinnern Sie sich noch an das „Messerstecherinserat“ der Zürcher SVP? Dann erinnern Sie sich auch an den Aufschrei, den dieses auslöste. Obwohl sie der ganzen Empörung den Namen gab, war bei genauerer Betrachtung nicht die Darstellung einer mit einem Messer auf eine Frau einstechenden Person Stein des Anstosses, sondern vielmehr der damit verbundene Slogan: „Das haben wir den Linken und den Netten zu verdanken!“. Das Inserat traf ins Schwarze. Es verletzte die Richtigen. Genau wie der Begriff „Gutmensch“ die Richtigen trifft. Darum sind es damals wie heute die Richtigen, die aufschreien.

Sprachpolizei

Die selbsternannten Sprachpolizisten begründen ihren Entscheid damit, dass der Begriff „Gutmensch“ im vergangenen Jahr besonders häufig gebraucht worden sei. Warum dem so sein könnte, wird freilich nicht gefragt. Stattdessen wird dem Begriff eine von der Definition im Duden abweichende Bedeutung gegeben. Plötzlich sind es nicht mehr Menschen, die sich „besonders für Political Correctness engagieren“. Gemäss den fünf Darmstädter Gutmenschen, zu denen sich dieses Jahr auch der links-aussen Komiker Georg Schramm gesellte, wurden 2015 mit dem Begriff insbesondere auch diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen.

Das ist infamer Quatsch. Quatsch deshalb, weil ehrenamtliches Engagement Tatbeweis ist und von einer gewissen Ernsthaftigkeit zeugt. Es ist nicht das ehrenamtliche Engagement, das Gegenstand der Kritik ist, sondern das häufig damit einhergehende Moralisieren, das darauf abzielt, andersdenkende als moralisch minderwertig hinzustellen. Infam ist die Begründung, weil sie suggeriert, nur eine kleine Gruppe, eben jene der Gutmenschen, stelle sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime. Als wäre es nicht nur eine kleine Gruppe von Verbrechern, die solche Angriffe gutheissen. Ob sich die Jury Gedanken gemacht hat, wie vielen Menschen sie mit ihrer Argumentation Unrecht tut?

Moralisch richtig?

Richtiggehend grotesk ist die Aussage, Toleranz und Hilfsbereitschaft würden pauschal als naiv, dumm oder weltfremdes Helfersyndrom diffamiert, obwohl dieses Verhalten moralisch richtig sei. Eine solche Pauschalisierung verschlägt einem beinahe den Atem. Wohin diese falsche Toleranz der Gutmenschen führt, wird uns in diesen Tagen schmerzhaft vor Augen geführt. Das totale Versagen der Behörden im britischen Rotherham, wo fürchterliche Sexualverbrechen von pakistanischen Banden an Minderjährigen über lange Zeit hinweg nicht geahndet wurden, weil man sich nicht dem Rassismus-Vorwurf aussetzen wollte, blieb kein Einzelfall. In Köln wusste die Polizei über die ungeheuerlichen Vorkommnisse in der Silvesternacht Bescheid. Sie beschönigte aus Gründen der Political Correctness, und um den politisch Vorgesetzten zu gefallen. Und soeben erreicht uns aus dem, ach so weltoffenen Schweden die Nachricht, dass es gängige Praxis war, von Ausländern verübte Straftaten zu vertuschen.

Die Stadt Zürich ist voll dabei

Vom gleichen Geist beseelt ist auch der Stadtzürcher Gemeinderat, der einen Vorstoss der mittlerweile in den Nationalrat gewählten Sozialdemokratin Min Li Marti überwies, wonach die Stadtpolizei angewiesen werden soll, die Nationalität von Straftätern konsequent zu verheimlichen. Die Mehrheit des Stadtzürcher Parlaments besteht aus Gutmenschen.

Selbstverständlich ist das Prädikat „Gutmensch“ ein Urteil. Wer den Begriff verwendet handelt wie ein Richter. Und aus Goethes Faust II wissen wir: „Ein Richter, der nicht strafen kann, gesellt sich endlich zum Verbrecher.“

2 Gedanken zu „Unwort hin oder her: Gutmensch bleibt Gutmensch“

  1. Der Text bringt es auf den Punkt. Unverblümt. Trocken. Selbst wenn die von geschlechtsneutral schwurbelnden Moraloberlehrern inflationär gebrauchten Ausdrücke „Hetze“ und „kulturelle Bereicherung“ ebenfalls heisse Anwärter waren, bleibt mein Unwort des Jahres der angesichts aktueller Vorfälle unparodierbare Begriff „Einzelfall“. Es ist bezeichnend, dass dieser Ausdruck praktisch nur in der Mehrzahl vorkommt. Paradox, könnte man meinen. Händeringend suchen besagte Gutmenschen Argumente, um ihre verfehlte Politik schönzureden. Wörter wie „Einzelfall“ sind das Rosshaar, das in absehbarer Nähe reisst und das Damoklesschwert der Realität auf die bereits roten Köpfe stürzen lässt.

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